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Im Gespräch: Steven Spielberg „Ich weinte, als Lincoln zu sprechen begann“

 ·  In dieser Woche läuft „Lincoln“ in den deutschen Kinos an. Im F.A.Z.-Interview erklärt Regisseur Steven Spielberg, wie man einen historischen Giganten vom Sockel holt, um ihn dem heutigen Kinopublikum auf Augenhöhe vorzustellen.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (12)
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Michael Schmidt

Untertitel

Nein, Mr. Spielberg.Die Deutschen sehen die Filme nicht untertitelt sondern synchronisiert; deshalb können sie im Unterschied zu den Skandinaviern so schlecht Englisch. Alle sprechen Hochdeutsch: amerikanische Präsidenten, Gangster, Cowboys, englische Könige, japanische Samurais,Vietcongs, französische Polizisten, sizilianische Priester... you name it. Eine grandiose
Verfälschung der Originale und ein Banausentum in den deutschen Kinos!

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Wolfgang Wurtz
Wolfgang Wurtz (wolwul) - 20.01.2013 12:57 Uhr

Warum schreibt eigentlich niemand, dass es Lincoln nur um die Einheit der Vereinigten Staaten ging?

Dieses unsinnige und verderbliche und eigentlich rein faschistische Ansinnen hat ziemlich genau einer Million weißer Amerikaner auf beiden Seiten der Bürgerkriegsfront das Leben gekostet. Die Abschaffung der Sklaverei war überhaupt nicht Lincolns vordringliches Ziel. Sie kam erst im letzten Augenblick eher zufällig dazu. Und hat die Lebensbedingungen der Schwarzen zunächst deutlich verschlechtert, an der entwürdigenden Apartheit ca. 100 Jahre nichts geändert und noch viele Todesopfer gefordert.

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 20.01.2013 14:09 Uhr
George Rauscher

Fakten checken, Herr Käfer!

Lincoln war nie ein radikaler Abolitionist. Der Freiheitsproklamation galt, hier bitte aufmerken, vorerst auch nur in den Konföderationsstaaten, weil man die "loyalen" Sklavenstaaten nicht verprellen wollte.
Aber das alles zeigt nur einmal mehr daß Geschichte immer von Siegern geschrieben wird, oder zumindest zu ihren Gunsten.

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Matthias Große
Matthias Große (Merwig) - 20.01.2013 13:41 Uhr

Guten Tag Herr Wurtz, vielen Dank für Ihren Beitrag. Die Opfer der Konföderierten ...

sind schier unglaublich! Praktisch 100% der wehrfähigen Männer (ohne Sklaven), das sind 1 Million von der gesamten (2,8 Millionen) weißen, männlichen Bevölkerung im Süden müssen nach diesen Zahlen in den Streitkräften gewesen sein. Davon sind fast 30% gefallen! Der Norden verfügte über doppelt so viele Soldaten und über das bessere Material und hat trotzdem vier Jahre für den Sieg gebraucht. Der Süden hatte in der Zwischenzeit trotzdem viele Schlachten gewonnen. Oft wegen überlegener Taktik und Mut. Am Ende war es eine Ressourcenfrage, der Süden hatte keine Reserven. Im April 1865 standen einem Soldaten der Union ungefähr 4000 kcal/Tag zur Verfügung, einem Konföderierten nur 1800 kcal/Tag!

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Kalle Käfer
Kalle Käfer (kkaefer) - 20.01.2013 13:10 Uhr

Ist das Absicht

oder glauben Sie tatsächlich, was Sie da von sich geben. Der Grund für die Abspaltung des Südens war tatsächlich der, dass sich Lincoln dafür einsetzte, die Sklaverei nicht auszuweiten. Er wollte sie nicht radikal abschaffen, sondern langsam und für den Süden wirtschaftlich verträglich (auf Menschenrechte sei mal gesch..en) immer mehr einschränken, Aber schon das ging den absolutistischen Möchtergerne-Aristokraten bereits zu weit. Also lieber einen Krieg anfangen, auch wenn keine Chance besteht, ihn zu gewinnen. Sterben darf natürlich das Fussvolk und später auch die Sklaven. Gefangene lässt man halt einfach verhungern. Es wird einem auch im Falle einer Niederlage schon nichts passieren. Wer hier die Faschisten waren und zum Teil noch immer sind, ist ja wohl für jeden Nicht-Ku-Kluxer und Nicht-Arian-Brother offensichtlich.

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Closed via SSO

Firlefanz und Krippenspiel

Die Zuschauer hören dasselbe Geräusch, das Lincoln gehört hat? Das ist doch Mumpitz. Davon abgesehen, dass Lincoln das Ticken seiner Uhr niemals im Dolby Digital Surround Sound vernommen haben dürfte, ist die historische Annäherung in der Kunst nicht durch pseudoauthentischen Firlefanz zu erreichen.
Lincoln hat seine Umgebung niemals mit der Aura betrachtet, die Spielberg dem Betrachter aufzwängt, sie war sein Alltag. Er lauschte nicht verzückt dem Ticken seiner Uhr, sondern wollte eben nur manchmal wissen wie spät es ist. Um zu versuchen, dem historischen Kern seiner Welt auf die Spur zu kommen, müsste erst einmal der ganze überlieferte Ballast beiseite geräumt und die ursprüngliche Wahrnehmung neu erschaffen, nicht nachgebaut werden. Das ist das Problem der ´Biopics´: Sie verehren Holzsplitter als Kreuzreliquien, ohne die Entstehung einer Religion als Antwort auf eine konkrete Frage erklären zu können. Spielbergs Ansatz ist weder Historie noch Kunst, sondern simples Krippenspiel.

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Matthias Große
Matthias Große (Merwig) - 20.01.2013 11:46 Uhr

Ich bin von Spielbergs Interview und seiner Glorifizierung Lincolns sehr enttäuscht, denn ...

ich hätte Ihnen wesentlich mehr Interesse an historischen Wahrheiten und genauere Reflexion zum realen Lincoln und den Ursachen des Bürgerkrieges zu getraut. Es ist zweifelsfrei schriftlich dokumentiert, dass Lincoln die Schwarzen noch 1863 für minderwertig hielt und am liebsten komplett nach Mittelamerika aussiedeln wollte. Die Sklavenbefreiung, die für den Süden galt, war zuerst ein Mittel dem Feind die wirtschaftliche Basis zu entziehen. In Wirklichkeit ging es Lincoln um die Durchsetzung eines aggressiven, imperialistischen Zentralstaates (siehe auch nachfolgende 150 Jahre). Dafür hat er 700.000 Tote in Kauf genommen. Um 1860 war die Sklaverei auch im Süden bereits auf dem Rückzug und hätte sich ohne Bürgerkrieg auch nicht mehr lange gehalten. Meine These: Bei einem Sieg der C.S.A wäre die Welt heute vielleicht eine bessere, eine freiheitlichere, zumindest auf nordamerikanischen Gebiet.

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Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 20.01.2013 20:50 Uhr
Bernd Chufu
Bernd Chufu (Raneb) - 20.01.2013 20:50 Uhr

Guten Abend Herr Vosil, das ist natürlich alles sehr spekulativ...

es ist aber bekannt, dass die Russische Revolution durch ca. 100 Mill. Goldmark ermöglicht wurde, die das Deutsche Reich an Lenin zahlte, um den Krieg im Osten durch Schwächung der zaristischen Regierung zu beenden. Bei einem günstigeren Verlauf des Krieges im Westen für Deutschland wäre diese Maßnahme vielleicht nicht nötig gewesen und die Bolschewisten nicht erfolgreich. Ich vermute auch, dass der 1.WK (ohne die Existenz der USA in der damaligen Form) von vorn herein einen ganz anderen Verlauf, auch mit etwas anderen Allianzen genommen hätte. Na und ganz klar: ohne Versailles kein Hitler und kein 2.WK. Ach übrigens, in dem Zusammenhang interessant: Hitler war, wie ich aus einem Vortrag lernte, ein Anhänger der Nordstaaten, eben weil er den mächtigen Zentralstaat liebte.

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Rupert K. Vosil

Gestatten Sie mir an dieser Stelle die Frage,...

was die innenpolitische Situation im Zarenreich, die im 1. Welkrieg massiv zugespitzt wurde und demzufolge zur Oktoberrevolution sowie zum Entstehen der UdSSR geführt hat, mit einem "bi-föderalen" Nordamerika zu tun gehabt hätte? Und abgesehen davon, warum hätte es denn ohne Sowjetunion keinen 2. Weltkrieg gegeben? Ist dann davon auszugehen, dass Hitler auf seinen "Lebensraum im Osten" verzichtet hätte? Fragen über Fragen...

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Matthias Große
Matthias Große (Merwig) - 20.01.2013 13:25 Uhr

Guten Tag Herr Vosil, die von Ihnen geschilderten Szenarion nach einem C.S.A.-Sieg ..

sind interessant. Wahrscheinlich wäre dann aber auch eine Sowjetunion, wie wir sie kennenlernten, nie entstanden und auch kein 2.Weltkrieg.

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Rupert K. Vosil

Naja...

hätten die C.S.A "gewonnen", hätte es im weiteren Verlauf der Geschichte zwei amerikanische Förderationen gegeben. Ob die sich wohl irgendwann "wiedervereinigt" hätten nach so viel Blut? Hm. Jedenfalls erscheint mir unter diesen Voraussetzungen ein amerikanischer Kriegseintritt in WWI unwahrscheinlich. Und dann? Deutscher Sieg? Erschöpfungsfrieden ohne Sieger? Spätestens hier wird alles schwammig. Jedenfalls wären die USA in der heutigen Form wohl als "Gegner" gegen die Sowjetunion ausgefallen. Ob das so toll gewesen wäre?

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Kalle Käfer
Kalle Käfer (kkaefer) - 20.01.2013 12:38 Uhr

Sie müssen es ja wissen

Soviel besser wissen als alle die getäuschten, wegen ihrer Rasse sowieso mit minderer Intelligenz geschlagenen Schwarzen, die Präsident Lincoln als ihren Befreier verehren. Den ersten, der für die Durchsetzung einer Verfassung, in der die Gleichbehandlung aller Menschen ganarntiert wird, auch einstand und eine ganze Nation davon überzeugte, diese Rechte mit ihrem Leben zu verteidigen. Er war ein Kind seiner Zeit, mit allen Vorurteilen und Fehlern und bestimmt kein Heiliger, aber trotzdem kein Vergleich mit den aktuellen rückgratlosen Wetterfähnchen der Politik. Und im Vergleich mit Jefferson F. Davis, der ja angeblich auch gegen die Sklaverei war, sich aber durch die ihm angebotene Machtstellung ganz flott korrumpieren liess, ist er ein leuchtendes Vorbild.

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18.01.2013, 15:06 Uhr

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