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Im Gespräch: Shirin Neshat : Ekstase für das Publikum!

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Jeder Film in einem Wettbewerb hat seine Diskussion verdient: Shirin Neshat Bild: Getty Images

Die iranische Künstlerin und Filmemacherin Shirin Neshat ist Mitglied der diesjährigen Berlinale-Jury. Im Sommer dreht sie in Ägypten ihren nächsten Film: über die Sängerin Umm Kulthum. Ein Treffen im New Yorker Studio der Regisseurin.

          Frau Neshat, Sie sind eine bildende Künstlerin, die auch Filme dreht. Jetzt sind Sie in die Jury der Internationalen Filmfestspiele Berlin berufen worden. Suchen Sie nach anderen Dingen, wenn Sie Filme beurteilen, als Kollegen, die ganz aus der Welt des Kinos kommen?

          Mich interessiert vor allem der Prozess, den wir in der Jury durchlaufen. Wie wir uns darüber klarwerden, wie wir Filme überhaupt beurteilen können. Ich habe gelernt, wie wichtig ein demokratisches Verfahren ist: dass über wirklich jeden einzelnen Film gesprochen wird. Selbst wenn die Mehrheit der Juroren der Ansicht sein sollte, er sei nicht stark genug, um in die nähere Wahl für einen Preis zu kommen. Ich bin selbst Regisseurin, und ich weiß, wie viel Arbeit in den Details steckt. Auch über die Ausschlusskriterien müssen wir ausführlich sprechen. Warum kommt ein Film für einen Preis nicht in Betracht? Für mich ist die Regie am wichtigsten, darauf schaue ich am genauesten, aber ich schaue auch aufs Thema und wie Regie und Darsteller damit umgehen. Wahrscheinlich geht das allen Juroren so, aber wir kommen teilweise aus unterschiedlichen Richtungen - ich komme aus der bildenden Kunst, ich bin Iranerin, meine Kunst entsteht aus Themen heraus, das ist anders als bei Experimentalfilmern. Ich glaube, die Jury dieses Jahr ist eine gute Mischung von Leuten aus verschiedenen Bereichen - Tim Robbins ist Schauspieler, Ellen Kuras ist Kamerafrau, Susanne Bier, Athina Rachel Tsangari und Andreas Dresen sind Regisseure, einige kommen aus Amerika, eine aus Dänemark, eine aus Griechenland, einer aus Deutschland. Und über uns allen Wong Kar Wai aus China!

          Ihr Film „Women Without Men“ hat 2009 in Venedig den Regiepreis gewonnen. Sie wissen also, was für ein Gefühl es ist, von Kollegen beurteilt zu werden. Ist das Urteil anderer - und das eigene Urteilen über die Arbeit von Kollegen - ein wichtiger Aspekt ihres Lebens als Künstlerin?

          Das kann ich so gar nicht sagen. In Venedig war unser Film der kleinste im Wettbewerb überhaupt. Der einzige, der nicht einmal ein Plakat hatte. Ein Star spielte auch nicht mit, und es war mein erster Film. Unsere Konkurrenten im Wettbewerb waren berühmte Leute, große Stars auch des unabhängigen Kinos, und ich kam ohne jede Erwartung nach Venedig. Aber ich hatte sechs Jahre meines Lebens in diesen Film gesteckt, meine Mitarbeiter auch - als ich dann zurückgerufen wurde, um den Preis entgegenzunehmen, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Dass die Jury sich die Mühe gemacht hatte, so genau auf unsere Arbeit zu schauen, dass sie einen Film wie meinen in derselben Liga und mit derselben Aufmerksamkeit anschaute wie die großen Konkurrenten und sich dann entschlossen hat, ihn auszuzeichnen: Das war unglaublich befriedigend, geradezu erhebend. Es war für uns alle, die an dem Film gearbeitet hatten, ein unerwartetes, riesiges Geschenk. Und der Preis gab dem Film eine Zukunft. Ohne die Auszeichnung hätte der Film keinen so großen internationalen Vertrieb gefunden. Obwohl er immer noch nicht gerade ein Kassenschlager wurde. Für mich war der Preis das Signal, mich wieder in ein riskantes Projekt zu stürzen, eine Ermutigung. Niemand hat ja je gesagt, dies sei der großartigste Film auf dem Planeten.

          Glauben Sie, dass dieser Preis anderen Filmemachern, die aus der bildenden Kunst kommen, eine Tür in die großen Filmfestivals geöffnet hat?

          Na ja, Steve McQueen war früher da als ich...

          Aber Steve McQueen macht ja eindeutig narratives Kino.

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