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Weißrussland : Der richtige Weg

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Julija Sawitsch, geboren 1994, studiert im 2. Jahr Philologie an der Staatlichen Universität in Polotsk, Weißrussland. Bild: privat

Als sich die Höhle öffnete, wurden alle Kinder von einem wunderbaren Glanz geblendet. Das Licht kam von der wundersamen Stadt namens Negmeln.

          Als sich die Höhle öffnete, wurden alle Kinder von einem wunderbaren Glanz geblendet. Das Licht kam von der wundersamen Stadt namens Negmeln. Langsam gingen die Kinder dorthin. Als sie dort ankamen, entdeckten sie, dass alles ungewöhnlich war: alle Häuser sahen wie Burgen reicher Burgherren aus und waren so hoch, dass sie fast bis an die Wolken zu reichen schienen, jedoch Blumen und Bäume suchte man vergebens. Die Einwohner dieser Stadt aber waren überraschend klein. Und alle waren sehr schön und freundlich.

          Sobald sie die Kinder bemerkten, liefen sie zusammen und fingen an, sie darüber zu befragen, wer sie denn seien, was mit ihnen geschehen sei und was sie hierher verschlagen habe. Nachdem sie über ihr seltsames Erscheinen berichtet hatten, baten die Kinder die Menschen, ihnen den richtigen Weg nach Hause zu zeigen. Aber die Bewohner kannten den Weg nicht und wussten keinen Rat und keinen anderen Ausweg, als sie zu einem alten Mann zu führen, der ganz allein in einer Burg lebte.

          Schon am nächsten Morgen jedoch dachte fast kein Kind mehr daran, nach hause zu gehen. Sie hatten viel Spaß beim Spielen im Garten, sangen und tanzten. So verging die Zeit und den Kindern wurde es nicht langweilig. Sie hatten immer noch Spaß und dachten nicht daran, zurückzukehren.

          Nur ein Kind verhielt sich anders. Das war Dizelm, der vom ersten Tage an, seit die Kinder auf dem Schloss waren, neben dem alten Mann sass, dem das Schloss gehörte, und mit ihm sprach.

          Dem Alten gefiel der Junge und so erzählte er ihm von einem geheimnisvollen Wald, in dem ein Baum stünde, der alle Wünsche erfülle. Doch als Dizelm ihn fragte, wie dieser Baum zu finden ist, lächelte der Alte nur geheimnisvoll und verschwand plötzlich und ward nicht wieder gesehen.
          Verwundert ging Dizelm in diesen Wald. Er ging die Pfade entlang und suchte den geheimnisvollen Baum, von dem der alte Mann gesprochen hatte, doch konnte er ihn nicht finden.

          Vom vielen Laufen müde, setzte er sich neben eine mächtige Eiche zur Ruh und schlief ein. Und träumte von einer Fee in einem schönen rosa Kleid, die in der Hand einen Zauberstab hielt. Ohne ein Wort zu sagen, reichte sie Dizelm eine blaue Rose. Und ebenso geheimnisvoll, wie sie erschienen ist, verschwand sie wieder, und es blieb nur ein Silberstreif übrig.

          Dizelm erwachte. Es war schon Morgen. Er sah sich um und entdeckte nicht weit entfernt etwas Glänzendes. Es war seltsamerweise wie im Traum eine blaue Rose. Er nahm sie vorsichtig an sich und überlegte, ob sie ihm wohl helfen könnte, wieder nach Hause zu gelangen.

          Und wieder streifte der Junge einen ganzen Tag durch den Wald und fragte sich, was er wohl noch tun könne. Plötzlich bemerkte er, dass die wunderbare Rose zu welken begann. Traurig darüber, grub er ein kleines Loch, um sie zu begraben. Aber sowie er das tat, bedeckte sich der Boden plötzlich mit Eis, das einen Weg bildete und noch tiefer in den Wald führte, wohin sich Dizelm vorher noch nicht gewagt hatte.

          Ohne lange zu überlegen, ging der Junge mutig diesen Weg. Der Weg wurde lang und länger und unterwegs traf Dizelm eine Menge seltsamer Kreaturen. Da gab es Käfer so groß wie eine Hand, Vögel mit großen Schwingen und Ratten mit langen Schwänzen. Aber all diese schrecklichen Tiere, so bedrohlich sie auch fauchten, zischten und ihre scharfen Zähne zeigten, griffen den Jungen aus irgendeinem Grund nicht an. Und die Bäume erst! Wie Angst einflößend sie nur aussahen. Sie neigten ihre Zweige bis zu Dizelm, als ob sie ihn fangen und dann verschlingen wollten. Der Junge versuchte, seine Angst zu bändigen und sein Auge nicht auf all die schaurigen Erscheinungen zu richten. Er lief, so schnell es ging, und suchte den Weg nach Hause zu finden.

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