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Was aus den Kindern von Hameln geworden ist

Die Büchner-Preisträgerin Felicitas Hoppe hat den „Rattenfänger von Hameln“, das berühmte Märchen aus ihrer Geburtststadt, wieder aufleben lassen. Sie hat die Handlung wieder auf Anfang gedreht und DAAD-Studierende aus aller Welt dazu eingeladen, das Märchen weiterzuerzählen. Unsere Leser haben aus den achtzehn Texten ihre Favoriten gewählt.

Yimin Fei, geboren 1991, studiert im 4. Jahr Germanistik an der Tongji Universität in Shanghai, China.

China : Die verschwundene Geburtstagsparty

Ich erkannte im Gegenlicht den Umriss des Mannes – die merkwürdige Mütze, und die Flöte, die kamen mir irgendwie bekannt vor … Ach ja! Er war der … „Der Rattenfänger.“
António Conduto Oliveira, geboren 1991, studiert im 2. Jahr Moderne Sprachen an der Universität Coimbra in Portugal.

Portugal : Pieter, der Uhrmacher

Als er aufwachte, war Pieter allein im Tunnel. Die anderen Kinder waren aus dem Berg gelaufen, aber er, erschöpft, hatte für eine Weile geruht.

Mond-Tourist aus Japan : Rucki Tsuki

Yusaku Maezawa will sich bei seiner Mondfahrt von Künstlern aus aller Welt begleiten lassen. In seiner Heimat könnte das für Unmut sorgen. Schließlich pflegt man dort seit jeher ein besonderes Verhältnis zu unserem Trabanten.

Hambacher Forst : Drei Zimmer, Küche, Wipfel

Friede den Hütten, Krieg den Palästen: Ausgerechnet die Brandschutzverordnung bringt die besser ausgestatteten Baumhäuser im Hambacher Forst ins Wanken.

Telefonieren in Amerika : Werbelästigung

Nahezu die Hälfte aller Telefonanrufe sollen in Amerika nicht mehr persönlicher Natur sein, sondern irgendeine Form von Verwaltungs- oder Kommerzheimsuchung. Die Meldung hat nur einen Haken. Eine Glosse.

Neues subtiles Must-have : Fast gar nicht tätowiert

Menschen hatten noch nie so viele Probleme sich festzulegen. Da scheint ein Tattoo mit seiner Beständigkeit fast ein Ding der Unmöglichkeit. Beliebt ist es dennoch. Jetzt gibt es einen neuen Trend. Eine Glosse.

Maaßens Doktorarbeit : Recht, selektiv

Der Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat eine Doktorarbeit zur Flüchtlingspolitik geschrieben. Das Thema ist einschlägig für seinen Kampf ums politischen Überleben.

Eingemachtes auf Twitter : Sorge, du hast ausgesorgt

Wer glaubt, bei Twitter ginge es immer wieder nur ans Eingemachte, wird hier bestätigt und widerlegt: Geht es um Steinobst und Kürbisfrüchte in Gläsern, gelangt das Medium zu humaner Hochform.

Plagiatsfälle in Spanien : Elefantenspuren

Kaum hatte der spanische Sozialistenführer seine Ministerin in Schutz genommen, trat sie zurück. Vom Umgang mit den Plagiatsvorwürfen gegen Carmen Montón führen mehrere Pfade zu tieferen Sinnzusammenhängen.

„Fahrenheit 11/9“ : Die Demokratie brennt

Michael Moore übt in seinem neuen Film „Fahrenheit 11/9“ Kritik an der Politik der Vereinigten Staaten. Trump ist für ihn nur eine Schießbudenfigur, doch Moore zielt auf die ganze Bude.
Raquel Garcia D’Avila Menezes, geboren 1990, studiert im 3. Jahr Deutsch als Fremdsprache und Portugiesisch an der Universität Rio de Janeiro in Brasilien.

Brasilien : Nachrichten aus Amazonien

Viele Jahre nach dem Verschwinden der Kinder von Hameln saß Pedro ruhig zu Hause und sah eine merkwürdige Nachricht im brasilianischen Fernsehen. Eine Sendung zeigte einen Volksstamm irgendwo in Amazonien.
Dragana Blagojević, geboren 1991, studiert im 3. Jahr Germanistik an der Universität Banja Luka in Bosnien-Herzegowina.

Bosnien-Herzegowina : Die schöne Safikada

Hört gut zu: Vor ein paar Jahren lebte hier der kleine Stamm der Lapod. Sie führten mit den Trollen Krieg und weil sie verloren haben, mussten sie ihre Heimat, das Kastel, verlassen.

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  • Árný Stella Gunnarsdóttir, geboren 1991, studiert im 2. Jahr Germanistik an der Universität Island in Reykjavík.

    Island : Die Zauberlehrlinge und die Elfenkönigin

    Sein Name war Sæmundur fróði  und er war ein Zauberer aus Island. Er hatte erst sein Zauberstudium an der Schwarzen Schule im Schwarzwald abgeschlossen und begab sich nun auf die Reise nach Hamburg.
  • Noémie Smith, geboren 1994, studiert im 1. Jahr Moderne Fremdsprachen an der University of Cambridge in Großbritannien.

    Großbritannien : Die absonderliche Stadt

    Sie fanden sich in einer absonderlichen Stadt wieder, voller mittelalterlicher Hofräume, Bogengänge und hoch aufragender Spitztürme. Der Klang brüllender Orgeln schwebte durch jede Ecke der Stadt.
  • Julija Sawitsch, geboren 1994, studiert im 2. Jahr Philologie an der Staatlichen Universität in Polotsk, Weißrussland.

    Weißrussland : Der richtige Weg

    Als sich die Höhle öffnete, wurden alle Kinder von einem wunderbaren Glanz geblendet. Das Licht kam von der wundersamen Stadt namens Negmeln.
  • Koffi Emile Odoubou, geboren 1993, studiert im 2. Jahr Germanistik an der Universität von Lomé in Togo.

    Togo : Falsche Freunde

    Eines Tages, als die Sonne hoch am Himmel stand, kam ein europäisches Kind aus dem Berg Agou heraus. Das Kind erschien genau an der Stelle, an der Ugba, der Gorilla, und Agama, das Chamäleon, vorbeigingen.
  • Thuy Ngan Vu, geboren 1991, studiert im 3. Jahr Deutsch an der Universität Hanoi in Vietnam.

    Vietnam : Die Zaubermurmel

    Die Kinder gingen dem Rattenfänger wie Schlafwandler nach. Sie gingen bis zum tiefen Wald, wo sich eine große Höhle auf dem Berg befand. Die Höhle stank ganz stark nach Wein.
  • Andreas Wahlberg, geboren 1987, studiert im 2. Jahr Germanistik an der 
Universität Stockholm in Schweden.

    Schweden : Die Zauberflöte

    Ganz anders als des dunklen Waldes Wesen / War dieser glüh’nde Ort, nun sichtbar da. / Darüber waren alle gleich erstarrt. / „Der Mausekönig hier, der bin ich ja“, / Sprach eine Stimme, in dem Nichts verscharrt.
  • Akouavi Mathilde Adjahe, geboren 1990, studiert im 3. Jahr Germanistik an der Université d’Abomey-Calavi in Cotonou, Benin.

    Benin : Die undankbaren Frauen

    Jeden Tag gingen die Frauen zum Berg und sangen: Oh Berg! / Schöner Berg! / Oh Berg! / Großer Berg! / Oh Berg! / Quelle / Unserer tiefen Schmerzen / Oh Berg! / Quelle / Unseres seelischen Kummers / Bitte, gib uns / Unsere Kinder.
  • Sandra Kabajwisa, geboren 1992, studiert im 1. Jahr Deutsch an der Makerere Universität in Kampala, Uganda.

    Uganda : Zenji – im Land des Schicksals

    „Seht, Kinder von Hameln“, sagte der Mann, dem die Kinder gefolgt waren, „jetzt bringe ich euch in ein schönes Land. Ein Land so schön, aber mit einer Vielzahl von Herausforderungen, die zu erfüllen sind.“
  • Olesia Kopotilova, geboren 1991, studiert im 3. Jahr Germanistik an der Osteuropäischen Nationalen Lesja-Ukrainka-Universität in Luzk, Ukraine.

    Ukraine : Wege zum Glück

    Schließlich erreichten wir unser Ziel. Als wir die Stadt betraten, waren wir alle überrascht. Niemals, niemals in meinem Leben habe ich eine solch wundervolle Stadt gesehen, nur in meinen Träumen.
  • Eric Samuel Nodjimgoto, geboren 1990, studiert im 5. Jahr Germanistik an der Université de Yaoundé I in Kamerun.

    Kamerun : Im Reich des Affenkönigs

    In diesem Moment, in dem die Einwohner von Hameln fast hoffnungslos waren, tauchte ein alter Mann mit seiner Katze auf. Er stellte sich vor den Bürgermeister und schlug ihm vor, er werde die Kinder heimbringen.
  • Thitirat Uraisin, geboren 1994, studiert im 2. Jahr Deutsch an der Chulalongkorn Universität in Bangkok, Thailand.

    Thailand : Auf der Wunderinsel

    Er sah sich auf dem Schiff um und fand einen Mann in bunter Kleidung, der vorne saß. Der Mann sah sehr ernst aus. Er war besorgt und verwirrt über etwas. Marko kannte diesen Mann!
  • Madiyar Tarybai, geboren 1994, studiert im 1. Jahr Deutsch und Englisch an der Staatlichen Buketov-Universität in Karaganda.

    Kasachstan : Agna kehrt heim

    Eines Tages, einige Jahre nachdem die Kinder dem Rattenfänger verzaubert gefolgt waren, kam ein Mädchen in die Stadt Hameln. Es war hoch von Wuchs und sehr merkwürdig gekleidet.
  • Estefanía Gordillo, geboren 1989, studiert an der Pontificia Universidad Católica del Ecuador in Quito.

    Ecuador : Meine Freunde, die Sterne

    „Welche Richtung nehmen wir?“, fragten die besorgten Kinder. „Gehen wir nach Norden!“, sagte der Älteste. „Mein Vater hat immer gesagt, das wäre von allen Möglichkeiten die beste.“