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Daniel Day-Lewis Der erfolgreichste Hauptdarsteller unserer Zeit

Daniel Day-Lewis hat als erster Schauspieler den dritten Oscar für eine Hauptrolle entgegengenommen. Was macht seine Darstellungen so überzeugend? Eine Analyse in Filmszenen.

, von Uwe Ebbinghaus
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„There Will Be Blood“ (2008)
© Paramount Vergrößern

„There Will Be Blood“ (2008)

Schauspielerisch beeindruckend sind schon die ersten, vollkommen geläufig ausgeführten Hiebe mit der Spitzhacke, die Plainview in der Anfangsszene präzise vollführt, es folgt der instinktiv-dumpfe Blick des vom Öl Besessenen in das freigelegte Gestein, ein Blick, den man nicht vergisst. Eine Spitzhacke betätigen könne jeder, es komme aber für einen Minenarbeiter darauf an, die Landschaft zu lesen, sagte Day-Lewis in einem aufschlussreichen Interview mit Hanif Kureishi im Jahr 2008. Abermals ist seine Rollenbeschreibung erhellend: „Plainview ist wie ein Tier. Wenn er nur seinen Schürfplatz gefunden hat, können die anderen ruhig krepieren.“ Es gebe nur eine Sache, die ihn „rette“, seine „Ehrlichkeit.“ An die Rolle des Christy Brown kann Day-Lewis dann in der folgenden Szene anknüpfen: Nach einem Sturz in der Mine, bei dem sich Day-Lewis übrigens eine Rippe brach, muss Plainview mit gebrochenem Bein in die nächste Siedlung robben. Als er wieder aufrecht gehen kann, sehen wir seine drahtige, immer zum Angriff bereite Körperhaltung, die sich im Lauf des Films mehr und mehr krümmt, ohne an Spannung zu verlieren.