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Veröffentlicht: 10.02.2013, 14:44 Uhr

Berlinale-Regisseure im Gespräch Immer die Schmerzgrenze im Auge behalten

Wo kein Mainstream ist, überlebt der Autorenfilm: Pia Marais und Thomas Arslan steuern die deutschen Wettbewerbsbeiträge zur Berlinale bei. Ein Gespräch übers Filmemachen.

© Gyarmaty, Jens Pia Marais und Thomas Arslan

Sie sind beide zum ersten Mal mit einem Film im Wettbewerb eines A-Festivals vertreten. Wie nervös ist man da?

Pia Marais: Ich weiß es noch gar nicht. (lacht) Ich war so beschäftigt, ich habe gar nicht darüber nachgedacht, das kommt erst jetzt.

Thomas Arslan: Ich freue mich auf jeden Fall und bin sehr neugierig. Nervös bin ich immer vor einer Premiere.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie in irgendeiner Weise den deutschen Film repräsentieren? Oder einfach nur Ihre eigene Arbeit?

Pia Marais: Mich erinnert diese Frage an Olympische Spiele oder Europameisterschaften. „Layla Fourie“ ist ein deutscher Film, aber er ist auch ein südafrikanischer Film. Er ist beides, er ist eine internationale Koproduktion. Ich lebe in Deutschland, die Produktionsfirma ist eine deutsche Firma, und der Autor, mit dem ich arbeite, ist ein Deutscher.

23123032 © Patrick Orth © Schramm Film Vergrößern Marko Mandić und Nina Hoss in „Gold“ von Thomas Arslan

Herr Arslan, „Gold“ ist dagegen, obwohl in Kanada gedreht, eine Produktion allein aus deutschen Mitteln.

Thomas Arslan: Genau, wir hätten rein formal gar nicht die Kriterien für eine kanadisch-deutsche Koproduktion erfüllt, weil es ein primär deutschsprachiger Film ist und die wichtigsten Leute im Team auch Deutsche sind, die Hauptdarsteller sowieso. Man hat es sogar einfacher, wenn man von außen dorthin kommt, als wenn es eine offizielle Koproduktion gewesen wäre, weil man weniger mit dem ganzen bürokratischen Apparat zu tun hat.

Dauert nicht bei einer internationalen Koproduktion die Finanzierung viel länger, weil mehr Geldquellen angezapft werden müssen?

Pia Marais: Bei uns hat es relativ lange gedauert, weil es wirklich sehr schwierig war, genügend Geld aufzubringen. Wir haben mit sehr wenig Geld gedreht, einem Budget von zwei Millionen Euro.

Führt diese Beschränkung zu ästhetischen Kompromissen? Oder konnten Sie trotzdem den Film drehen, den Sie drehen wollten?

Pia Marais: Ich glaube, ich habe Glück gehabt. Das ist ein deutscher und ein südafrikanischer Film, August Diehl spielt die eine Hauptrolle, und eine Engländerin spielt die andere Hauptrolle.

63. Internationale Filmfestspiele Berlin: Layla Fourie © dapd Vergrößern Rayna Campbell und Rapule Hendricks in dem Spielfilm „Layla Fourie“ von Pia Marais

Lag es denn auch am Thema, am Buch, dass die Finanzierung so schwierig war?

Pia Marais: Eigentlich kam das Buch immer sehr gut an. Schwierig war es, weil kaum Fernsehgeld beteiligt ist, weil auf Englisch gedreht wurde. Dass Arte und der WDR überhaupt mit einem kleinen Betrag dabei sind, ist toll.

Herr Arslan, war es bei Ihnen auch so kompliziert?

Thomas Arslan: Es ging eigentlich verhältnismäßig zügig, wobei von vornherein klar war, dass das Budget begrenzt sein würde. Es sind eine Reihe von Sendern beteiligt und diverse Filmförderanstalten, das geht ja gar nicht anders. Wir haben den ganzen Film für zwei Millionen Euro gedreht, was für einen historischen Film im Ausland nicht besonders viel ist. Aber wir hatten uns dann auch dafür entschieden, nicht ewig darauf zu warten, ob noch eine halbe Million mehr dazukommt oder nicht.

Man kann sich vorstellen, dass so etwas wie ein Western nicht gerade große Begeisterung bei deutschen Geldgebern auslöst.

Thomas Arslan: Die Bereitschaft, sich darauf einzulassen, war sicher größer, als wenn wir es mit einem doppelt so großen Etat hätten angehen wollen. Ich würde den Film auch nicht unbedingt als reinen Western bezeichnen, das war nicht mein Ausgangspunkt. Ich bin durch Zufall auf diesen Stoff gestoßen, über Bildbände und Tagebücher von Auswanderern nach Amerika, die am Klondike-Goldrausch teilgenommen haben. Und im Jahr 1898 ist man eben mit Pferden unterwegs, quer durch unberührtes Gebiet, so dass ein gewisses Western-Element eine Rolle spielt, wobei 1898 auch nur von einem Spätwestern die Rede sein könnte. Da sind alle großen Westernthemen im Grunde schon zu Ende gebracht. Das ist eher etwas, das im Film noch nachhallt. Aber primär ist es eine Geschichte über eine Gruppe von deutschen Auswanderern, die ihrem Leben eine große Wende zu geben versuchen.

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