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Yusuf alias Cat Stevens im Gespräch : Warum wollen Sie wieder singen, Mr. Islam?

Yusuf alias Cat Stevens Bild: Illustration Burkhard Neie/xix

Wir treffen uns in einem Hotel in Hamburg. Yusuf ist mit seiner Frau Fauzia Ali und seinem Sohn Muhammad gekommen. Lange Zeit soll er Frauen nicht einmal die Hand gegeben haben. Wir reichen uns zur Begrüßung freundlich die Hände. Yusuf wählt seine Worte dann sehr sorgfältig.

          Dieses schöne, ganz neue Lied von Ihnen heißt „My People“. Was meinen Sie mit „My People“?

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          „My People“ ist ein sehr allgemeiner Begriff. Er hat keine Grenzen. Er hat keine Farben. Er hat keine Nationalitäten. Es ist doch der menschliche Geist, verstehen Sie, der versklavt wurde und der Befreiung braucht. Deshalb bezieht sich „My People“ auf jedes Volk, überall auf der Welt, auch in der Vergangenheit.

          Aber ganz besonders richtet sich das Lied an die arabische Welt?

          Es ist inspiriert von den Ereignissen in der arabischen Welt.

          2004 in London bei der Buchvorstellung von „46664”
          2004 in London bei der Buchvorstellung von „46664” : Bild: REUTERS

          Darf ich Sie fragen, was Ihre persönliche Idee von Zukunft ist, speziell für die arabische Welt, nach diesen Revolutionen?

          Ich bin immer optimistisch, und ich habe meinen Optimismus niemals aufgegeben. Manchmal sind Veränderungen schwierig. Man muss sich daran gewöhnen, und das ist eine Zeitlang unbequem. Aber anders ist keine Veränderung möglich. Und was wir jetzt etwa in Libyen sehen, ist wohl der Preis dafür. Ich habe einmal darüber in dem Lied „Changes IV“ auf dem Album „Teaser and the Firecat“ geschrieben (deklamiert): „Don't you feel a change a coming from another side of time . . . And we all know it's better, yesterday has passed. Now let's all start living for the one that's going to last.“ Da ist doch alles drin! Es steht im Liedtext, durch und durch passend. (lacht)

          Bleiben wir noch bei den arabischen Revolutionen, besonders in Ägypten. Das war keine religiöse Revolution. Es war eine politische Revolution. Was bedeutet es also, wenn Sie in Ihrem neuen Lied sagen: „god show the way“?

          Gerechtigkeit und Gleichheit sind Teil von Gottes Rezept für das Glück der Menschen. Sie müssen sich ja nur die Zehn Gebote anschauen, um zu wissen, wie wir uns alle verhalten sollten. Deshalb denke ich, darin liegt kein Widerspruch. Der entscheidende Punkt dabei ist doch, dass es zum Umsturz kommen wird, wenn ein Volk ökonomisch und politisch depriviert ist. Es gibt da einen breaking point. Deshalb muss jede Führung letztlich ein Ohr für Gott - oder sagen wir: für ein göttliches Gesetz - haben und gleichzeitig auf das Gleichgewicht mit den Lebensgrundlagen eines Volkes heute achten. Man muss das ausbalancieren, aber dabei stets auf das Volk achten und sehen, was die Leute brauchen und wonach sie rufen.

          Also ist die Idee hinter Ihrem Liedtext für „My People“ nicht die Idee eines islamischen Staats? Sondern es ist die Idee eines demokratischen . . .

          . . . die Idee der menschlichen Zivilisation. Ich glaube nicht, dass man Propheten und geistige Führer von der Entwicklung der menschlichen Zivilisation - wie soll ich sagen? - auslöschen oder ausschließen kann: Das ist miteinander verflochten. Wenn man in der Geschichte zurückschaut, dann ist es interessant, dass immer wieder bedeutende spirituelle Figuren erscheinen so wie Abraham zur Zeit Babylons, Moses zur Zeit des Pharaos, Jesus zur Zeit der Cäsaren. Und das sind alles Momente in der Zivilisation, in denen wir ein bisschen mehr Anleitung brauchten.

          Und doch noch einmal zu den Revolutionen: Es geschah zum ersten Mal in der Geschichte, dass in der arabischen Welt Frauen in der ersten Reihe neben den Männern standen, um für die Rechte des Volks zu kämpfen. Denken Sie, dass sich in dieser Region auch für die Frauen ein Umbruch vollzieht?

          Sie wissen doch, James Brown hat es gesagt . . .

          James Brown?

          Er sagte es so (singt): „It is a man's world - but it would mean nothing without a woman or a girl.“

          Unbedingt!

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