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Terry Gilliam im Gespräch : Meine Visionen habe ich auch ohne Drogen

  • -Aktualisiert am

Liebt es, „kleine Bomben ins Hirn zu pflanzen”: Terry Gilliam Bild: Burkhard Neie

Wir treffen Terry Gilliam beim Filmfestival von Deauville, wo er mit einer Retrospektive geehrt wird. Der Regisseur mit dem Faible für farbenfrohe Hemden zeigt sich äußerst gutgelaunt - er kichert bei jedem seiner Bonmots. Bald stellt sich heraus: Es ist Galgenhumor.

          Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Anfänge mit „Monty Python“?

          Nur gute. Die BBC gab uns die Freiheit, das zu tun, was wir wollten - und wir hatten auch noch Erfolg damit! Es war eine wunderbare Teamarbeit. Jede Idee wurde im Kollektiv diskutiert: Ist sie gut genug für die Sendung, oder kommt sie in den Müll? Dabei brauchten wir keinerlei Rücksicht auf mögliche Publikumsreaktionen zu nehmen - unser eigenes Gelächter war unser einziges Qualitätskriterium. Weil wir aber pro Woche eine Sendung abliefern mussten und zu wenig Material hatten, mussten wir manchmal doch auf Ideen aus der Mülltonne zurückgreifen. Und im Nachhinein stellte sich oft heraus: Das waren unsere besten Sketche!

          Haben Sie sich als einziger Amerikaner in der Truppe manchmal wie ein Außenseiter gefühlt?

          Ja und nein. Ich hatte größere Narrenfreiheit, weil ich ganz allein für die Animationen zuständig war. Aber ich habe die anderen immer ein bisschen beneidet: Sie schienen mir deutlich intelligenter zu sein als ich - als Briten sprachen sie ja ein viel besseres Englisch! Noch heute fühle ich mich in ihrer Gegenwart immer wie das beschränkte Landei aus Minnesota.

          Wie ist denn heute Ihr Verhältnis untereinander? Hassen Sie sich? Lieben Sie sich?

          Beides. Es ist ein bisschen wie in einer Familie. Michael Palin, Terry Jones und ich sehen uns häufig, denn wir wohnen nur fünf Minuten voneinander entfernt in London; John Cleese und Eric Idle sind nach Kalifornien gezogen. Dass alle fünf sich treffen, ist selten - doch manchmal rotten sich vier von uns zusammen und lästern über den Fünften. Und ab und zu wärmen wir gemeinsam in irgendwelchen Shows unser altes Zeug wieder auf: eine ekelhafte Art, junge Leute auszunutzen, die mehr Geld als Geschmack besitzen!

          Wer die Filme sieht, die Sie inszeniert haben, fragt sich: Wie kommen Sie auf diese abgefahrenen Fantasien? Nehmen Sie etwa Drogen?

          Seltsam, das hat man mich schon zu Monty-Python-Zeiten manchmal gefragt. Und schon damals war meine Antwort: „Nein, das hatte ich nie nötig! Meine Visionen habe ich auch ohne Drogen!“ Natürlich musste auch ich alles Mögliche ausprobieren, was in den sechziger Jahren im Umlauf war - aber außer Kopfschmerzen hat mir das alles nicht viel gegeben. Seither halte ich mich lieber an französische Weine und Single-Malt-Whisky. Abgesehen davon bin ich eine drogenfreie Zone!

          Manche Kinozuschauer scheinen Ihre surrealen Bilderwelten zu verstören.

          Das ist völlig in Ordnung. Mag sein, dass die Leute einen Film von mir anfangs nicht mögen - aber tags darauf steckt er garantiert noch in ihrem Kopf. Ich liebe es, wenn ich kleine Bomben ins Hirn des Zuschauers pflanzen kann, die später etwas in ihm auslösen. Meine Filme waren schon immer umstritten - vielleicht, weil sie ihrer Zeit voraus waren. Auch bei „Brazil“ und „12 Monkeys“ floh das Publikum zunächst in Scharen aus dem Kino. Erst Jahre später hieß es dann: „Was für ein toller Film!“

          Lieben Sie es auch, die Stars in Ihren Filmen bis zur Unkenntlichkeit zu verunstalten?

          Ja, und die Schauspieler mögen das genauso! Robert De Niro zum Beispiel, der in „Brazil“ ständig eine Art Sack über dem Kopf trägt. Oder Brad Pitt, der gerade „Legenden der Leidenschaft“ gedreht und sein Image als Schönling gründlich satt hatte: Für „12 Monkeys“ rasierte er sich freiwillig die blonde Haarpracht ab. Und Johnny Depp ließ sich ganz wie der echte Hunter S. Thompson, den er in „Fear and Loathing in Las Vegas“ verkörperte, exakt vierzehn Haare über seine Glatze kämmen. Eine Freundin von mir war deshalb richtig wütend. Sie giftete mich an: „Du bist der einzige Regisseur, der es geschafft hat, Johnny so zuzurichten, dass man nicht mehr mit ihm ins Bett steigen will!“

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