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Street Art im Kirchenraum : Die Madonna aus der Spraydose

Das Prunkstück von Stefan Strumbels Gestaltungsidee: die Madonna im Trachtenhut Bild: Oliver Rath

Am morgigen Sonntag wird in fast fünfundvierzigtausend protestantischen und katholischen Kirchen in Deutschland das Osterfest gefeiert. Nicht aber in "Maria, Hilfe der Christen", einer Kirche im badischen Dorf Goldscheuer am Rhein nahe der französischen Grenze.

          Am morgigen Sonntag wird in fast fünfundvierzigtausend protestantischen und katholischen Kirchen in Deutschland das Osterfest gefeiert. Nicht aber in „Maria, Hilfe der Christen“, einer Kirche im badischen Dorf Goldscheuer am Rhein nahe der französischen Grenze. Ihr Inneres ist momentan eine Baustelle, eine Kunstbaustelle.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das ist ein Segen für „Maria, Hilfe der Christen“. Sie wird dem Schicksal entgehen, das in den nächsten fünf Jahren rund tausend Kirchengebäude treffen und „mittelfristig“ - was immer das heißt - sogar insgesamt fünfzehntausend Gotteshäusern vorausgesagt wird. Ein Drittel der deutschen Kirchen ist in Gefahr, seine Funktion zu verlieren, stillgelegt, wahrscheinlich auch profaniert zu werden, weil sich die beiden großen christlichen Konfessionen den Unterhalt dieser Gebäude angesichts der zurückgehenden Zahl der Kirchenmitglieder nicht mehr erlauben können. Noch sind es Seltenheiten, aber die Bischöfe werden sich darauf einstellen müssen, bald mehr Pontifikalämter anlässlich von Profanierungen bestehender Kirchengebäude durchzuführen als zur Weihung neuer. Und wenn sich keine Käufer für die dann weltlichen Immobilien finden sollten, werden sie abgerissen.

          Kirche ohne Gemeinde

          Genau das drohte der Goldscheuer Kirche „Maria, Hilfe der Christen“. Erst im vergangenen Jahr nahm das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg Abstand von Verkaufsplänen für das Gebäude. Die Gemeinde war von entsprechenden Überlegungen 2005 informiert worden, als Begründung galt eine Zählung, der zufolge nicht einmal mehr drei Prozent der Gemeindemitglieder den sonntäglichen Gottesdienst besuchten.

          Licht ist die zentrale Frage bei der Neugestaltung des Kircheninneren
          Licht ist die zentrale Frage bei der Neugestaltung des Kircheninneren : Bild: Andreas Platthaus

          Als Thomas Braunstein vor drei Jahren als Pfarrer hier anfing, übernahm er darum gleich drei Gotteshäuser. Die alten Einzelgemeinden waren nicht mehr groß genug, um auch einzeln betreut werden zu können. Insgesamt achttausend Gläubige zählen zu seiner zusammengelegten Dreiergemeinde, sagt Thomas Braunstein, das sei nicht gerade viel für eine alteingesessene katholische Region. Der Pfarrer ist dunkel in Zivil gekleidet, in den kurz geschorenen Vollbart mischt sich erstes Grau, seine Stimme ist leise. Man sieht und hört ihm an, dass sein Beruf viel Kraft fordert. Die Zahl achttausend, erläutert er, sage ja nichts über den Kirchenbesuch aus, geschweige denn über die Beteiligung am aktiven Gemeindeleben. Das wichtigste Kirchengebäude seines Sprengels ist Sankt Ambrosius in Kehl, der Stadt, in die das im vierzehnten Jahrhundert gegründete Goldscheuer 1971 auch politisch eingemeindet wurde.

          Schnell stand es für Braunstein fest, dass „Maria, Hilfe der Christen“ nur dann in ihrer Funktion überleben konnte, wenn die Gemeindemitglieder in Goldscheuer sich zu ihr bekennen würden. Ohne eine umfangreiche Renovierung hätte das Gebäude keine Zukunft mehr gehabt. Also ging Braunstein von Tür zu Tür und bat die Menschen um finanzielle Unterstützung. Fünfzigtausend Euro von angestrebten achtzigtausend brachte er auf diese Weise bislang zusammen. Das war genug, um beim Ordinariat des Erzbistums Freiburg weitere achtzigtausend beantragen zu können, die schließlich mit einem Kredit von abermals achtzigtausend Euro auf jene knappe Viertelmillion ergänzt werden konnten, die Braunstein für die Renovierung der Kirche veranschlagt. Er ist optimistisch, dass er die fehlenden dreißigtausend Euro Spenden noch zusammenbekommen wird. Als wir ihm dabei viel Glück wünschen, sagt er leise: „Mein Glücksfall steht da drüben.“

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