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Im Gespräch: V. S. Naipaul : Warum schreiben Sie keine Romane mehr, Sir Vidia?

  • -Aktualisiert am

Bild: Illustration Burkhard Neie

Ein Gespräch über das neue Buch des Literaturnobelpreisträgers von 2001, über die Gattung des Romans und über das Interesse an Afrika.

          Ein Kater streift durch das kleine Cottage am Rande des schönen Gartens in der Nähe der Kathedralstadt Salisbury, Lady Naipaul stellt in der Küche Gurkensandwiches bereit. Auf dem Kaminsims hinter dem Esstisch, an dem Sir Vidia zum Gespräch lädt, steht eine kleine Statue des Gottes Shiva.

          Sir Vidia, in "Afrikanisches Maskenspiel", Ihrem neuen Buch, erkunden Sie die Mythen und Riten der ursprünglichen afrikanischen Religionen, die in den von Ihnen besuchten christianisierten oder islamisierten afrikanischen Staaten fortbestehen und magisch auf die Gegenwart einwirken. Weshalb dieses Thema am Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts?

          Diese Frage kann ich nicht beantworten: Man kann die Gedankengänge des eigenen Verstandes nicht immer erklären. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass ich in Trinidad zur Welt kam, einer Insel, auf der unter anderen Nachfahren afrikanischer Sklaven leben, und dass ich dank dieses Hintergrundes ein wenig darüber weiß, wie Afrikaner denken. Die Idee war, in dem Buch die politische und ökonomische Seite, über die alles bekannt ist, außer Acht zu lassen und in ein anderes, unbekannteres Afrika vorzudringen.

          Die Länder, über die Sie schreiben, sind Uganda, Nigeria, Ghana, Elfenbeinküste, Gabun und Südafrika. Warum haben Sie sich ausgerechnet für diese Staaten entschieden?

          Da kommt die Politik natürlich dennoch ins Spiel. Es ist nicht leicht, für alle Länder Visa zu bekommen, und in manchen Fällen erwies es sich als unmöglich. Ich hätte gern den Kongo besucht, doch das war ebenso ausgeschlossen wie eine Reise nach Angola. In gewisser Weise legten also die Visabestimmungen den Verlauf meiner Reise fest. Ich sage Ihnen noch etwas: Meine Gesundheit ist nicht mehr, was sie einmal war, und die einzige Möglichkeit, über Afrika zu schreiben, war, nicht eine große, sondern mehrere kleine Reisen zu unternehmen. Ich konnte das Buch nicht auf die gleiche Weise wie früher schreiben und eine langwierige Reise unternehmen, von der man zurückkehrt, um dann darüber nachzudenken und zu schreiben. Das ist ein wichtiger Unterschied.

          An einer Stelle schreiben Sie vom "Glück des Unbedarften", das Sie auf all Ihren Reisen im Leben begleitet habe. Tatsächlich hat man beim Lesen den Eindruck, dass Sie mit wenigen festen Erwartungen reisen und sich gern vom Zufall leiten lassen.

          Ja, das ist generell meine Herangehensweise. Wenn ich vorher zu viele konkrete Ideen hätte, wäre ich kein Schriftsteller, sondern würde lediglich einer vorgefassten Vorstellung entgegen reisen. Wenn man beweglich und offen bleibt, ordnen sich die Eindrücke und Fakten wie von selbst. Es ist, als würde man von den Zufällen der Reise erschaffen werden.

          Zu Beginn des Buchs beziehen Sie sich auf Ihre 1966 unternommene erste Reise nach Uganda und bemerken, dass "eine Version von Uganda" ein paar Jahre darauf Eingang in einen Roman fand. Dabei dürfte es sich um "In einem freien Land" handeln, in dem Sie den politischen Umbruch in einer in die Unabhängigkeit entlassenen ehemaligen Kolonie beschreiben. Was wussten Sie Mitte der sechziger Jahre über Afrika?

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