http://www.faz.net/-gqz-whge

Im Gespräch: Roger Cicero : Ruft Sie Ihre Mutter noch häufig an, Herr Cicero?

Als kleiner Junge, bevor ich in die Schule kam, war ich ab und zu auf Tourneen meines Vaters dabei. Da durfte ich aber nicht aufs Konzert mit, ich musste im Hotelzimmer bleiben. Das war total langweilig. Manchmal war ich dabei, wenn mein Vater in Berlin gespielt hat. Das fand ich aber auch total langweilig. Als Fünfjähriger findet man ein Klavier-Jazz-Trio nicht so toll. Also habe ich dann doch die heimische Eisenbahn bevorzugt.

Wann fing es dann an mit Ihnen und dem Jazz?

Wirklich gemerkt habe ich meine Leidenschaft es, als ich achtzehn war. Aber schon davor fand ich ein paar Titel klasse - aber ohne zu wissen, dass es ein Jazzstandard ist, „Misty“ zum Beispiel.

Was hören Sie heute, wenn Sie nicht gerade Jazz hören?

Das ist eine relativ bunte Mischung. Ich höre zum Beispiel sehr gerne Soulmusik im weitesten Sinne, also von Ray Charles oder Al Green. Ich bin ein riesengroßer Fan von Stevie Wonder und Prince. Ich mag aber auch ungewöhnliche Stimmen, James Taylor, Jeff Buckley. Und natürlich habe ich eine große Jazzpianisten-Sammlung, zum Beispiel mit Herbie Hancock.

Hancock hat zuletzt eine Platte mit Kollaborationen gemacht. Mit wem würden Sie gern einmal arbeiten?

Oh, da gibt es viele. Eigentlich mit allen, die ich eben genannt habe. Da bin ich ganz Jazzmusiker: Mit jedem Musiker, den ich verehre, würde ich auch gern mal auf der Bühne stehen. Da ist die Liste sehr lang.

Es gibt zwei Geschichten über Sie, die Sie jetzt dementieren können, wenn Sie wollen. Die erste lautet: Sie haben als kleines Kind Josephine Baker in den Ausschnitt gespuckt.

Stimmt. Das ist auch unsere letzte Begegnung gewesen, ich weiß allerdings nicht, ob es daran lag. Ich war auch erst fünf Monate alt, und ich war ein Spuckkind damals - was sie nicht wusste. Sie hat wohl gerade ein Interview gegeben am Telefon, hatte mich auf dem Arm, und ich habe ihr in den Ausschnitt gekotzt.

Die zweite Geschichte ist, dass Sie Angst vor Spinnen haben.

Das ist auch richtig. Wobei: Ich mache gerade so eine Art Therapie. Ich bin umgezogen und wohne jetzt sehr nah am Wasser. Im Sommer ist mein Balkon bevölkert von Hunderten von Spinnen. Mittlerweile bin ich deshalb ein bisschen gelassener geworden.

Eine Konfrontationstherapie.

Genau. Aber ich mache die Spinnen immer noch nicht gern weg. Wenn sie größer sind, dann erschrecke ich mich erst mal.

Sie saugen die Spinnen nicht ein?

Das finde ich dann auch wieder zu brutal. Das hab ich früher gemacht. Wenn ich als Kind wusste, dass in dem Raum, wo ich bin, auch noch eine Spinne ist: Das ging gar nicht.

Lassen Sie uns noch über Image reden. Wie würden Sie Ihres heute beschreiben?

Mir wurde eigentlich schon alles unterstellt, darüber haben wir ja eben schon geredet: von Macho bis Frauenversteher. Ich spiele einfach ein bisschen mit genau diesen Klischees und kokettiere auch gern damit. „Was ist er denn nun?“ - das ist die meistgestellte Frage. „Ist er ein Macho oder nicht?“

Und was sind Sie?

So ein bisschen von allem.

Auch privat?

Ja, auch privat. Ich nehme das alles nicht so wahnsinnig ernst. Hier und da eine kleine Macho-Attitüde finde ich nicht schlecht, aber ich finde es genauso wichtig, dass man darüber auch lachen kann.

Warum tragen Sie nun eigentlich den Hut?

Weil der mir gut steht! Mittlerweile ist es wirklich ein Markenzeichen geworden. Wenn ich privat ohne den Hut unterwegs bin, dann ist das total praktisch, weil man mich nicht sofort erkennt. Andere müssen sich verkleiden, ich muss mich freimachen.

Zur Person

Roger Cicero wird am 6. Juli 1970 in Berlin geboren, Vater Eugen Cicero ist Jazzpianist, die Mutter Lili Cziczeo Tänzerin.

Die Karriere beginnt früh: Schon mit elf Jahren tritt Roger mit Helen Vita auf, später mit Horst Jankowski und dem Bundesjugendjazzorchester. Roger geht ans Konservatorium, lernt danach Jazzgesang, spielt mit Jazzkantine und gründet schließlich sein eigenes Quartett. Das Big-Band-Debüt „Männersachen“ (2006) holt zweimal Platin, sein letztes Album „Beziehungsweise“ (2007) landet ebenfalls weit oben in den Charts.

Beim Eurovision Song Contest im Mai 2007 belegt Cicero mit seiner Bigband und „Frauen regier'n die Welt“ den 19. von 24 Plätzen, die „Emma“ kürt ihn wegen des Songtextes zum „Pascha des Monats“.

Mit seiner Freundin Kathrin erwartet Roger Cicero im Frühjahr 2008 einen Sohn.

Weitere Themen

Hauptsache, Mensch

Herbert Grönemeyer im Gespräch : Hauptsache, Mensch

Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Sänger: Herbert Grönemeyer spricht über sein neues Album „Tumult“, über die Fehler von Mesut Özil und Angela Merkel sowie über vergebliche Anrufe bei dem legendären Produzenten Rick Rubin.

Anita, Yoko und me, too

Marianne Faithfull im Gespräch : Anita, Yoko und me, too

Marianne Faithfull ist einundsiebzig Jahre alt. Mit siebzehn wurde sie ein Star, jetzt erscheint „Negative Capability“, ihr 21. Album. „Es war furchtbar“, sagt sie über die sechziger Jahre im Pop. Ein Gespräch.

Rekordpreis für Hockney-Bild Video-Seite öffnen

Über 90 Millionen Dollar : Rekordpreis für Hockney-Bild

Selbst bei Christie's war man über den Preis für das Werk "Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)" etwas überrascht. Doch es entwickelte sich offenbar eine Bieterschlacht zwischen zwei Interessenten.

Topmeldungen

Ein kleiner Fortschritt beim neuen Bahnhof in Stuttgart: Die erste Kelchstütze wurde fertiggestellt. 27 weitere sollen bis 2021 folgen.

Stuttgart 21 : Ein Fortschritt ist zu sehen!

Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 befindet sich seit acht Jahren im Bau, ein Bahnhof lässt sich bisher nur erahnen. Nun wurde die erste Kelchstütze fertiggestellt – von insgesamt 28.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.