http://www.faz.net/-gqz-6l7qj

Im Gespräch: Nicolas Berggruen : Wollen Sie nun Kalifornien retten, Herr Berggruen?

  • Aktualisiert am

Existentialist, Karstadt-Retter, Philanthrop: Nicolas Berggruen Bild: Burkhard Neie

Karstadt war der erste Streich, doch der nächste folgt sogleich: Nicolas Berggruen gründet ein Institut, das nichts Geringeres leisten soll, als die Politik wieder in Ordnung zu bringen. In perfektem Deutsch erzählt uns der Investor und Philanthrop in Kalifornien davon.

          Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Nicolas Berggruen Institute zu gründen?

          Ich bin viel gereist und habe auch durch meine internationalen Geschäfte Erfahrungen gesammelt. Was mich nach allem, was ich gesehen habe, interessiert, sind Veränderungen in der Regierungsstruktur. Ich habe mich lange gefragt, wie ich mich nützlich machen kann. Wohltätigkeit ist natürlich etwas Wunderbares, aber nicht unbedingt ein Hebel, der viel bewirkt. Deshalb bin ich zum Ergebnis gekommen, dass man sich im Interesse zügiger Veränderung auf politische Strukturen und Institutionen konzentrieren muss. Das ist das Ziel des Instituts.

          Wann haben Sie angefangen, sich für Politik zu interessieren?

          Als Teenager. Ich habe schon als Kind viel gelesen, vor allem über Geschichte, und weil ich in Frankreich aufgewachsen bin, auch über die französische Geschichte. Mich hat fasziniert, wie Regierungen funktionieren, was gut geht und was nicht und warum. Von da bin ich zur Philosophie gekommen, zur Frage individueller Rechte und dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft.

          Werden Sie Ihre Ziele als klassischer „think tank“ verfolgen?

          Es gibt zahlreiche Think Tanks, die Forschung betreiben, und das machen sie auch sehr gut. Aber sie veröffentlichen Papiere und können nicht selbst dementsprechend agieren. Wir wollen beides: gute Ideen generieren und sie in der wirklichen Welt realisieren. Unser erstes öffentliches Projekt ist Kalifornien.

          Kalifornien ist nur der Anfang?

          Natürlich! Ich erzähle Ihnen etwas dazu, weil es für deutsche Verhältnisse ein wenig fremd klingen mag. Kalifornien ist in Amerika ein wichtiger Staat, weil es dort fast vierzig Millionen Einwohner gibt. Kalifornien ist die achtwichtigste Wirtschaft der Welt und hat großen Einfluss auf ganz Amerika, guten und schlechten. Ich würde sagen, dass Amerika im Ganzen heute ziemlich schlecht funktioniert. Es gibt viel zu viele Parteigänger und Einflussgruppen - auch die neue Systempartei, die Tea Party. Sie streiten sich und kooperieren kaum. Was jetzt in Kalifornien passiert, könnte auf Amerika großen Einfluss haben. Hier ist man sich quer durch die Parteien und von Nord nach Süd darin einig, dass das Bundesland nicht mehr funktioniert und tiefe Reformen dringend nötig sind.

          Das heißt, Sie streben eine Änderung der Grundlagen amerikanischer Politik an, längere Legislaturperioden zum Beispiel?

          Korrekt. Die Bereitschaft zu solchen Reformen ist heute das Besondere in Kalifornien. Und weil dieser Staat so viel hat, was für ihn spricht, ist solch eine Anstrengung auch nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. Deshalb erschien es mir sinnvoll, in Kalifornien anzufangen. Die dafür nötigen Ideen haben wir bereits gesammelt. Einige sind kurzfristig und betreffen das Budget, Steuern und dergleichen. Andere sind langfristig und sehr strukturell: term limits, saving plans, einen unpolitischen Senat, neue Wahlgesetze und -prozesse.

          Glauben Sie, dass solche Verfassungsänderungen von den Wählern akzeptiert werden?

          Ja. Wir wollen auf freundliche Weise mit dem Gesetzgeber, dem Kongress, dem Senat und dem neuen Gouverneur kooperieren. Der will natürlich Reformen, aber kann es nicht allein schaffen.

          Haben Sie deshalb so viele ehemalige Staatsführer in Ihrem Komitee?

          Weitere Themen

          Darf man mit Sarrazin diskutieren?

          Meinungsfreiheit : Darf man mit Sarrazin diskutieren?

          Zu einem Seminar über Meinungsfreiheit habe ich Thilo Sarrazin und Marc Jongen eingeladen. Meine Universität hat mir dafür die Mittel gestrichen. Warum ich trotzdem an der Einladung festhalte. Ein Gastbeitrag.

          „24 Frames“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „24 Frames“

          Am Montag, dem 19. November, läuft um 23:35 Uhr „24 Frames“ auf Arte.

          Topmeldungen

          Matteo Salvini und Silvio Berlusconi

          Salvinis Taktik : Finanzpoker mit Brüssel

          Rom macht zu viele Schulden. Ein Bußgeld droht. Doch statt zu zahlen, verhöhnt Innenminister Salvini die „Bürokraten in ihrem Brüsseler Bunker“, denn er hat noch ein paar Asse in der Hinterhand.
          Lächelnd im Konfettiregen: Alexander Zverev wandelt endgültig auf den Spuren von Boris Becker und Michael Stich.

          ATP-WM in London : Alexander Zverev überrollt Djokovic

          Das hätte ihm kaum jemand zugetraut: Der Hamburger besiegt den Weltranglistenersten in zwei glatten Sätzen und gewinnt beim ATP-Finale in London den bislang größten Titel seiner Karriere.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.