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Im Gespräch: Marco Bode : Ist der Fußball jetzt klinsmannisiert, Herr Bode?

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Bild: Burkhard Neie

Wir treffen Marco Bode im „Sportgarten“ unweit des Bremer Weserstadions. Er ist Botschafter dieser gemeinnützigen Institution, die von Jugendlichen geführt wird. Ende Mai findet hier ein internationales Fußballturnier statt.

          Zwei Spieltage vor Saisonende ist die Meisterschaft bereits entschieden. Borussia Dortmund hat mit der jüngsten Mannschaft in der bald fünfzigjährigen Geschichte der Bundesliga den Titel geholt. Ist der Fußball jünger geworden?

          Er ist besser geworden. Genauer: Die Jüngeren sind besser geworden. Die jetzige junge Generation von Vereins- und Nationalspielern ist besser ausgebildet, die Klubs und der DFB legen seit etwa einem Jahrzehnt entschieden mehr Wert auf Nachwuchsarbeit. Die Anfang Zwanzigjährigen, die jetzt in Dortmund Meister wurden, sind einfach außergewöhnlich gute Fußballer. Sie sind eben besser als viele Dreißigjährige, die diese Ausbildung nicht genossen haben. Und obwohl ich mich, wie jeder ehemalige Profi, damit schwertue: Sie sind auch besser, als wir es in ihrem Alter waren.

          An Titeln fehlt es Ihnen nicht. Sie waren mit Werder Bremen Meister, Pokal- und Europapokalsieger, Sie waren mit der Nationalmannschaft 1996 Europa- und 2002 Vizeweltmeister.

          Aber mit einem Fußball, der nicht so begeistert hat, der nicht so schnell und technisch nicht so gut war. Man schmälert unsere Erfolge nicht, wenn man das sagt. Es war eben eine andere Zeit.

          Um schneller zu spielen, muss man auch athletischer sein, dem Körper mehr abverlangen. Verschleißen die Spieler auch schneller, weil sie in noch sehr jungem Alter schon alles aus sich herausholen müssen?

          Das ist ein Trugschluss. Das Spiel wird ja schneller, ohne dass man mehr Athletik braucht. Das Spiel wird optisch dadurch schneller, dass der Ball schneller läuft. Joachim Löw hat die Zeit, in der sich der Spieler am Ball aufhält, bereits verkürzt, er will sie weiter reduzieren, weil England und Spanien da immer noch besser sind. Oder nehmen Sie Barcelona: Da ist das halbe Spiel ein Direktpass. Man fragt sich zwar das eine oder andere Mal: War dieser Pass jetzt nötig, bringt er eine neue Situation? Ich denke: ja, in der Summe schon. Das direkte Spiel mit zwei Kontakten macht das Spiel einfach schneller. Deswegen aber laufen die Spieler jetzt kein bisschen mehr als wir früher.

          Die Profikarrieren werden also nicht kürzer?

          Nach wie vor kann man sehr lange auf einem Spitzenniveau spielen. Auch deshalb, weil die physische Belastung in einem einzelnen Spiel eher abgenommen hat. Bei uns wurden noch heftigere Zweikämpfe geführt, die physische Härte wurde mehr geduldet von den Schiedsrichtern. Für die Topklubs zugenommen hat allerdings die Zahl der Spiele pro Saison. Die Champions League ist relativ aufgebläht, einzelne Spieler kommen auf achtzig Partien. Das ist eine Belastung für den Körper, die Verletzungen wahrscheinlicher macht und damit zu Pausen führt, die der Körper braucht und sich auf diese Weise verschafft.

          Auch ein Vorteil für Dortmund. Man ist sowohl in der Europa League als auch im nationalen Pokal früh ausgeschieden, die Mehrfachbelastung fiel weg.

          Gerade bei dem Stil, den sie spielen, war dies ein Vorteil. Ihr Fußball ist von hohem Aufwand geprägt, besonders bei dem, was Jürgen Klopp „das Spiel gegen den Ball“ nennt. Fußball, das sind im Grunde ja immer zwei Spiele - eines, wenn man den Ball hat, und eines, wenn man ihn nicht hat. Dortmund war auch so stark, weil sie in dem Moment, in dem sie den Ball nicht hatten, höchst intensiv angegriffen haben, Pressing, Forechecking, also das schnelle Ballgewinnen - und dann kommt natürlich das Umschalten nach vorn. Bei Barça sieht man das perfekt. Die machen, wenn sie den Ball haben, das Spiel ja nicht in jedem Fall schnell, können sich sogar fast eine Pause erlauben, weil das Spiel dann viel anstrengender ist für den Gegner, der den Ball nicht hat. Die Borussen haben nicht diese Qualität der totalen Kontrolle, wenn sie den Ball haben. Gewiss, sie haben superschnell umgeschaltet, attraktiven Offensivfußball gespielt und tolle Tore erzielt. Zwei Drittel Ballbesitz wie die Bayern - und Barça ohnehin -, damit Dominanz: Das hatte Dortmund nie. Sie haben sehr von ihrer Jugendlichkeit gelebt, hungrig zu sein, mutig zu sein, den Ball zu erkämpfen, schnell umzuschalten und dann auch ein bisschen unbedarft den Erfolg zu erreichen. Man hat in den letzten Wochen schon gesehen - und das ist ganz normal -, dass sie angefangen haben zu denken.

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