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Im Gespräch: Hubert von Goisern : Was ruft der Berg?

„Das Rockigere wird vielleicht ein gewisser Schock fürs Publikum” Bild: Burkhard Neie

Er gilt als der erfolgreichste Vertreter des sogenannten Alpenrocks. Im F.A.Z.-Interview spricht der österreichische Volksmusikrebell Hubert von Goisern über das Altwerden, Jörg Haider, Jodeln und Hitlers Lieblingslied.

          Es ist Frühsommer auf der Haller Alm oberhalb von Bad Goisern, nur am Dachstein hängen Wolken: Der österreichische Volksmusikrebell Hubert von Goisern sitzt mit seinem Hund Bongo auf der Terrasse der Almwirtschaft.

          Andreas Lesti

          Freier Autor im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Wie sagt man jetzt zu Ihnen? Herr von Goisern? Herr Achleitner? Hubert?

          Hier sagt man einfach „der Hubert“.

          „Musik ist viel größer, als Politik es je sein kann”

          Sie leben seit einigen Jahren in Salzburg. Wie oft kommen Sie noch nach Bad Goisern?

          Leider nicht oft genug. Ich habe so ein kleines Haus oberhalb von Bad Goisern, auf der Sonnenseite, nicht weit von hier. Das lieb ich heiß, es ist so eine Art Rentenversicherung. Da oben habe ich Wasser und Holz zum Heizen. Und wenn es sein muss, stell ich mich mit der Ziehharmonika einmal in der Woche auf den Markt, bis ich genug Geld habe. Dann kaufe ich ein und gehe wieder nach Hause. Das Haus habe ich mir mit dem ersten Geld gekauft, das ich 1992 mit dem Hit „Koa Hiatamadl“ verdient habe, seither brauche ich nicht mehr zu arbeiten.

          Ist Geld heute wichtig für Sie?

          Geld hilft dir in der Umsetzung einer Idee überhaupt nicht weiter. Du musst es einfach machen. Du kannst dir mit Geld ja auch nicht kaufen, dass jemand für dich ein Buch liest oder auf einen Berg geht. Das wirklich Spannende im Leben musst du selber umsetzen.

          Wollen Sie hier in Bad Goisern alt werden?

          Ich kann es mir vorstellen. Hier ist ein guter Platz, um zu reflektieren. Aber ob es dann wirklich so wird, weiß ich nicht. Ich lebe in Salzburg und fühle mich sehr wohl. Meine Kinder sind vierzehn und zwanzig Jahre alt, und weil ich die Kontinuität, die mir meine Eltern in dieser Zeit gegeben haben, sehr geschätzt habe, möchte ich die meinen Kindern auch bieten. Ich weiß nicht, ob ich es unterbewusst gesteuert habe, dass ich immer wieder hier lande. Als ich in Toronto gelebt habe und das erste Mal in meinem Leben so weit weg von den Bergen weg war, bin ich depressiv geworden. Das war nicht meine Umgebung. Und ich habe lange gebraucht, um das zu begreifen.

          Warum sind Sie damals weggegangen?

          Ich hatte das Gefühl, das Tal hat mich ausgespuckt. Hat immer einen Brechreiz bekommen, wenn ich mich bewegt habe. Ich war und bin ein harmoniebedürftiger Mensch und habe darunter gelitten, dass ich immer und überall anecke mit meiner Lebens- und Denkweise. Ich habe mich hier nicht verstanden gefühlt und wollte die Streitereien nicht haben. Aber ich war keiner, der rebelliert und sagt: Die sind alle zu blöd und kapieren das nicht. Da bin ich gegangen.

          Sie sind damals wegen Ihrer langen Haare aus der Blasmusikkapelle geflogen.

          Die langen Haare waren nur eines von vielen Dingen. Aber diese dauernde Nörgelei hat mich genervt: Ich möge mir die Haare abschneiden lassen, weil die Leute sonst glauben, wir hätten jetzt auch schon Mädchen in der Kapelle - das war ja damals noch nicht der Fall. Ein paar wenige gab es, die spielten Klarinette oder Flöte. Da haben die Leute mit dem Finger auf sie gezeigt und gesagt: Das ist der Niedergang. Aber es gab auch richtig Zoff wegen der klaren Hierarchie: Die Älteren sagten den Jüngeren, was zu tun ist. Und irgendwann haben sie mich rausgeschmissen.

          Sie haben das so hingenommen?

          Ich habe Jahre später erfahren, dass der Kapellmeister sich immer gedacht hat, das würde ich nicht durchhalten und mich ein paar Tage später entschuldigen.

          Was Sie nicht getan haben.

          Nein, aber das war sehr schwer. Vor allem, weil ich die Trompete zurückgeben musste. Außerdem hatte ich damals einen wunderbaren, hochmusikalischen und sanftmütigen Musiklehrer. Der hat mich nie geschimpft und gesagt: Du hast schon wieder nicht geübt.

          Sie haben nicht geübt?

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