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Im F.A.Z.-Gespräch : Wären Sie ein guter Spion, Mister De Niro?

  • -Aktualisiert am

Was zum Teufel macht er heute wieder mit diesem berühmten Gesicht? Robert de Niro Bild: dpa

Beim Filmfestival im sizilianischen Taormina, im abgeschotteten hintersten Winkel einer Hotelanlage, gibt Robert De Niro eines seiner raren Interviews. Mit knappen Worten blickt er auf seine Karriere zurück - und voraus auf seinen neuen Film „Little Fockers“.

          Na, wie fühlt man sich so als lebende Legende?

          Oh, ich kann Ihnen sagen, das ist verdammt hart. Jeden Morgen, wenn ich in den Spiegel sehe, denke ich: Was zum Teufel mache ich heute wieder mit diesem berühmten Gesicht? (lacht)

          Und was denken Sie, wenn Sie heutzutage die alten Filme sehen, mit denen Sie berühmt wurden?

          Ach, die habe ich mir schon ewig nicht mehr angeschaut. Seit langem plane ich, mir mal einen ganzen Monat frei zu nehmen und alle meine Filme in chronologischer Reihenfolge anzugucken – um zu sehen, was sie heute in mir auslösen und was ich in Zukunft vielleicht noch verbessern könnte. Das bin ich mir eigentlich schuldig. Aber ich finde dafür einfach keine Zeit.

          Robert de Niro, wie Burkhard Neie ihn sieht
          Robert de Niro, wie Burkhard Neie ihn sieht : Bild: Burkhard Neie

          Glauben Sie, dass Sie im Laufe der Jahre besser geworden sind?

          Ich habe gelernt, ökonomischer zu arbeiten. Weniger ist oft mehr, das merken Sie vor allem, wenn Sie andere Leute genau beobachten. Meistens ist mit feinen Nuancen schon alles gesagt. Man muss gar nicht dick auftragen.

          Früher haben Sie für Ihre Rollen auch Ihr Aussehen radikal verändert: Für „Wie ein wilder Stier“ haben Sie sich etwa sechzig Pfund angefressen und wieder heruntergehungert. Wären Sie heute zu ähnlichen Opfern bereit?

          In meinem Alter wäre ich dazu gar nicht mehr in der Lage. Ich habe es damals gemacht, um die Figur möglichst authentisch verkörpern zu können. Aber ich kann das wirklich keinem Schauspieler empfehlen. Es ist eine höchst ungesunde Prozedur.

          Achtmal haben Sie bislang mit dem Regisseur Martin Scorsese gearbeitet. Sie beide sind in derselben Nachbarschaft in Manhattan aufgewachsen. Sind Sie auch privat befreundet?

          Nein. Aber beruflich bilden wir einfach ein wunderbares Team. Ich möchte unbedingt noch zwei weitere Filme mit ihm drehen, damit wir wenigstens auf zehn gemeinsame Projekte kommen. Dabei unterscheiden wir uns eigentlich in ein paar wichtigen Punkten.

          Inwiefern?

          Während Marty mit der expliziten Darstellung von Gewalt in seinen Filmen kein Problem hat, sehe ich persönlich im Kino nicht so gern Blut und Mord und Totschlag. Und im Gegensatz zu mir interessiert er sich als gläubiger Katholik besonders für die religiösen Untertöne einer Geschichte. Abgesehen davon ist er genauso, wie ich mir einen Regisseur wünsche: offen für gute Ideen, aber mit einem klaren Konzept. Notfalls lenkt er dich sanft und souverän in die gewünschte Richtung.

          Hat er Sie in Ihrer eigenen Arbeit als Regisseur am meisten beeinflusst?

          Auf jeden Fall habe ich mir von ihm eine Menge abgeschaut. Aber ich habe schon immer versucht, am Set alles aufzusaugen und genau zu beobachten, wie der jeweilige Regisseur an die Arbeit herangeht. Schwer beeindruckt war ich zum Beispiel von Michael Mann, mit dem ich „Heat“ gedreht habe: Er wusste exakt, was er wollte. Schon in den Proben hatte man das Gefühl, an etwas Besonderem teilzuhaben. Ich werde nie vergessen, wie perfekt etwa der Bankraub im Film konzipiert, einstudiert und ausgeführt wurde.

          Das heißt, seitdem könnten Sie jederzeit erfolgreich eine Bank ausrauben?

          Ja, absolut! (lacht)

          Sie gelten als großer Verwandlungskünstler, haben mehrmals CIA-Agenten gespielt und mit „Der gute Hirte“ einen Film über die Welt der Geheimdienste inszeniert. Glauben Sie, dass Sie auch ein guter Spion wären?

          Nein, ich glaube nicht, dass ich das Zeug zum Geheimagenten hätte. Ich kann mich für die Spionage ebenso begeistern wie für bestimmte Sportarten. Das heißt aber nicht, dass ich selbst gern ein Spion wäre oder diese Sportarten betreiben wollte – geschweige denn, dass ich das nötige Talent mitbrächte. Ich finde bloß, dass die Welt der Agenten eine Menge faszinierender Filmstoffe bietet.

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