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Francis Ford Coppola im Gespräch : Sind Sie selbst der Pate, Mister Coppola?

  • -Aktualisiert am

Francis Ford Coppola, wie Burkhard Neie ihn sieht Bild: Burkhard Neie

Blitzschnell antwortet Francis Ford Coppola in unserem Interview beim Filmfestival von Marrakesch. Die Erfolglosigkeit seiner jüngsten Filme ist ihm gleichgültig. Sein größter Gegner ist die Angst der Schauspieler.

          Mister Coppola, was treibt Sie immer noch dazu an, Filme zu drehen?

          Sie meinen, wo ich doch schon längst reich und berühmt bin? (Lacht.) Ich will es Ihnen verraten: Durch das Filmemachen lerne ich auch im Alter ständig etwas Neues dazu – über die Welt, über die Menschen und über mich selbst. Ich finde es wundervoll, dass ich mit meinen zweiundsiebzig Jahren von der Arbeit nach Hause kommen und zu meiner Frau sagen kann: „Liebling, heute habe ich wieder so viel gelernt.“

          Fühlen Sie sich als Regisseur jetzt freier als früher? Risikofreudiger?

          Ach, ich war schon immer ein kleiner Abenteurer. Ich hatte noch nie Angst davor, etwas zu wagen – im Gegensatz zu den meisten Hollywood-Bossen: Sie hassen nichts mehr, als Risiken einzugehen. Doch ich finde, Filmemachen ohne Risiko funktioniert ebenso wenig wie Kinderkriegen ohne Sex. Es gibt nur eine Sache, die man nicht riskieren sollte: sein Leben zu verschwenden. Viele Leute jammern auf ihrem Sterbebett: „O je, hätte ich bloß dieses oder jenes gemacht!“ Das wird mir bestimmt nicht passieren – ich habe alles getan, was ich tun wollte. Schon als junger Filmemacher war ich mit Werken wie „Der Dialog“ oder „Liebe niemals einen Fremden“ auf dem richtigen Weg. Aber dann ist mir leider das Schlimmste passiert, was einem Künstler widerfahren kann.

          Geduld: Die wichtigste Lektion bei der Regiearbeit
          Geduld: Die wichtigste Lektion bei der Regiearbeit : Bild: AP

          Nämlich?

          Ich hatte Erfolg. „Der Pate“ schlug dermaßen ein, dass ich berühmt wurde und in Hollywood plötzlich als wichtig galt. Fortan wurde ich von allen Seiten zugeschüttet mit Angeboten, auf die ich gar nicht scharf war. Der Erfolg hat mich eine Zeitlang vom Pfad des experimentellen Autorenfilmers abgebracht. Als junger Idiot habe ich dummerweise nicht erkannt, dass die Studiobosse einem natürlich nur das anbieten, womit sie selbst Geld verdienen können. Das Wort „experimentell“ gilt ja in Hollywood schon als Schimpfwort. Die Typen in der Traumfabrik wollen am liebsten, dass man seinen Erfolgsfilm immer und immer wieder dreht. Mir ist es ähnlich ergangen wie Martin Scorsese: Bis heute erwartet man von uns beiden, dass wir einen Gangsterfilm nach dem anderen ausspucken.

          „Der Pate“ zeichnet ein eher romantisches Mafia-Bild. Würden Sie heutzutage einen Gangsterfilm anders inszenieren? Realitätsnäher?

          Ich würde heute überhaupt keine Gangsterfilme mehr drehen. Im Gegensatz zu Martin Scorsese bin ich nämlich nicht in der Nachbarschaft von Kriminellen aufgewachsen, sondern im Musikermilieu. Vor einigen Jahren habe ich mir geschworen, nur noch eigene Drehbücher zu verfilmen und meine Filme ausschließlich selbst zu finanzieren. Denn die Vorstellung, jemanden um Geld anzubetteln oder mir irgendeinen Star aufdrängen zu lassen, um einen Film realisieren zu können, ist mir unerträglich geworden. Ich habe gelernt, das Budget meiner Werke so niedrig zu halten, dass ich es selbst aufbringen kann. Ich muss keine Kompromisse mehr eingehen und niemandem mehr Rechenschaft ablegen. Insofern fühle ich mich, um auf Ihre zweite Frage zurückzukommen, heute tatsächlich freier als früher.

          Werfen Ihre Filme denn genug Gewinn ab, den Sie immer wieder in neue Projekte stecken können?

          Nein. Ich denke, man muss sich von der Illusion verabschieden, dass man von der Arbeit als Regisseur leben könnte: Die Zeiten, in denen sich mit Kunst Geld verdienen ließ, sind vorbei. Auch meine Filme bringen längst nichts mehr ein – ich finanziere sie mit den Einkünften aus meinen Weingütern. Die meisten Menschen sind geradezu besessen von der Angst, ihr Geld zu verlieren, doch ich habe nie eine Sekunde gezögert, mein gesamtes Vermögen in meine Filmprojekte zu stecken. „Apocalypse Now“ habe ich selbst finanziert, obwohl ich die Verantwortung für drei Kinder hatte und kurz davor war, mein Haus zu verlieren. Zehn Jahre lang verbrachte ich damit, den Banken meine Schulden zurückzuzahlen. Auch wenn ich gar kein Geld mehr hätte, würde ich trotzdem weiter Filme drehen. Irgendwie geht es immer.

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