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Enoch zu Guttenberg : Plötzlich kennt man ihn als Vater

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Der Dirigent Georg Enoch Robert Prosper Phillipp Franz Karl Theodor Maria Heinrich Johannes Luitpold Hartmann Gundeloh Freiherr von und zu Guttenberg zusammen mit seinem Hund auf Schloss Guttenberg Bild: Tobias Schmitt

Enoch zu Guttenberg ist ein bekannter Dirigent. Dann wurde sein ältester Sohn Minister. Was hat der politikskeptische Vater ihm ins Amt mitgegeben? Und wieso fand das Familienoberhaupt seine Berufung in der Kunst?

          Der Herr Baron ist in Wahrheit ein schwarzes Schaf. Wer sich den weitverzweigten Stammbaum seiner Familie anschaut, deren Wurzeln im Fränkischen bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreichen, erkennt rasch: Hier ist einer gründlich aus der Art geschlagen. Wohin man auch blickt: Gutsherren, Ökonomen, Juristen und Politiker - aber keine Künstler und erst recht keine Berufsmusiker. Doch Georg Enoch Robert Prosper Philipp Franz Karl Theodor Maria Heinrich Johannes Luitpold Hartmann Gundeloh Freiherr von und zu Guttenberg ist seit mehr als vierzig Jahren als Dirigent und Chorleiter erfolgreich - und das längst auch auf international bedeutenden Podien wie dem Wiener Musikverein. Quasi nebenbei, prägt er als Intendant seit einem Jahrzehnt den Festspielen auf Herrenchiemsee seinen künstlerischen Stempel auf. Und jüngst ist noch ein weiterer, allerdings inoffizieller Beruf hinzugekommen: Enoch zu Guttenberg ist der Vater des früheren Wirtschafts- und jetzigen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg.

          In Gestalt seines Filius, des jugendlichen Stars im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel, hat ihn die Politik also doch wieder eingeholt. Freilich könnte sich wohl kein Spross dieser ungewöhnlichen Familie jemals völlig frei davon machen, haben doch Politik und Zeitgeschehen die Geschichte der Guttenbergs in außergewöhnlicher Weise geprägt und mehrfach sogar deren Existenz bedroht. Enochs Großeltern väterlicher- wie mütterlicherseits waren in den Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime involviert. Auch sein Großonkel Karl Ludwig, einst glühender Anhänger der Monarchie, hatte enge Kontakte zu den Widerstandskämpfern um Admiral Canaris und den Mitgliedern des Kreisauer Kreises - er bezahlte dieses Engagement noch im April 1945 mit dem Leben.

          Das größte Vorbild aber, so bekennt der im ersten Nachkriegssommer geborene Enoch, sei für ihn immer sein Vater Karl Theodor gewesen: „Der war im Polenfeldzug und sollte in den besetzten Gebieten an Judenerschießungen mitwirken. Er hat damals, mit nicht einmal achtzehn Jahren, gesagt, er schieße eher auf die SS-Schergen als auf einen Juden. Er ist der Hinrichtung nur deshalb entgangen, weil der Militär, der ihn vors Kriegsgericht bringen sollte, ein Nenn-Onkel und fränkischer Nachbar war. Bis heute sind wir dessen Familie dafür eng verbunden.“

          In prächtiger Glut prangt glänzend die Burg: Schloss Neuguttenberg, Stammsitz der Guttenbergs, über der Ortschaft Guttenberg

          Ich hätte manchmal lieber Meier geheißen

          Der wagemutige Freiherr Karl Theodor blieb auch nach dem Krieg ein politischer Freigeist und gehörte als führender CSU-Außenpolitiker zu den entschiedensten Gegnern von Willy Brandts Ostpolitik. Zuvor allerdings hatte er zusammen mit seinem persönlichen Freund Herbert Wehner die erste Große Koalition unter Kiesinger eingefädelt. Später legte er sich immer wieder derart hingebungsvoll mit dem CSU-Patriarchen Franz Josef Strauß an, dass der ihm ein Parteiausschlussverfahren androhte. Angesichts politisch derart profilierter Vorfahren versteht man, warum sich Enoch zu Guttenberg auch selbst gern als schwarzes Schaf der Familie bezeichnet: „Mein Vater hat meinen Wunsch, Musiker zu werden, bekämpft. Das war sehr schwierig. Erst nachdem er, schon an den Rollstuhl gefesselt, mein erstes Konzert im Münchner Herkulessaal miterlebt hatte, schloss er seinen Frieden mit meiner Berufswahl. Heute allerdings danke ich's ihm dennoch, denn das war damals ein Durchbeißen gegen den Widerstand einer ganzen Familie, der gesamten Verwandtschaft. Man weiß danach erst richtig, was man an seinem selbstgewählten Beruf hat - ob das im wahrsten Sinne eine Berufung ist.“

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