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Bild für Bild Die digitalen Kulissen im Film „Der Pianist“

27.10.2002 ·  FAZ.NET zeigt exklusiv, wie im Film „Der Pianist“ durch modernste Computertechnologie das Warschauer Getto wiederauferstand.

Von Holger Christmann
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Beim Stichwort digitale Spezialeffekte denken die meisten mit Recht an Action- und Science-Fiction-Filme: jene Genres, die stark von Effekten leben. Die digitale Bildbearbeitung ist heute aber auch bei anspruchsvollen Kino-Filmen üblich. In dem Film „Der Pianist“ sorgt modernste Computertechnologie dafür, dass das Warschauer Getto vor unseren Augen originalgetreu wiederaufersteht. Dafür sorgte Christian Kuenstler. Der 32jährige Münchner hatte bei den Dreharbeiten die Funktion des Visual Effects Supervisor - ein Beruf, für den es eine deutsche Übersetzung noch nicht gibt. Für FAZ.NET gab Roman Polanski die Bilder zur Veröffentlichung frei. Christian Kuenstler erklärt sie.

„Eine meiner Hauptaufgaben war es, das zerstörte Stadtbild Warschaus detailgetreu und mit fast dokumentarischer Sorgfalt zu erzeugen. Bei zahlreichen Szenen wurden daher Einstellungen an verschiedenen Drehorten aufgenommen und dann digital zusammengefügt und meist durch digitale Set-Ergänzungen erweitert.

Ein Beispiel hierfür ist die Szene, in der Szpilman nach langer Zeit sein Versteck verlässt und ihn die Kamera in der Tiefe eines endlosen Ruinenfeldes verliert. Gedreht wurde die Szene im ostdeutschen Jüterbog. Production-Designer Allan Starksi bekam die Möglichkeit, in einem zum Abbruch vorgesehenen Kasernengelände ein atemberaubendes Set mit zerstörten Straßenfluchten zu "bauen“. Doch diese Fluchten waren "nur“ etwa sechs bis acht Gebäude tief, so dass die weiterführende Perspektive einer zerstörten Stadt digital erzeugt werden musste.

Die Szene am Umschlagplatz

Eine andere wichtige Sequenz ist die Sequenz "Umschlagplatz“. Da für diese Sequenz, die auf dem Platz in Warschau spielt, wo die Juden vor ihrer Deportation zusammengetrieben wurden, noch zahlreiches historisches Bildmaterial zur Verfügung stand und Roman Polanski auf absolute Authentizität bedacht war, war auch hier wieder der Einsatz digitaler Technik nötig. In Warschau wurde auf einem Militärkasernengelände ein Platz gefunden, der von Lage und Größe Polanskis Vorstellungen recht nah kam. Durch entsprechende Set-Bauten wie Mauern und Stacheldrahtabsperrungen wurde das Set optimiert. Doch gegenüber dem vorhandenen und für die Aufnahmen gut nutzbaren Gebäude sollte nach Maßgabe der historischen Fotos ein zweites Gebäude, ein Hospital, zu sehen sein.

Da der Umbau mittels Set-Bau-Techniken zu teuer erschien, wurde mit dem Production-Designer entschieden, nur das Erdgeschoss des Gebäudes durch eine Kulisse bis zu einer Höhe von ca. 4,5 Metern zu verschalen und alle weiter oben liegenden Stockwerke per Miniatur-Modell am Computer zu ergänzen.“

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