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Biker ohne Bikes : Die Letzten in der Nahrungskette

  • -Aktualisiert am

Die Black Jackets tragen ihre Mitgliedsausweise auf der Haut. 'Cave Canem' ist das Motto der Rocker, 2 und 10 bezeichnen ihre Initiale Bild: Christoph Voy

Die Black Jackets sind eine Rockergang aus der deutschen Provinz. Sie haben strenge Regeln, straffe Hierarchien und Kontakte in die Unterwelt - nur keine Motorräder.

          Toni ist ein kräftiger Typ mit kahlrasiertem Schädel und einem breiten Kreuz. Ich kenne Toni als Rapper, der in der Szene unter dem Namen „Toni, der Assi“ bekannt ist. Toni ist aber auch ein führendes Mitglied der Streetgang Black Jackets. Eben musste ich ihm erklären, dass ich, bevor wir uns getroffen haben, beim Landeskriminalamt gewesen bin und nun das dringende Gefühl habe, dass wir observiert werden. „Oh, das ist nicht so gut“, sagt er und lächelt ein wenig gequält, „das sollten wir jetzt erst mal keinem erzählen.“ Als er zum Telefon greift, um von seinen Gang-Kollegen weitere Anweisungen zu erhalten, sehe ich, wie seine Hand zittert. „Scheiße“, denke ich, „worauf hab ich mich hier eingelassen?“

          Das Gefühl, überwacht zu werden, ist nicht unbegründet. Zweimal wurden wir auf unserer Tour von Polizeistreifen kontrolliert. Dem breiten Schwäbisch des Beamten nach, hatten wir einfach zu viel „Gruscht“ im Auto, „was e bissle auffällig war“.

          Angst? Nicht unbedingt

          Einige Stunden zuvor sitze ich beim LKA in Stuttgart, um mich aus Behördensicht über die Black Jackets zu informieren. Der Empfang durch Ulrich Heffner, den Pressesprecher, fällt wenig herzlich aus. Fotografieren verboten - das wissen wir schon - Filmen sowieso, und das Aufnahmegerät bleibt auch aus. Heffner, leger gekleidet, mit Ring im Ohr, stellt gleich klar, das ist hier kein Spaß, das ist Ernst. Die Schlagzeilen lauten: „Drogenhandel: Haftstrafen für drei Black Jackets“, „Razzia bei den Black Jackets: Drogen, Einbrüche, Schutzgeld“, „Black Jackets: Versuchter Mord“. Material genug, um ins Visier der LKA-Abteilung „Motorradgangs und rockerähnliche Gruppierungen“ zu geraten.

          Noch ein Logo: Der comicartige Bulldoggen-Kopf nach dem Motto „Cave Canem“ - „hüte dich vor dem Hund“. Und wer kein Motorrad fährt, kann auch Jeans tragen

          Die Abteilung wird von Sigurd Jäger geleitet. Klein, untersetzt und das ganze Gegenteil von Heffner, ist Jäger ein kumpelhafter Typ. Ein lustiger Mann mit einem hintergründigen Humor, der ganz anders aussieht als der Mann, den die Google-Bildersuche zeigt, wenn man Sigurd Jäger eintippt. Warum es keine Fotos von ihm gibt, will ich von ihm wissen. Angst? Nicht unbedingt, sagt der rundliche Mann, aber man habe ja auch ein Privatleben, das wolle man schützen vor den diversen Gruppierungen, die in der Polizei einen Feind sähen. Gruppierungen wie zum Beispiel die Black Jackets.

          Noch handelt es sich um eine Jugendgang

          Gegründet wurden sie 1985 in Heidenheim an der Brenz, von Jugendlichen mit Migrationshintergrund als Anti-Nazi-Selbstschutz-Organisation, was Jäger und Kollegen für einen Mythos halten. Aber so steht es auf der clubeigenen Website. Schnell machte sich die Gang einen Namen in der örtlichen Türsteherszene mit angeschlossenem Kampfsportstudio, erlebte alle möglichen Stadien der Popularität und expandiert seit zwei, drei Jahren massiv in Süddeutschland. Durch das Revival der Bikergangs konnten die Black Jackets in den letzten Jahren großen Zulauf verzeichnen, und das, obwohl sie gar kein Motorradclub sind. Die Black Jackets sehen zwar aus wie Motorradrocker, mit Lederkutten, Aufnähern und Rückenpatches, es gibt auch hier eine gewisse Rangordnung, mit Dienstgraden und der Unterteilung in einzelne Chapter, im Gegensatz zu den Hells Angels oder den Bandidos aber müssen ihre Mitglieder keine teuren Motorräder besitzen oder fahren. Das wirkt offenbar anziehend.

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