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„Big-Brother-Award“ : Negativpreis für Barbie und BND

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Kann nicht nur reden, sondern auch gut zuhören: die Puppe „Hello Barbie“ Bild: Barbie/TNS

Der Verein Digitalcourage vergibt jährlich einen Negativpreis an Unternehmen und Politiker, die sich durch einen problematischen Umgang mit Daten hervortun. Dieses Mal traf es unter anderem den Hersteller einer sprechenden Puppe.

          Der diesjährige Negativ-Preis „Big-Brother-Awards“ hat am Freitag in Bielefeld wieder problematische Datenerhebungen von Behörden und Firmen angeprangert. Der Bundesnachrichtendienst (BND) erhielt die Negativ-Auszeichnung für Verflechtungen mit dem Überwachungsverbund des amerikanischen Geheimdienstes NSA. Der deutsche Dienst sammle täglich Millionen Telekommunikationsdatensätze und übermittle sie an ausländische Partnerdienste, kritisierte der Bremer Jurist und Publizist Rolf Gössner in seiner Laudatio. Der Jurist warf dem BND vor, er vertusche illegale Praktiken. Er werde vom Rechtsstaat nicht gezügelt, sondern sogar weiter digital aufgerüstet.

          Gerügt wurde auch das Bundesgesundheitsministerium für das umfangreiche Erheben von Patientendaten auf der Elektronischen Gesundheitskarte sowie über das sogenannte eHealth-Gesetz. Die vom Bund beschlossene Einführung flächendeckender Technologie dienten nicht der Gesundheit, sondern vor allem den Finanzmärkten und der IT-Industrie, kritisierte der Vorsitzende des Vereins Digitalcourage, der unter dem Pseudonym padeluun auftritt.

          In der Kategorie Arbeitsrecht erhielten Amazon-Tochterfirmen in Bad Hersfeld und Koblenz die Negativauszeichnung. Nach Einschätzung der Jury verletzen sie in ihren Arbeitsverträgen die Persönlichkeitsrechte von Arbeitnehmern. So verlangten die Firmen von ihren Beschäftigten die Zustimmung zur Verarbeitung ihrer persönlichen Daten in den Vereinigten Staaten.

          Überwachung im Kinderzimmer

          Eine Überwachung im Kinderzimmer wurde im Spielzeugangebot „Hello Barbie“ kritisiert. Die Puppe, die in Deutschland noch nicht erhältlich sei, solle auf das Kind individuell antworten, hieß es. Dafür zeichne die mit einem Mikrofon ausgestattete Barbie nicht nur Gespräche des Kindes auf, sondern sende sie über eine Internetverbindung auch zu einer Analyse in die virtuelle Cloud. So würden Träume und Sorgen junger Konsumenten auf zentralen Servern gesammelt.

          In der Kategorie „Neusprech-Award“ wurde der Begriff „digitale Spurensicherung“ kritisch hervorgehoben. Unter diesem Etikett solle in Deutschland die Vorratsdatenspeicherung wiederbelebt werden, warnten die Veranstalter. Dabei würden Millionen Menschen unter einen Generalverdacht gestellt und ihre Daten ohne konkreten Anlass gespeichert. Solche Datensammlungen verstießen gegen die Grundrechte.

          Der deutsche Big-Brother-Award wird seit dem Jahr 2000 jährlich vom Verein Digitalcourage gemeinsam mit Bürgerinitiativen vergeben. Eine Jury aus Menschenrechtlern, Computerexperten sowie Daten- und Verbraucherschützern wählt die jeweiligen Preisträger aus.

          In den vergangenen Jahren ging die Negativ-Auszeichnung unter anderem an den Suchmaschinenanbieter Google, den Softwarekonzern Microsoft und die Telekom. 2014 war das Bundeskanzleramt für geheimdienstliche Verstrickungen in den NSA-Überwachungsskandal unter den Preisträgern. Der amerikanische Whistleblower Edward Snowden wurde für seine Verdienste um die Aufklärung der Machenschaften der Geheimdienste mit dem ersten Positiv-Preis der „Big-Brother-Awards“ ausgezeichnet.

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