Home
http://www.faz.net/-gqz-u7rz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Bibelforschung Jesus-Grab entschlüsselt?

Zwei amerikanische Wissenschaftler wollen das Familiengrab Jesu identifiziert haben. Ihre Erkenntnisse werden sie in einer Fernsehdokumentation vorstellen - inszeniert von „Titanic“-Regisseur James Cameron. Doch an der Seriosität der Arbeit wird gezweifelt.

© Discovery Channel Vergrößern Familiengrab Jesu in Talpioth: Auf diesen Fels wird die Forschung nicht bauen können

Der amerikanische Bibelwissenschaftler James Tabor und der britische Archäologe Shimon Gibson behaupten, das Familiengrab Jesu identifiziert zu haben. Es handelt sich um ein schon 1980 in Jerusalem entdecktes Kammergrab mit zehn Knochenkästen, sogenannten Ossuaren. Sechs davon sind beschriftet. Nach Tabor und Gibson handelt es sich um die Namen von Jesus, Maria, Joseph, Matthäus, Maria Magdalena sowie eines Sohnes von Jesus namens Juda.

Ulf von Rauchhaupt Folgen:    

Die mutmaßliche Bedeutung der Entdeckung bringt es mit sich, dass die Forscher sie noch vor einer wissenschaftlichen Publikation der ganzen Christenheit vorstellen: Und zwar in einer Dokumentation des Discovery Channel, die an diesem Montag in New York der Presse vorgeführt wird. Und damit es nicht zu trocken wird, enthält der Film Spielszenen, bei denen die Hollywoodgröße James Cameron („Titanic“) Regie geführt hat.

„Ausgesprochen unwissenschaftlich“

Fairerweise haben die Filmemacher vorab in einem neunseitigen „Fact Sheet“ die Argumente dafür zusammengestellt, warum die Inschriften auf den Ossuaren in der genannten Weise zu lesen sind und warum es sich mit einer Wahrscheinlich von mindestens 600:1 um die Namen der aus dem Neuen Testament bekannten Personen handelt. Dabei berufen sie sich auf die Arbeiten international anerkannter Altertumsforscher.

Tatsächlich dürften den Fachleuten, auf die sich Tabor und Gibson berufen, aber die Haare zu Berge stehen. Eine näherer Blick auf die Argumentation der Jesus-Grab-Forscher zeigt, dass ihre Interpretation der Ossuar-Inschriften jeder Grundlage entbehrt. Angesehene Fachleute wie der Leidener Neutestamentler Jürgen Zangenberg oder der Archäologe Gunnar Lehmann von der Ben Gurion Universität in Beer Sheva nennen das Vorgehen Tabors und Gibsons „nicht seriös“ und „ausgesprochen unwissenschaftlich“.

Mehr zur Argumentation der Jesus-Grab-Forscher lesen Sie im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Montag, 26. Februar 2007

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Dschihadi John Ein IS-Mörder aus dem Westen Londons

Er ist in zahlreichen Propagandavideos des IS zu sehen, trägt darin stets schwarze Kleidung und eine schwarze Sturmhaube. Nun haben die britischen Behörden den Mann enttarnt: Es soll der 27 Jahre alte Mohammed Emwasi aus Westlondon sein. Mehr

26.02.2015, 14:42 Uhr | Politik
Griechenland Ausgrabung in Amphipolis bleibt spannend

Kürzlich haben die Archäologen Knochen gefunden - sie könnten von einer bekannten Persönlichkeit stammen. Das Grab war reich geschmückt mit Marmor, Figuren und Mosaiken. Mehr

13.11.2014, 16:14 Uhr | Feuilleton
Überraschender Kofferfund Die Tote vom Straßenrand

1966 wurde ein Frankfurter Zimmermädchen unter mysteriösen Umständen ermordet. Der Fall hielt damals die Stadt in Atem. Bei einem Umbau ist jetzt ein Koffer der Frau aufgetaucht. Mehr Von Denise Peikert

20.02.2015, 11:40 Uhr | Rhein-Main
6000 Jahre umarmt Archäologische Rarität in Griechenland entdeckt

Archäologen sind in Griechenland auf einen Sensationsfund gestoßen. Das Kultusministerium in Athen gab bekannt, dass in den Höhlen von Diros das Grab eines eng umschlungenen Paares gefunden wurde. Mehr

14.02.2015, 14:53 Uhr | Wissen
Artenschutz Spürhunde helfen beim Schutz bedrohter Gorillas

Alle Gorillas sind bedroht. Besonders gefährdet ist der Cross River Gorilla im Grenzgebiet von Kamerun und Nigeria. Forscher aus Leipzig testeten, ob man den überaus seltenen Menschenaffen mit Hunden auf die Spur kommt. Mehr

25.02.2015, 12:00 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.02.2007, 16:31 Uhr

Blinde Flecken der westlichen Welt

Von Mark Siemons

Zur Buchvorstellung des vierten Bandes von Heinrich-August Winklers „Geschichte des Westens. Die Zeit der Gegenwart“ saßen sich der Autor und Frank-Walter Steinmeier in der Berliner Nikolaikirche gegenüber – und erzählten sich was. Mehr 2 3