30.04.2012 · Wer soll für Kultur bezahlen, wenn sie zum virtuellen Gut wird? Der Staat? Der Schwarm? Die Fans? Ein paar Modelle für eine ungewisse Zukunft.
Von Anna Prizkau, Friederike Schröter, Harald StaunRichtlinien für Lesermeinungen
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auf Deutsch auch "Flatrate" genannt, ist der feuchte Traum der
GEZ. Die wird dann zur wichtigsten und datengeilsten Behörde der
Welt. Da werden hunderttausende neue Arbeitsplätze generiert, in
denen alle Gescheiterten dieser Welt Lohn und Brot finden können:
Vom Exstasi-Mitarbeiter bis zum ekstatischen
Möchte-Gern-Künstler.
Genial. Wir werden uns noch wünschen, es gäbe nur die GEMA.
... funktioniert also nur, wenn die ganze Welt mitmacht, so wie bei der CO2-Einsparung
Wenn die ganze Welt mitmachen muss, warten wir, bis wir schwarz werden.
Abgesehen davon hat das Modell verfassungsmäßige
Schwierigkeiten, die so einfach nicht zu überwinden sind. Die
Flatrate müsste für verschiedene
Netzanschlussgeschwindigkeiten verschieden hoch ausfallen, damit nicht
ein kleiner Downloadaffiner Teil der Gesellschaft seine Kosten auf die
Allgemeinheit abwälzt, die das Angebot gar nicht nutzt.
Der Zugang müsste auch künstlich erschwert sein, damit die
Gewerbefreiheit der bereits vorhandenen Angebote im Netz, die ohne
Flatrate auskommen, nicht verletzt wird. Die haben nämlich in einem
Rechtsstaat eine Bestandsgarantie gegenüber staatlichen Eingriffen.
Von jedem Internetanbieter der eine Grundgebührverlangt eine art
GEMA pauschale verlangen
ohne Preiserhöung.
Downloaden bzw. runterladen tut eh jeder egal welches alter im Raumsteht
Unnötigte Verkomplizierung der Bezahlfrage ! Im Beitrag wird das "Kulturflatrate"-Modell ...
... unnötig verkompliziert ("Doch nach welchem Prinzip würde das Geld aufgeteilt werden? ...Man könnte seine fünf Euro an die Künstler verteilen, die man besonders gern hat. Wie das technisch funktionieren soll, weiß man noch nicht so genau. Die Künstler müssten sich vorher bei Angela Merkel angemeldet ... haben" etc etc). Dabei geht es einfach (und technisch analog Verkehrsmaut-Prinzip erprobt): Die Beiträge (Musik, Bücher, Videos ...) werden einheitlich über ein zentrales Serversystem eingespeist und können kostenlos heruntergeladen werden. Nach der Abrufzahl wird abgerechnet. Und mit IP6 - das eine eindeutige Identifizierung der Nutzer erlaubt - ist es einfach möglich, Mißbrauch (künstlich erzeugte Massendownloads) zu verhindern. In jedem Land gilt dasselbe Modell. Zwischen Ländern - also etwa wenn aus China mehr aus Deutschland herunter geladen werden sollte als umgekehrt - werden über die Flatrate-Pools Ausgleichszahlungen vorgenommen. Soweit in Kürze das Grundprinzip !
Ganz so schlecht, wie im Artikel beschrieben, sieht es dann aber nicht aus. Und wenn andere Medien als die "bettelnde" taz nicht eine so herablassende Herangehensweise zeigen würden, könnte sich da noch viel bewegen. Aber man zieht scheinbar lieber den Opfern, die das Netz nur ohne Adblock kennen, das Geld aus der Tasche. Das, meine Damen und Herren, ist dann wohl ehrlicher Broterwerb.
"Wer soll für Kultur bezahlen, wenn sie zum virtuellen Gut wird?" Schon die Frage ist entlarvend. Wir haben es hier nicht mit Normativem zu tun - außer von denen, die Normen mit (demokratischer) Gewalt anwenden möchten. Die richtige Frage, die offen und gewaltfrei ist, lautet daher: Wer wird für Kultur bezahlen, wenn sie zum virtuellen Gut wird? Und die Antwort lautet: Wem sie etwas wert ist. Für Güter nimmt man einen Austausch vor. Sonst handelt man nicht. Das ändert sich auch unter "virtuellen" Bedingungen nicht. Bleibt man im Bereich des Freiwilligen und nutzt man die vielfältigen Entdeckungsmöglichkeiten eines Marktes, von Foren oder anderen freiwilligen Austauschbörsen, dann werden sich auch gerechte Lösungen konkretisieren. Da bin ich ganz zuversichtlich. Die Menschen machen das schon. Das war schon immer so.
Nur eine Abgabe würde nennenswerte Summe zusammenbringen. Mit 5
Euro für "Alles" ist aber nicht getan, den lustigen
Rechenfehler mal beiseite gelassen:
Das reicht ja kaum für die Sportrechte. Denn eines ist ja klar. Mit
dieser Abgabe wären alle anderen Bezahlmodelle sofort tot.
Und: Typisch für eine deutsche Lösung wäre
natürlich, das Geld kommt unter öffentliche (sprich
Parteien)-Kontrolle, und von dort wird es nach Massagbe von Lobbyisten
und
Tatort-Staatskünstlern verteilt. Also viel Geld für Tatort
(den keiner kopiert) aber wenig für Trash wie Battleship, den alle
sehen wollen.
Ich bemühe das letzte Argent häufiger, Entschuldigung
dafür: Den weitaus größten Anteil an illegalen Kopien im
Netz hat Porno.
Wenn die Verteilung der Gebühren fair sein spollte, kämen
minmal 60 Prozent dort an.
Wäre vielleicht nicht schlecht, wäer zumindest mal ehrlich
Die Internetindustrie kann nicht erst dasw Problem produzieren und dann
sagen, das geht uns alle nichts an! Was im Fall von Tonbandgeraeten
richtig war, kann im Fall von Kabeln, Stecker, Computern und wer daq
alles noch dran mitverdient nicht falsch sein!!!
Denn auch heute kann man noicht ein ganzes Volk kriminalisieren. Man
kann es auch nicht versklaven.
"Wenn jeder der 25 Millionen Haushalte mit Internetanschluss diesen
obligatorischen fünf Online-Kultur-Euro zahlen würde, das hat
der Chaos Computer Club einmal ausgerechnet, dann würden sich in
dem Topf jeden Monat 1,5 Milliarden Euro sammeln."
Hmm. Laut meiner Rechnung sind 25.000.000 x 5 = 125.000.000. Ich
fürchte, Sie haben die Jahreseinnahmen mit den Monatseinnahmen verwechselt?
Systemischer Irrtum
So ähnlich rechnen auch die Musik- und die Filmindustrie, wenn sie
die fiktiven Schadenshöhe durch illegale Downloads als Horrobild an
die Wand malt, an der sie angeblich bereits mit dem Rücken stehen.
Hätte der Herr vom Fülletong doch vorher mal den Kollegen von
der Wirtschaft mal über den Text schauen lassen ...
Auch ein Logikfehler
Es ist nicht nur die Rechnung, die hier nicht stimmt. Die fünf Euro fehlen ja für den eigenmotivierten Genuß von Kulturgütern. Und dann gibt man die Macht über die Verfügung von Wertentscheidungen auch noch ab an Leute, die bereit sind unter Gewaltandrohung Geld einzukassieren. So kann man sicher keine Kultur "machen".
Harald Staun Jahrgang 1970, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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