13.02.2012 · Die rekonstruierte Fassung eines britischen Film aus dem Jahr 1943 beschert einen der schönsten Eindrücke der Berlinale. Auch das Berliner U-Bahn-Fenster prägt die Erinnerung an das Filmfestival.
Von Platthaus, AndreasUnter tosendem Applaus kam Thelma Shoonmaker, dreifache Oscarpreisträgerin als Schnittmeisterin für Martin Scorsese, auf die Bühne des International-Kinos, um die rekonstruierte Fassung von "The Life and Death of Colonel Blimp" vorzustellen. Ihr verstorbener Ehemann Michael Powell hatte den britischen Spielfilm 1943, mitten im Krieg, zusammen mit Emeric Pressburger inszeniert, und die Rettung dieses Technicolor-Wunders bescherte uns einen der schönsten Filme der Berlinale.
Gezeigt wurde er als digitale Projektion, und Thelma Shoonmaker wies darauf hin, dass man den Film in dieser Form alle fünf Jahre wieder retten müsse, weil die entsprechenden Speichermedien rasch veraltern und die digitale Information Qualitätseinbußen erleidet, die nur durch regelmäßiges Umkopieren vermieden werden können. Aber keine Sorge: Von der aufwendig gereinigten und farblich aufgefrischten digitalen Fassung ist auch eine 35-Millimeter-Kopie auf Zelluloid erstellt worden, die unter idealen Bedingungen gelagert wird, aber natürlich nicht gezeigt werden darf, um in jungfräulichem Zustand zu bleiben.
Wirklich schöne Bilder bekommt man aber auch digital nicht kaputt. Das zeigt der kleinste Bildschirm der Stadt, das sogenannte "Berliner Fenster", ein lokales Nachrichtenprogramm in der U-Bahn. Da wird von einem lombardischen Madonnengemälde des fünfzehnten Jahrhunderts berichtet, das ein amerikanischer Soldat 1945 aus Berlin mitgenommen hatte und das von dessen Sohn jetzt zurückgegeben wurde. Vom grob gepixelten Foto herab brennt sich der gesenkte Blick der Madonna in die Erinnerung ein wie kaum ein anderes Bild der Berlinale.