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Bevormundung Griechenkinder

07.02.2012 ·  Ein Sparbuch für Griechenland, so der deutsche Vorschlag zur Bekämpfung der Schulden. Was folgt als Nächstes, um die verzogenen Kinder zur Vernunft zu bringen? Hausarrest?

Von Edo Reents
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Die Dresdner Bank warb vor mehr als zehn Jahren mit diesem Spruch: „Warum heißt das Sparbuch Sparbuch? Weil man es sich sparen kann.“ Das war Sprachwitz vom Gröbsten, zum Totlachen! Wenn’s dem Esel zu gut geht, geht er halt aufs Eis. Heute wissen wir, wie dünn dieses Eis war, und nehmen es nicht ohne eine gewisse Genugtuung zur Kenntnis, dass das Sparbuch sein Image als überängstliche, aber eben auch risikoarme Pfennigfuchserei los und inzwischen wieder so gefragt ist, dass es mehr als die Hälfte der Deutschen für eine attraktive Geldanlage hält - übrigens nicht trotz eines Zinssatzes zwischen 0,22 und 0,25 Prozent, der ja in der Tat alles andere als sensationell ist, sondern wegen.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass nur Anlagen, die nicht viel einbringen, bombensicher sind. Ob dieser Gedanke auch beim deutsch-französischen oder wohl eher deutschen Vorschlag eine Rolle gespielt hat, den Griechen jetzt ein Sparbuch einzurichten? In ihrer geradezu erschlagenden Brillanz erinnert diese Idee an die Lösung, die das Satiremagazin „Titanic“ einst für das Welthungerproblem in Anschlag gebracht hat: „einfach mehr spachteln!“ Es ist schon genial: Gegen Hunger hilft essen, gegen Geldmangel sparen. Damit müsste die Sache erledigt sein.

Eine Infantilisierende Bevormundung

Sie ist es aber nicht, weil wenigstens die Griechen nicht vergessen haben, dass es bei der Beurteilung von Staaten noch andere Gesichtspunkte gibt als die rein betriebswirtschaftlichen („zahlungsunfähig“, „nicht kreditwürdig“), die seit geraumer Zeit geltend gemacht werden. Ihr nun anstehender Generalstreik richtet sich ja nicht nur, wie es immer heißt, „gegen die Sparmaßnahmen“, sondern bringt wohl auch ein politisches Denken zum Ausdruck, das die Finanzakteure belächeln mögen, das aber, jenseits von blanker, existentieller Not der Bürger, seine Würde darin findet, sich der herrschenden ökonomischen Logik einfach zu widersetzen.

Einer solchen Mentalität käme das Sparbuch als Relikt aus Zeiten, als der Sozialstaat noch nicht als unfinanzierbar abgetan wurde, eigentlich entgegen, setzte sich damit nicht die infantilisierende Bevormundung eines Landes fort, das einfach nicht seine „Hausaufgaben“ machen will. Offenbar ist das Finanzsystem durch so viele Komplexitätsstadien hindurchgegangen, dass es jetzt bei einfachen Hausmitteln landet. Was kommt als Nächstes, um die verzogenen griechischen Kinder zur Vernunft zu bringen: Taschengeldentzug, Hausarrest oder eine Tracht Prügel?

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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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