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„Beutekunst“ Bremen erhält kostbare Grafiksammlung aus Russland zurück

11.03.2003 ·  Russland wird eine im Zweiten Weltkrieg verschleppte Sammlung wertvoller Zeichnungen und Grafiken am 29. März an die Kunsthalle Bremen zurückgeben. 364 Kunstwerke von Rembrandt, Dürer und Tizian kommen zurück.

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Russland wird eine im Zweiten Weltkrieg verschleppte Sammlung wertvoller Zeichnungen und Grafiken am 29. März an die Kunsthalle Bremen zurückgeben. Bei einer der bislang größten Rückgabe-Aktionen von „Beutekunst“ sollten 364 Kunstwerke von Rembrandt, Dürer und Tizian an ihren angestammten Ort zurückkehren, bestätigte am Dienstag das russische Kulturministerium in Moskau.

Bisher nur mündliche Zusage

In Berlin sagte ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos), dass die Bundesregierung ebenfalls von einer Rückgabe am 29. März ausgehe. Nach Angaben der Bremer Kunsthalle gibt es eine mündliche Zusage, eine offizielle schriftliche Bestätigung aus Moskau liege jedoch nicht vor.

Der sowjetische Offizier Viktor Baldin hatte die Grafikblätter 1945 in einem Schloss in Brandenburg entdeckt und in seine Heimat mitgenommen. Die Kunstwerke befinden sich in der Eremitage in St. Petersburg, die sie 1995 ausgestellt hatte.

Der kommunistische Kulturpolitiker Nikolai Gubenko, Initiator des umstrittenen russischen „Beutekunst“-Gesetzes, forderte das Parlament auf, keine entschädigungslose Rückgabe der Baldin-Sammlung zuzulassen. Kulturminister Michail Schwydkoj wolle die Kunstwerke „geheim und unter Umgehung des Parlaments zurückgeben“, kritisierte er nach Angaben der Agentur Interfax. Die Rückgabe der Sammlung war Ende Januar beim Besuch von Kulturstaatsministerin Weiss in Moskau vereinbart worden.

Auf eigene Faust

Die meisten Kunstwerke, die 1945 auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht aus Deutschland verschleppt worden waren, gelten dem „Beutekunst“-Gesetz nach als russisches Staatseigentum. Die Bremer Sammlung fällt nicht unter das Gesetz, weil Baldin auf eigene Faust gehandelt hatte.

Seit Inkrafttreten des von Deutschland nicht anerkannten Gesetzes hat Russland 2000 eine Sammlung mit 101 Zeichnung der Kunsthalle Bremen sowie 2002 die mittelalterlichen Fenstermalereien der Marienkirche in Frankfurt/Oder zurückgegeben. In beiden Fällen griffen Ausnahmeregeln des Gesetzes. Die deutsche Ruhrgas AG finanziert die Nachschöpfung des im Krieg verschollenen Bernsteinzimmers aus dem Katharinen-Palast bei St. Petersburg. Es soll am 31. Mai feierlich der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Bewegte Geschichte

Die Zeichnungen und Grafiken der sogenannten Baldin-Sammlung aus der Kunsthalle Bremen haben 58 Jahre in Russland verbracht. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 entdeckte der sowjetische Offizier Viktor Baldin im Keller eines brandenburgischen Schlosses die ausgelagerten Kunstwerke aus Bremen. Um sie vor der Zerstörung zu schützen, packte er die Zeichnungen von Rembrandt, Tizian, Rubens, Goya, Van Gogh und Manet in einen Koffer.

Den ganzen Rückweg in die Sowjetunion über tauschte Baldin nach eigenen Angaben weitere Blätter bei seinen Kameraden ein, bei denen sich vor allem Aktzeichnungen großer Beliebtheit erfreuten. Für einen Christuskopf von Albrecht Dürer gab er angeblich ein paar neue Stiefel. So wuchs die Sammlung auf 362 Kunstwerke.

Bereits zu sowjetischen Zeiten versuchte Baldin, der 25 Jahre lang Direktor des Moskauer Architektur-Museums war, die Rückgabe der Blätter zu erreichen. Die Behörden lehnten ab, weil das gesamte Thema der „Beutekunst“ aus Deutschland tabu war. 1989 ging Baldin mit seinem Anliegen an die Öffentlichkeit. Er starb 1997.

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