16.07.2010 · Good night, sleep tight, don't let the bed bugs bite: Dieses Nachtgebet hilft derzeit in New York und auf Long Island nichts - eine Bettwanzenplage grassiert. Und die Krabbler unterscheiden nicht mal nach Wohnlage.
Von Felicitas von LovenbergDie Frage, welches originelle, nachhaltige und garantiert nicht online zu bestellende Geschenk man seinen Lieben diesmal aus den Ferien mitbringen könnte, hat sich erledigt – zumindest für alle, die New York oder Long Island ansteuern. Das häufigste Souvenir des Sommers misst dort zwischen vier und neun Millimeter, hat sechs Beine und ist ein ziemlicher Stinker. Cimex lectularius, besser bekannt als Bettwanze oder bed bug, hat New York den Entsetzensschreien nach so fest im Griff, dass der Gutenachtwunsch „Good night, sleep tight, don’t let the bed bugs bite“ eine ganz neue Dringlichkeit erhält.
Denn wenn die Stadt, die angeblich nie schläft, doch mal ein Nickerchen macht, kommen die Wanzen, um sich Blut abzuzapfen – und das in Massen. Die heitere Gelassenheit, mit der wir uns hier in sicherer Entfernung zunächst an „Max und Moritz“ erinnert fühlen („Doch die Käfer – kritze, kratze! – / Kommen schnell aus der Matratze. / Schon fasst einer, der voran, / Onkel Fritzens Nase an. / Und den Onkel voller Grausen / Sieht man aus dem Bette sausen“), könnte sich schneller verflüchtigen, als man Dichlordiphenyltrichlorethan oder wenigstens DDT rufen kann (was ohnehin nichts nutzen würde, weil das Pestizid seit Jahren verboten ist – angeblich der Grund für das ganze Schlamassel).
In den Hamptons fühlen sie sich genauso wohl
Die Biester lieben nämlich Hitze – und die herrscht dieser Tage ja nicht nur in New York. Krankenhäuser, Banken, Supermärkte und Kinos mussten dort schon vorübergehend schließen, das Modelabel Abercrombie & Fitch sperrte wegen der Invasion der kleinen Braunen sogar mehrere Filialen zu. Endgültig erledigt hat sich mit Befallsmeldungen aus den Hamptons auch die Annahme, die populärkulturell geradezu trendigen Krabbler, die sich am liebsten wie Spider-Man auf ihr Opfer fallen lassen, bevor sie sich vampirmäßig darüber hermachen, bevorzugten schäbige Hotels oder heruntergekommene Viertel.
Und wenn sie erst da sind, kriegt man sie kaum wieder los. Selbst wer Matratzen, Sofas, Vorhänge, Kissen, Teppiche und Kleidung reinigt oder am besten gleich verbrennt, kann nicht sicher sein, dass aus der Nachbarwohnung nicht die nächste angewanzt kommt. Und weil das leiseste diesbezügliche Kritze, Kratze den Wert einer Immobilie kamikazemäßig abstürzen ließe, ist der Kampf gegen das Ungeziefer streng geheim zu halten, dürfen Kammerjäger sich auf keinen Fall als solche zu erkennen sein. Wo Wanzen auf der Lauer liegen, sind Spitzel eben nie weit. Diese Lektion immerhin haben wir hier auch ohne Krabbler längst gelernt.
Felicitas von Lovenberg Jahrgang 1974, verantwortliche Redakteurin für Literatur und Literarisches Leben.
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