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Bestsellerautor unterstützt Buchhandel : Pattersons Rettungsschirm

James Patterson stiftet eine Million Dollar für den Buchhandel. Die Zukunft der amerikanischen Literatur will er nicht den Monopolisten überlassen.

          Warum hat ein Mann, der 150 Millionen Bücher verkauft hat, Angst um die Zukunft der Literatur? James Patterson ist ein Machtfaktor im Buchgeschäft. Er gehört wie J. K. Rowling zu dem ausgesprochen kleinen Kreis von Schriftstellern, die es mit ihren Büchern und deren Vermarktung buchstäblich zu einem Milliardenvermögen gebracht haben. Es hat Jahre gegeben, in denen er sieben, zehn oder noch mehr neue Titel veröffentlicht hat. Für manchen seiner Kollegen wäre Pattersons Jahresproduktion bereits ein stattliches Lebenswerk. Jeder siebzehnte Roman, der zwischen 2006 und 2010 als Hardcover in den Vereinigten Staaten verkauft wurde, stammte aus seiner Feder. Oder besser gesagt: All diese Bücher stammen aus der Schreibfabrik, die Patterson zusammen mit einigen Koautoren betreibt.

          Gemeinsam werden hier die Plots entwickelt, dann führt ein Schreiber aus, was sich der Meister so gedacht hat. Patterson macht aus dieser ungewöhnlichen Produktionsweise keinen Hehl. Auch einige seiner erfolgreichsten Bücher, etwa die Thriller um den Psychologen Alex Cross, hat Patterson zusammen mit seinen Angestellten verfasst. Sie werden entlohnt, bleiben als Autoren aber ungenannt. Patterson betreibt das Schriftstellerhandwerk wie eine Manufaktur, in der Arbeitsteilung hohe Produktivität erlaubt. Er steht also mit einem Bein noch im achtzehnten Jahrhundert, ist aber andererseits als erster Schriftsteller der Welt, der mehr als eine Million E-Books verkauft hat, auch eine Art Vorreiter dieses neuen Vertriebsweges, der dem traditionellen Buchhandel so schwer zu schaffen macht.

          Breite Lektüre ist für Kinder wichtig

          Jetzt ist bekannt geworden, dass Patterson eine Million Dollar für die in Not geratenen unabhängige Buchhandlungen in den Vereinigten Staaten zur Verfügung stellt. Im vorigen Jahr konnten sich Buchhändler im ganzen Land um eine Art Patterson-Stipendium bewerben, jetzt wird das Geld ausgezahlt. Seine Beweggründe für diesen ungewöhnlichen Schritt hat der Schriftsteller gegenüber der „New York Times“ genannt. Buchhandlungen seien gefährdet, Verlage stünden unter Druck: „Auf gewisse Weise steht die Zukunft der amerikanischen Literatur auf dem Spiel.“ Patterson lebt in Palm Beach, Florida, einem Ort, der nicht gerade als Brutstätte für verbiesterte Kulturpessimisten und Alt-Linke bekannt ist, aber im vorigen Jahr hat er großformatige Anzeigen geschaltet, in denen er staatliche Unterstützung, wie sie Banken und Autokonzernen gewährt wurde, auch für den Buchhandel einklagte. Als jede Reaktion ausblieb, gründete er seinen eigenen Rettungsschirm. Er sei reich genug, sagt Patterson jetzt, er müsse keine Bücher mehr verkaufen. Ihm gehe es um etwas anderes: „Viele Leute wissen nicht mehr, was es bedeutet, in eine Buchhandlung zu gehen. Sie wissen nicht, was ihnen fehlt. Vor allem für Kinder ist eine breite Lektüre ungeheuer wichtig.“

          Für Patterson ist eine Million Dollar nicht sehr viel Geld, aber für den Buchhandel könnte diese Geste sehr viel mehr wert sein, als sie der Schriftsteller sich kosten lässt. Patterson weiß das, es gehört zu seinem Kalkül. Er ist der bekennende Spätkapitalist unter den Bestseller-Autoren, eine Art literarischer Konzerngründer. Aber anders als andere Mediengiganten unserer Tage, anders als Amazon und Google, strebt er kein Monopol an, sondern ruft auf zum Schutz jener Infrastruktur, die bewahrt, was alle Monopolisten bedrohen: Vielfalt.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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