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Bernie Sanders’ treue Helfer : Wer der Regierung misstraut, ist ihr Mann

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Der Mann, der den einzigen Konsens verkörpert, den es in den Vereinigten Staaten noch gibt? Bernie Sanders, hier bei seiner jüngsten Rede im Vatikan. Bild: Reuters

Die libertären Staatskritiker des Silicon Valley unterstützen ausgerechnet den staatsgläubigen Bernie Sanders. Knallhartes Elitedenken und flauschige Sozialromantik gehen dabei Hand in Hand.

          Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders betont immer wieder, dass seine Kandidatur ganz anders sei als die seiner Kontrahentin Hillary Clinton. Diese lasse ihren Wahlkampf durch betuchte Großspender aus der Wall Street finanzieren. Er selbst bekomme sein Geld von Millionen Spendern aus dem Internet. Allerdings ist das Gros dieser Einnahmen einem ähnlich spezifischen Milieu zuzurechnen. Das Wall Street Journal berichtet, dass unter den zwanzig Firmen, deren Arbeitnehmer das meiste Geld an Sanders spendeten, fast die Hälfte im Silicon Valley ansässig sind. Obwohl sich Sanders nur selten in der Bay Area blicken lässt, nimmt er dort weitaus mehr Spenden ein als die häufige Besucherin Hillary Clinton.

          Das mag verwundern. Obwohl sich der Technologiesektor grüner und netter gibt, ist er nämlich nicht weniger kapitalistisch als Wall Street. Das Internetmagazin Gawker wies auf die Ironie hin, dass die wohlhabenden Mitarbeiter von Google und Apple ihr Geld ausgerechnet einem Kandidaten spenden, der überzogene Gehälter wie die ihren kritisiert. Warum folgt eine Branche, die auf jede Form staatlichen Eingriffs äußerst gereizt reagiert, ausgerechnet einem staatsgläubigen Sozialisten? Sicherlich steht die Technologiebranche zunächst einmal demokratischen Positionen näher. Jung und in der Gegenkultur verwurzelt, gehörte sie zu den frühen Verteidigern der Homo-Ehe und setzte sich wegen ihrer vielen ausländischen Mitarbeiter für eine liberale Einwanderungspolitik ein. Das bringt sie jedoch eher in die Nähe zu Clinton als zu Sanders. Wie tief die Kluft zwischen Silicon Valley und dem Staat ist, ließ sich zuletzt an der erbitterten Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI um das verschlüsselte Terroristen-iPhone erkennen.

          Selbst eine Ratte kann ein Starkoch sein

          Um die ungewöhnliche Verbindung zu verstehen, hilft es, sich einen Film von Pixar anzusehen. Die Animationsfilme der Disney-Tochter entstehen unweit vom Silicon Valley in Emeryville und erzählen bevorzugt von Außenseitern und Querulanten. So weit, so kalifornisch. In Brad Birds „Ratatouille“ aus dem Jahr 2007 geht es um die junge Ratte Remy, die sich nichts sehnlicher wünscht, als Koch zu werden. Nur will eben niemand eine Ratte in seiner Küche haben. Nach dem Motto „everyone can cook“ beweist Remy jedoch einem schnöseligen Kritiker, dass „ein großer Künstler von überallher kommen kann“.

          Was sich als Parabel der Chancengleichheit ausgibt, predigt jedoch gleichzeitig eine elitäre Vision, die an die als „Objektivismus“ bekannte Pseudophilosophie der russisch-amerikanischen Schriftstellerin Ayn Rand erinnert: Gewisse Individuen sind von Natur aus anderen überlegen, und der Rest der Menschheit soll ihnen zuarbeiten. Denn „Jeder kann kochen“ heißt in Ratatouille eigentlich: „Selbst eine Ratte kann ein Starkoch sein.“ Sobald Remy aber als Genie etabliert ist, ordnet er sich den Rest des Rattenvolks unter, der tatsächlich vom Kochen keine Ahnung hat.

          Der letzte Konsens

          Rands rechtsanarchistische Vision vom aristokratischen Recht des Intelligenteren hat im Silicon Valley schon immer viele Anhänger gehabt. Ratatouille zeigt, wie unreflektiert dieser Objektivismus mit linken Denkmustern zusammenwirkt. Auch in anderen Filmen baut Brad Bird offen objektivistische Motive ein, obwohl er in den zwei letzten Wahlen Barack Obama unterstützte.

          Knallhartes Elitendenken und flauschige Sozialromantik gehen im Silicon Valley Hand in Hand. Das erlaubt es staatsfeindlichen Großverdienern, einen Sozialisten als ihren Kandidaten zu feiern. Der kognitiven Dissonanz werden sie Herr, indem sie sich bestimmte Details aus dem politischem Weltbild von Bernie Sanders herauspicken. Sie reduzieren ihn auf die Position des „Anti-Establishments“ und meinen damit gleichzeitig „Anti-Staat“.

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