02.06.2009 · Vom Interviewtermin in Rom in der Regierungsmaschine zum Briefing in die Privatvilla und abends weiter zum Fußball nach Mailand: Eine der Begleiterinnen Berlusconis hat ein Buch über ihre Zeit mit „Papi Silvio“, jene „Goldmine der Weisheit“ geschrieben.
Von Dirk SchümerShowgirls, heißt es gemeinhin, sind schön. Klug müssen sie nicht sein. Mehr als anderswo gilt diese Binsenweisheit in Italien, wo das Hand- und Körperwerk der „Velina“ wahrlich goldenen Boden hat. Manch Ragazza, die kaum bekleidet durch Fernsehshows hüpfte, ist ins politische Establishment gewechselt. Und der mächtigste Mann des Landes, Silvio Berlusconi, wird nicht müde zu betonen, dass unter den zahlreichen superschlanken Mädchen seines Hofstaates immer wieder auffallend kluge Exemplare auftauchen, die er dann mit Ministerposten, Abgeordnetenmandaten oder wenigstens mit Positionen im Hintergrund an sich zu binden pflegt.
Das alles hat jetzt ein Fotograf für die Nachwelt fixiert. Antonello Zappadu verfügt offenbar über genügend Ortskenntnis und Findigkeit, um mit dem Teleobjektiv in Berlusconis abgeschirmter „Villa Certosa“, gelegen an der Costa Smeralda, Besucherinnen beim Topless-Sonnenbaden oder gar unter der Dusche festzuhalten. Durchtrainierte Leibwächter auf dem Motorrad leisten den Mädchenrudeln des Premiers Gesellschaft und haben dabei verständlicherweise ihre Arbeit aus den Augen verloren. Weil viele Hunderte von Zappadus neugierigen Bildern allen Sicherheitsmaßnahmen hohnsprechen, ist ihre Veröffentlichtung untersagt worden.
Damit die Öffentlichkeit, die seit Wochen mit Bekenntnissen vermeintlicher Haremsdamen überfüttert wird, dennoch keine Entzugserscheinungen bekommt, hat eine Bewunderin Berlusconis nun sogar ein Buch veröffentlicht: „Noi, le ragazze di Silvio“ (9,90 Euro) ist ein weiterer Beweis für geschäftliche und sogar literarische Talente einer Soubrette. Die zweiunddreißigjährige Elisa Alloro outet sich darin nicht nur als ansehnliches „Mädchen von Silvio“, sondern gewährt auch Einblicke in den aufregenden Alltag dieses Tausendsassas: Von einem Interviewtermin in Rom darf sie in der Regierungsmaschine spontan zu einem Briefing in die Villa Certosa mit, lehnt dort, nein, keinen Heiratsantrag, aber immerhin ein Stellenangebot ab und fliegt abends weiter zum Fußball nach Mailand.
Bei solch hektischem Jetset sei „Papi“, wie alle Ragazze ihren Silvio mit Code- und Kosenamen nennen, eine wahre „Goldmine der Weisheit“. Jede Minute mit ihm sei ohnehin ein Gottesgeschenk, und seine Noch-Gemahlin Veronica Lario beleidige die Fernsehmädchen, wenn sie diese als Abschaum abtue. Am Schluss die erwartbare Widmung: „An Silvio, den unbewussten Autor vieler dieser Seiten.“ Wie gesagt: Kluge Mädchen kommen überallhin.
Ein verschiedenes Italien...
Salvatore Del Vecchio (salva40)
- 05.06.2009, 13:49 Uhr