06.04.2009 · Was Silvio Berlusconi auch macht, es ist verkehrt: Barack Obama ist nicht braungebrannt und die finnische Präsidentin wollte sicher nichts von seinen Qualitäten als Latin Lover hören. Bevor er zur Politmarionette verkommt, spielt der italienische Premierminister lieber den Clown.
Von Dirk SchümerEin Gespenst geht um in der internationalen Politik: der Clown Berlusconi. Dies gehört nicht nur für Italiener zur Bilanz einer an Gipfeln und Gipfelchen reichen Politwoche. Dass Italiens Ministerpräsident kein Kind von Traurigkeit ist, dürften inzwischen so ziemlich alle seiner Kollegen mitbekommen haben, von der finnischen Präsidentin, gegenüber der er seine Qualitäten als Latin Lover ins Gespräch brachte, bis zum dänischen Amtskollegen und nun bald Nato-Boss Fogh Rasmussen, dessen maskuline Attraktivität Berlusconi einmal fast neidisch hervorhob.
Nun hat der aufgekratzte Medienmogul also auch noch die Queen erzürnt, indem er beim Gruppenfoto herumalberte. Und dann ließ er die empfangsbereite Gastgeberin Angela Merkel ungalant stehen und zog sich ans Mobiltelefon zurück. Dementis helfen da wenig. Queen Elizabeth ließ verlauten, sie sei durchaus amused gewesen von Berlusconis Witzchen. Und auch mit Angela Merkel hat sich der galante Italiener wieder vertragen – ging es beim Telefonieren doch nicht um den AC Mailand, sondern um die Rettung der Nato vor dem widerborstigen Türken. Die Folge: Küsschen und Umarmungen für die sonst so berührungsscheue Pastorentochter.
Gnadenlose Gutlaunigkeit
Das Kernproblem Berlusconis liegt wohl gar nicht in seinem Benimm, sondern in der ritualisierten Wahrnehmung. Was er auch macht, es ist verkehrt. Allzu viele italienische Journalisten schämen sich über die Pose des internationalen Spaßvogels. Der italienische Hobbytenor am Klavier, der den Mächtigen Liedchen spielt; der englisch radebrechende Scherzbold, der aus einer Komödie von Totò entlaufen scheint – da würde man doch lieber von stinklangweiligen Funktionären der selig verstorbenen Christdemokratie repräsentiert, die nie einen klaren Satz sagten und ihre Farblosigkeit hinter dicken Brillengläsern zur Schau trugen. Berlusconi aber ist programmatisch anders.
Er legt Wert auf die Botschaft, niemals ein Berufspolitiker zu werden und das ewiggleiche Protokoll des Händeschüttelns, des Gruppenfotos, des staatsmännischen Schulterklopfens mitunter für stinklangweilig zu halten. Und hat er nicht recht? Als alter Hase der Werbebranche mag er mit seiner gnadenlosen Gutlaunigkeit zuweilen zu weit gehen, doch verstrahlt er auch etwas tragikomisch Menschliches unter lauter Politmarionetten. Bei allem Respekt für den – von Berlusconi naturgemäß „braungebrannt“ genannten – Barack Obama, dessen Predigt-Rhetorik uns irgendwann vielleicht auch einmal auf die Nerven gehen wird – wie öde wäre so ein Gipfel ohne die Silvio-Show?