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Besetzung Berliner Volksbühne : Schaden von zehntausend Euro

Mannschaftswagen der Polizei Ende September 2017 vor der besetzen Volksbühne Berlin. Bild: dpa

Ungefähr zehntausend Euro soll es kosten, die Schäden zu beheben, die an der Berliner Volksbühne durch die als Kunstaktion ausgegebene Besetzung entstanden sind. Die Frage ist: Wer zahlt die Zeche?

          Müssen Hausbesetzer bei ihrem in der Regel unfreiwilligen Auszug das Gebäude, das sie sich eine Zeitlang unter den Nagel gerissen hatten, eigentlich besenrein übergeben, allfällige Schönheitsreparaturen nicht zu vergessen? Im schwäbischen Idealfall: ja. Ein jeder kehre vor der Haustür, die er eingetreten hat. Im Berliner Realfall: nein. Hier, wo die Besetzung frei nach Thomas de Quincey (Schriftsteller, Opiumesser, Bankrotteur) als eine schöne Kunst betrachtet wird, betrieben von Laien, Liebhabern und Experten des Alltags, weiß man natürlich: Wo besetzt wird, fallen Späne.

          Auf Antrag eines Abgeordneten der FDP musste die Berliner Senatsverwaltung für Kultur jetzt die Späne zählen, die bei der sechstägigen Besetzung der Volksbühne im September gefallen waren. Bevor sie ganz leise unter den großen Teppich des Steuerzahlers gekehrt werden, lieferten die Späne den Hauptstadtblättern ganz laut Schlagzeilen, die dem für seine Empfindsamkeit weithin bekannten Berliner schier das Blut in den Adern gefrieren lassen: „Kassenhalle – Loch in der Decke“. Oder: „Grüner Salon – Außenkamera abgerissen“. Außerdem: „Roter Salon – Fenstergitter aus der Wand gerissen“. Und als wäre dies alles nicht schlimm genug, hier noch eine Exklusiv-Meldung des Rechercheverbunds der Berliner Boulevardblätter: „Im rechten Rang stinkt jetzt der Teppich!“ So etwas kann keine Metropole der Welt auf die leichte Schulter nehmen. Da muss durchsaniert werden, koste es, was es wolle. Und weil im Berliner Senat an Rechenkünstlern und Planungsartisten bekanntlich kein Mangel herrscht (siehe Staatsoper, Flughafen etc.), liegen die Zahlen auch schon auf dem Tisch: Exakt zweiundvierzig Punkte umfasst die Liste der besetzungsbedingt entstandenen Schäden, und ungefähr zehntausend Euro soll es kosten, sie beheben zu lassen.

          Das ist einerseits eine Menge Geld, andererseits bei weitem kein Betrag, für den man ein sechstägiges Happening mit hundert Aktivisten, Tausenden von Schaulustigen und landesweiter, wenn nicht sogar internationaler Berichterstattung in Auftrag geben könnte. Der Steuerzahler wird die Summe verkraften, die 303 angefallenen Überstunden, die 102 eingesetzte Polizisten während der Besetzung der Volksbühne schieben mussten, sollen durch den Berliner Haushaltsplan abgedeckt sein, die Ermittlungen gegen 21 Besetzer, die ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch am Hals haben, sind noch nicht abgeschlossen.

          Stellt sich nur noch die bange Frage, ob es wirklich bei den genannten zehntausend Euro bleiben wird. Droht da nicht womöglich die nächste Berliner Kostenexplosion? Was ist eigentlich mit dem Teppich im linken Rang? Die Handwerker, denen es gelingen sollte, den Kostenrahmen einmal nicht zu sprengen, hätten sich jedenfalls für größere Aufgaben empfohlen. Es müsste sich dann nur noch jemand finden, der für ein paar Tage die Dauerbaustelle Flughafen besetzt, und nur wenig später hätte die Hauptstadt auch dieses Problem glücklich gelöst.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

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