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Berliner Kulturpolitik : Kunstluftnummer

Eigentlich eine gute Nachricht: Der Bund fördert den Umbau der Berliner Gemäldegalerie. Leider bedeutet das nicht mehr Raum für die Kunst, sondern weniger.

          Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat zehn Millionen Euro für den Umbau der Gemäldegalerie am Berliner Kulturforum bewilligt. Auf den ersten Blick ist das eine gute Nachricht. Aber es steckt ein Unheil darin. Der Umbau dient dazu, die Gemäldegalerie für den Umzug der Sammlung der klassischen Moderne aus der Neuen Nationalgalerie vorzubereiten. Auch die bisher ortlose Surrealistensammlung des Ehepaares Pietzsch bekommt dann ihren Platz am Kulturforum. Das aber bedeutet wiederum, dass die Alten Meister vom Potsdamer Platz ins Bode-Museum umziehen müssen, in dem allenfalls knapp die Hälfte von ihnen Platz hat; der Rest wandert auf unabsehbare Zeit ins Depot.

          Für den geplanten Galeriebau gegenüber vom Bode-Museum will sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zwar, in den Worten ihres Präsidenten Parzinger, „mit Hochdruck“ einsetzen. Aber dieses Gebäude kommt nicht vor 2020, vielleicht auch nie. Die Stiftung gibt die Baukosten mit zweihundert Millionen Euro an, Experten schätzen sie aufs Doppelte. Dieses Geld ist nicht da, es fließt ins Berliner Schloss, aus dem die Gemäldegalerie aus ideologischen Gründen ja ausgesperrt bleibt. Es geht hier, wohlgemerkt, nicht um eine zweitklassige Hinterlassenschaft hohenzollerscher Sammelwut, sondern um eines der weltbesten Ensembles von Renaissance-, Barock- und Rokokomalerei, um die größte Sammlung von Rembrandt-Originalen außerhalb der Niederlande, um Bilder von Botticelli, Bellini, van Eyck, Dürer, Rubens, Tizian, Velazquez und anderen. Die Preußenstiftung hat es in den vergangenen fünfzehn Jahren versäumt, den Rang dieser Bestände ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

          Stattdessen hat sie die donquichotteske Idee eines Umzugs auf die Museumsinsel ausgebrütet, bei dem die Sammlung in zwei Teile gerissen würde: Die „südliche“, also in Italien und Spanien entstandene Malerei käme ins Bode-Museum, die „nordische“ in den Neubau gegenüber. Wie absurd dieser Plan ist, erkennt man schon, wenn man sich ausmalt, dass Caravaggio und der französische Caravaggist De la Tour oder Tiepolo und Watteau künftig in getrennten Häusern zu sehen wären. Selbst dieser Irrsinn aber verblasst vor der Aussicht, dass der größere Teil der Gemäldesammlung gänzlich in den Magazinen verschwinden könnte. Das Umzugs-Mikado der Preußenstiftung ist eine Luftnummer, die durch die Bundesmittel nur zusätzlich aufgeblasen wird. Die Stiftung ist dabei, ihren Kulturbesitz zu verspielen. Und die Kulturpolitiker in Bund und Ländern schauen zu.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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