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Berliner Humboldtforum : Gedankenscherze

Bislang taten sich die Planer des Humboldtforums schwer zu erklären, was sie in dem Schlossneubau in Berlins Mitte eigentlich vorhaben. In den Dahlemer Museen bekommt man jetzt ein paar Anhaltspunkte.

          Als noch alles denkbar und fast nichts machbar war, träumte Gottfried Wilhelm Leibniz von einer Wissens-Ausstellung, wie es noch keine gab: „Magische Laternen. Kometen. Feuerwerke, Wasserspiele, fremdartige Schiffe. Seltene und exotische Tiere. Kriegsvorführungen. Sprechende Trompeten. Anatomisches Theater. Laboratorium.“

          Leibniz nannte das einen „Gedankenscherz“, für den er eigens eine „Akademie der Freuden“ gründen wollte. Dazu ist es nicht gekommen. Aber nun gibt es ja das Humboldtforum, diesen größten aller Gedankenscherze der deutschen Kulturpolitik. Diejenigen, die jetzt nur „Berliner Schloss“ hören, haben den Witz nicht verstanden, der darin liegt, dass hinter den neuen Barockfassaden ein Theater des postmodernen Wissens aufgeführt werden soll: Magische Laternen der Globalisierung. Anatomie der Weltkulturen.

          Manches wäre besser im Labor geblieben

          Als das Projekt vor vier Jahren in einer sogenannten Werkstattausstellung im Alten Museum präsentiert werden sollte, ging der Schuss daneben: Es gab von allem etwas, Schiffe, Tiere, tönende Konzepte, Pathos und Papier, aber nichts passte richtig zusammen. In den Dahlemer Museen, wo dieser Tage das „Humboldt Lab“ zur ersten von mehreren geplanten Probeausstellungen einlädt, sieht die Sache jetzt schon anders aus.

          Zwar gibt es auch hier Kuratorenscherze, die man, wie eine mit Tondokumenten indigener Kulturen gespickte Musterwohnung samt Schulzimmer, besser im Labor gelassen hätte. Und es gibt jene aus Vitrinen zusammengesetzte Mustergarderobe, die trotz schweren begrifflichen Sperrfeuers („Identities on Display“) bleibt, was sie ist: eben eine Garderobe.

          So hat man das noch nie gesehen

          Aber manches ist auch richtig gut gelungen, etwa die klotzigen Kuben des Hamburger Architekten Andreas Heller, in denen jeweils nur ein einziges der fünfhunderttausend Objekte aus dem Bestand der Museen gezeigt und in allen Einzelheiten erklärt wird: ein Maya-Kopf, eine Knotenschrift der Inkas, ein Wandbehang aus einem Krishnatempel, eine persische Kalligraphie. Dinge, die man im Vorbeigehen vielleicht schon gesehen hat; aber so noch nie.

          Und genau darum ging es bei Leibniz im Jahr 1675, in jenem „Theater der Natur und der Kunst“, das die Dahlemer Museen dereinst im wiedererrichteten Schlüter-Schloss aufführen wollen und für das sie auf Kosten der Bundeskulturstiftung jetzt drei Jahre lang proben dürfen. „Lockerungsübungen“ seien das, hieß es bei der Eröffnung am Mittwoch. Und sogar sprechende Trompeten gibt es im „Humboldt Lab“. Obwohl: Noch raunen sie nur.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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