29.12.2006 · Er ist der größte, der rasanteste und der gläsernste: der Berliner Hauptbahnhof erstrahlt in neuem Glanz. Dumm nur, daß ein Schnitzer die Bahn wohl vierzig Millionen Euro kosten wird.
Jahrelang haben wir auf die Schnitzer der Deutschen Bahn gelassen reagiert, haben Verspätungen, Dauerbaustellen und die Ewigprovisorien der Bahnhöfe mit Langmut behandelt, haben die chronisch unterbesetzten und -bestückten „Bordbistros“ und die notorisch defekten Toiletten der ICEs ertragen.
Der diesjährige Schnitzer aber übertrifft sämtliche Selbstherrlich- und Dickfelligkeiten dieses Unternehmens. Er wird die Bahn voraussichtlich vierzig Millionen Euro und uns den letzten Nerv kosten. Die Rede ist vom Berliner Hauptbahnhof, der im Frühjahr als Superleistung der Deutschen Bahn und als Spitzenwerk der europäischen Bahnhofsarchitektur eingeweiht wurde.
Flach- statt Gewölbedecken
Der größte, rasanteste, gläsernste und für die High-Tech-Zukunft am besten gerüstete, so wurde er gefeiert. Daß sein Architekt Meinhard von Gerkan vergebens gegen gravierende Änderungen seines prämierten Entwurfs protestiert hatte, wurde bei alldem Jubel sowenig erwähnt wie die Selbstherrlichkeit, mit der Bahnchef Mehdorn angeordnet hatte, in den unterirdischen Bahnsteighallen statt der vorgesehenen Gewölbedecken zwecks Kostenersparnis niedrige metallene Flachdecken einzuziehen.
Im November erhielt von Gerkan, der geklagt hatte, vom Berliner Landgericht recht, und die Deutsche Bahn erhielt die Auflage, umzubauen, was für Reisende Jahre neuer Provisorien bedeuten würde. Die Bahn kündigte selbstverständlich Revision an. Inzwischen hat Meinhard von Gerkan eingelenkt. Egal, wie die Angelegenheit ausgeht, es bleibt ein Schnitzer so tief wie der Grand Canyon.