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Veröffentlicht: 28.02.2013, 16:45 Uhr

Berliner Gemäldegalerie Ein Vorschlag, wie man die Kunst zum Schweigen bringt

Angriff der Kultur-Dekorateure: In Berlin trafen sich die Verantwortlichen des geplanten Umzugs der Gemäldegalerie, um ihren Plan zu präsentieren. Er könnte im Desaster enden.

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© Getty Images Träumen Gemälde von erklärenden Skulpturen? Die „Pleurants“ des Juan de la Huerta vor einer Kopie von Rogiers „Kreuzabnahme“ im Bodemuseum.

Vor fast genau hundert Jahren hatte Marcel Proust die Nase voll von der damals angesagten Museumsmode. „Man ,präsentiert‘ heute ein Bild inmitten von Möbeln, kleinen Kunstgegenständen und Vorhängen ,aus der Epoche‘“, schrieb er im zweiten Buch der „Suche nach der verlorenen Zeit“, „in einer belanglosen Dekoration, die jetzt in neu eingerichteten Stadthäusern eine gestern noch in diesen Dingen völlig unwissende Hausherrin großartig zustande bringt. . . Aber auf allen Gebieten hat ja unsere Zeit die Manie, uns die Dinge in ihrer natürlichen Umgebung vor Augen führen zu wollen und damit das Wesentliche zu unterschlagen, nämlich den geistigen Vorgang, der sie aus jener heraushob.“ Nur in den klassischen Museumssälen mit ihrer „nüchternen Enthaltung“ von allem Schnickschnack, so Proust, sei das „berauschende Glücksgefühl“ möglich, welches große Kunst uns schenke.

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Nun könnte man sagen, das alles ist Schnee von gestern: Wir haben die Museen und Säle, von denen Proust spricht, die Meisterwerke sind vor dekorationswütigen Gestalten geschützt. Aber die Geschichte geht weiter, und manchmal erreicht sie wieder denselben Punkt, von dem sie sich einst wegbewegt hat. Im Herzstück der deutschen Hochkultur, auf der Berliner Museumsinsel, soll das Rad der Geschichte zurückgedreht werden. Die dortige Hausherrin, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, will zwei ihrer bedeutendsten Schätze, die Berliner Gemäldegalerie und die beinahe gleichzeitig zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts gegründete Skulpturensammlung, im Bodemuseum und einem geplanten Neubau am Kupfergraben „zusammenführen“.

Die Rückkehr der tabulosen Epochensäle

Was heißt das? Das bedeutet, das zwei einmalige und (von Kriegsschäden abgesehen) vollständige Sammlungen, von denen die eine in einem für sie maßgeschneiderten Haus am Kulturforum und die andere in dem neben Schinkels Altem Museum schönsten Gebäude der Museumsinsel - dem Bodemuseum - residiert, zuerst vereint und dann wieder zerstückelt, auf zwei verschiedene, durch ein Gewässer getrennte Häuser verteilt werden sollen. In jedem dieser beiden Museen - für das zweite, ungebaute liegt bisher weder ein Zeitplan noch eine seriöse Kostenkalkulation vor - sollen Bilder und Statuen teils gemischt, teils voneinander geschieden und teils zusammen mit ausgewählten Beständen des Kunstgewerbemuseums gezeigt werden. Wobei man sich bei der Auswahl offenbar keinerlei Tabus auferlegen will: Teller, Becher, Schränke, Truhen, Schuhe, Kleider, das alles soll, wie jüngst zu erfahren war, mindestens „diskutiert“ werden.

Es ist dies die inhaltliche, programmatische Seite der seit Monaten heftig debattierten Umzugspläne der Preußenstiftung für die Gemäldegalerie und die Modernesammlung der Neuen Nationalgalerie. Die Urheber des Konzepts sind zugleich die Leiter der betroffenen Sammlungen: der Direktor der Gemäldegalerie, Bernd Lindemann, und der Schweizer Kunsthistoriker Julien Chapuis, Direktor der Skulpturensammlung. Beide berufen sich auf Wilhelm von Bode, der das heute nach ihm benannte Museum bei seiner Gründung 1904 mit einem Patchwork aus Gemälden, Altären, Bronzen, Terrakotten, Marmorbüsten und -reliefs und Mobiliar vor allem aus der italienischen Renaissance bestückt hatte, bevor seine dekorativen Epochensäle in den zwanziger und dreißiger Jahren aufgelöst wurden.

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