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Berliner Flughafen Das Schweigen

 ·  Das Berliner Flughafen-Debakel zieht auch den Architekten Meinhard von Gerkan in Mitleidenschaft. Doch wer erwartet hätte, dass seine Kollegen das Wort ergreifen, sieht sich getäuscht.

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Auf Baustellenbesuch, auf Geschäftsreise, in einer Besprechung, Sitzung, Konferenz: wer momentan einen unserer großen Architekten um eine Aussage zum Berliner Flughafen bitten will, rennt gegen eine elastisch harte Gummiwand des Schweigens. Dabei wären Worte von kompetenter Seite eine Erlösung. Denn die Betroffenen, vor allem die Politiker, sondern nur Ausflüchte, Platituden und Versprechen ab. Und die dienen nur einem Ziel: Verantwortung abzuwälzen.

So wie dies der CSU-Vorsitzenden Seehofer praktizierte, als er kürzlich auf die Frage, ob er mit seinem Parteigenossen Ramsauer zufrieden sei, der als Bundesverkehrsminister im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft sitzt, fröhlich mit „Ja“ antwortete, wobei er nachschob, verantwortlich für die Misere seien Berlin und Brandenburg, die im Aufsichtsratsvorsitz säßen.

Kein Wort der Architekten

Nicht minder wortgewandt wichen am vergangenen Sonntag in Günther Jauchs Talk Politiker den wahren Problemen aus - und schwiegen, als der einzige Sachverständige in der Runde, der Ingenieur und Projektmanager Klaus Grewe, zuletzt Koordinator der Olympischen Spiele in London, das hiesige Planungsrecht erwähnte, dessen Paragraphenlabyrinth mittlerweile Großprojekte zur unendlichen Geschichte macht.

Was könnten Architekten, die in jüngster Zeit Flughäfen, Bahnhöfe oder Stadien gebaut haben, nicht alles erzählen über diese Verordnungsseuche, aber auch über dilettantische Bauherren, gierige und stümpernde Baukonzerne, über die Allmacht von Profitzwang und die Ohnmacht desjenigen, der funktional und ästhetisch gestalten will.

Zu erzählen gäbe es viel

Doch die Architekten lassen ihren Kollegen Meinhard von Gerkan ebenso im Regen stehen wie den Steuerzahler, der Aufklärung braucht. Wo Politiker mit Worten mauern, mauern sie mit Schweigen. Von Gerkan - der aus juristischen Gründen derzeit nur seine Anwälte reden lässt - klagt über eingreifende, auf Zusatzeinnahmen erpichte Änderungswünsche und haarsträubende Täuschungsmanöver der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg.

Dass er wohl den meisten der Wünsche nachgekommen ist, hat denselben Grund wie nun die Stummheit seiner Kollegen: Welcher Architekt, und sei er längst ein Weltstar, will schon einen Millionenauftrag verlieren, respektive sich die Aussicht auf einen solchen mit Kritik verbauen? Und so heißt es für die Zunft: Mund zu und durch. Das nächste Debakel ist damit schon programmiert.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)

16.01.2013, 14:30 Uhr

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Von Andreas Platthaus

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