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Die Preise der Berlinale 2013 Der Bär geht nach Rumänien

 ·  Am Ende einer sehr mäßigen Berlinale überraschte die Jury mit dem Preis für Calin Peter Netzers „Child’s Pose“. Die deutschen Beiträge gingen erwartungsgemäß leer aus.

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© AFP Vergrößern Der rumänische Regisseur Calin Peter Netzer bekommt den Goldenen Bären für seinen Film „Child’s Pose“

Viel spannender hätte es kaum werden können am Ende dieser 63. Berlinale. Im Grunde hatte kein einziger der neunzehn Wettbewerbsfilme sich unabweisbar und nachdrücklich für den Hauptpreis empfohlen, sodass der Goldene Bär für den rumänischen Beitrag „Child’s Pose“ von Calin Peter Netzer eine ganz besondere Überraschung darstellte. Die Geschichte aus der rumänischen Oberschicht ist kühl, solide und unspektakulär erzählt, auch wenn sie von der fast monströsen Mutterliebe handelt, mit der eine Frau ihren erwachsenen Sohn erdrückt, während sie alles tut, um ihn nach einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang vor dem Gefängnis zu bewahren. Als Favoriten hatte kaum ein Festivalbesucher diesen Film auf dem Zettel.

Für den Liebling von Presse und Publikum, den chilenischen Film „Glorìa“ von Sebastián Lelio, gab es dagegen die erwartete Auszeichnung: Pauline García als abenteuerlustige und liebeshungrige Frau von Ende 50 erhielt den silbernen Bären für die beste Darstellerin – und das war völlig verdient. Als bester Hauptdarsteller wurde Nazif Mujic geehrt – der Mann, der sich selber spielt, in Danis Tanovics Film „An Episode in the Life of an Iron Picker“. Tanovic erzählt die wahre Geschichte einer Roma-Familie in Bosnien. Der Frau wird nach einer Fehlgeburt die erforderliche Operation verweigert, weil sie nicht krankenversichert ist. Tanovics naturalistischer, mit Laiendarstellern besetzter Film gewann zugleich den Großen Preis der Jury – was dann vielleicht doch ein wenig zu viel des Guten war.

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© dpa Vergrößern Die Schauspielerin Luminita Gheorghiu im Siegerfilm „Child’s Pose“ des rumänischen Regisseurs Calin Peter Netzer.

Ein Gespenst in seinem eigenen Werk

Schon eher hatte man erwartet, dass Jafar Panahis „Pardé“ mehr bekommen würde als einen Bären für das beste Drehbuch. Panahi, den das Regime in Teheran bekanntlich mit einem langjährigen Berufs- und Reiseverbot belegt hat, und sein Ko-Regisseur und Ko-Autor Kamboziya Partovi haben eher einen Kassiber als einen kompletten Film gemacht. Da sind nicht viel mehr als ein Mann, ein Hund und eine Villa am Meer, in welcher der Mann sich abschottet. Irgendwann taucht Panahi selber auf, wie ein Gespenst in seinem eigenen Werk. Die bloße Präsenz dieses Films in Berlin jedoch war ein Politikum und ein Zeichen der Unbeugsamkeit. Nachdem 2011 ein USB-Stick, der Panahis Dokumentation „Dies ist kein Film“ enthielt, in einem Kuchen aus dem Iran geschmuggelt worden war, blieb diesmal verständlicherweise im Dunkeln, wie „Pardé“ nach Berlin gekommen war.

Eine ziemliche Überraschung war es, dass der Amerikaner David Gordon Green für „Prince Avalanche“ einen Regiepreis erhielt. Die Story von zwei Straßenarbeitern, die in der texanischer Einöde unermüdlich gelbe Mittelstreifen ziehen, wirkte fast so einfältig wie die Protagonisten selber. Erfreulich dagegen, dass der Alfred-Bauer-Preis (voller Titel: „für einen Film, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet“) an den frankokanadischen Beitrag „Vic et Flo ont vu un ours“ von Denis Coté ging, dessen leicht bizarre Geschichte einer lesbischen Liebe in zwei Bärenfallen in den Wäldern Quebec endet.

Erwartungsgemäß keine Bären für deutsche Beiträge

Ein weiterer silberner Bär wurden vergeben für die Kameraarbeit von Aziz Zhambakiyev in dem kasachischen Beitrag „Harmony Lessons“. Der goldene Bär für den besten Kurzfilm ging an „La Fugue“ von Jean-Bernard Marlin, der silberne an den Deutschen Stefan Kriekhaus für „Die Ruhe bleibt“. Und als bestes Debüt schließlich wurde „The Rocket“ von Kim Mordaunt ausgezeichnet, der in der Programmsektion „Generation Kplus“ gezeigt wurde.  Die beiden deutschen Wettbewerbsbeiträge, „Gold“ von Thomas Arslan“ und „Layla Fourie“ von Pia Marais, gingen leer aus – was völlig den Erwartungen entsprach.

Mit der Preisverleihung im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz gingen die 63. Internationalen Filmfestspiele gestern Abend zu Ende. Ein großer Jahrgang war es nicht gerade, und die Jury unter ihrem Präsidenten Wong Kar Wei dürfte es nicht so leicht gehabt haben, Konsens über einen vorzeigbaren Kandidaten zu erzielen. Zu mittelmäßig, zu wenig ambitioniert und risikofreudig wie schon im Vorjahr präsentierten sich die meisten Filme im Wettbewerb. Was dann auch schon wieder ärgerlich ist, weil bereits im Vorfeld des Festivals bemängelt worden war, dass die Berlinale im Vergleich zu Cannes und Venedig sehr viel weniger Welturaufführungen zeige und sich zu oft mit „Zweitauswertungen“ zufrieden gebe.

Insofern war diese 63. Berlinale ein Festival des Stillstands. Aber weil auch die Berlinale nun mal größer ist als ihr Wettbewerb, weil es bei insgesamt mehr als vierhundert Filmen dann doch eine breite Auswahl gibt, blieb der Nimbus als Publikumsfestival auch 2013 ungebrochen: Rund 300.000 Tickets wurden verkauft.

Die Preisträger der 63. Berlinale

Goldener Bär: „Child’s Pose von Calin Peter Netzer

Silberner Bär für die beste Darstellerin: Pauline Garcia in „Glorìa“

für den besten Darsteller: Nazif Mujic in „An Episode in the Life of an Iron Picker“

für die beste Regie: David Gordon Green für „Prince Avalanche“

für eine herausragende künstlerische Leistung: die Kameraarbeit von Aziz Zhambakiyev in „Harmony Lessons“

für das beste Drehbuch: Jafar Panahi und Kamoziya Partovi für „Pardé“

Großer Preis der Jury: „An Episode in the Life of an Iron Picker“ von Danis Tanovic

Bester Erstlingsfilm: „The Rocket“ von Kim Mordaunt (in der Sektion Generation Kplus)

Alfred-Bauer-Preis: „Vic et Flo ont vu un ours“ von Denis Coté

Goldener Bär für den besten Kurzfilm: „La Fugue“ von Jean-Bernard Marlin

Silberner Bär: „Die Ruhe bleibt“ von Stefan Kriekhaus

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