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Die Preise der Berlinale 2013 Der Bär geht nach Rumänien

 ·  Am Ende einer sehr mäßigen Berlinale überraschte die Jury mit dem Preis für Calin Peter Netzers „Child’s Pose“. Die deutschen Beiträge gingen erwartungsgemäß leer aus.

Artikel Bilder (15) Lesermeinungen (7)
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Christian Conrad

muss herrn körte widersprechen

ganz im gegensatz zum autor des artikels, peter körte, fand ich den siegerfilm von seinem inhalt, seiner erzähltiefe und vielschichtigkeit, seiner machart und seinen schauspielern so herausragend, dass ich den ersten preis für absolut berechtigt empfinde. wie er in mutig hässlichen bildern, ohne einen einzigen establishing shoit, der handkamera komplett treu, am lebenden objekt und an der oberfläche zunächst die rumänischen gesellschaft seziert um dann unter der haut zum zutiefst menschlichen schmerz der entfremdung zwischen mitmenschen in einem verknüpften schicksal und eben zwischen mutter und sohn zu gelangen. dies geschieht neben den bereits beschriebenen bildgestalterischen mitteln auch durch mehreren zwei-drei-personen-dialog szenen, die ich in solcher länge und schauspielerischern tiefe - so durchdrungen von "wahrheit" - selten gesehen habe, Dazu keine Musik, ein toller spröder Ton, alles in allem ein Meisterwerk....

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Anton Kettenruettler

Der Bär geht an die Richtigen

wohl nur wenige Kinobesucher wollen das wissen

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Wirklich hardcore

Zugegeben, ich bin kein Cineast, meine kulturelle Welt ist eher buchlastig. Aber ich will mich auf dem laufenden halten und lese heute also die Artikel zur Berlinale in der FAZ.
Da klagt Frau Lueken, dass von den amerikanischen Filmen nur die dritte Qualitätsstufe nach Berlin geschickt werde, dass es dem Festival insgesamt an der durchschlagenden Idee fehle. Und jetzt lese ich, dass ein Film über das üble Schicksal von Roma in Bosnien, der mit Laiendarstellern (!) gedreht wurde, den Großen Preis der Jury bekommt.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich kenne den Film nicht, und er ist sicher sehr beeindruckend. Aber so als Laie denke ich doch, das ist wirklich hardcore, da kann der übelste Splattermovie nicht mithalten. Das kann man außerhalb der selbstreferentiellen Filmszene wahrscheinlich niemandem zeigen. Könnte vielleicht sein, dass in dieser Form der Publikumsbeschimpfung auch ein Problem liegt.
Dass dies den Amerikanern nicht vermittelbar ist, erstaunt mich übrigens nicht.

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Antworten (4) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 17.02.2013 11:47 Uhr
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Welt und Sprache

Eine Übersetzung wie "harter-Kern-Film" oder so ähnlich wäre doch ziemlich künstlich und eher verwirrend. Es sind eben Begriffe, die zu einer begrenzten und definierten Diskussion gehören, die eben in einem bestimmten Sprach- und Kulturbereich geprägt wurde und die daher wohl als Fremdworte zu akzeptieren sind. Keine Worte also, die man jetzt einfach mal englisch daherredet, in der Hoffnung, dadurch irgendwie moderner zu klingen.

"Ästhetik" haben wir ja auch aus dem Griechischen übernommen, es sagt eben doch etwas anderes als "Wahrnehmung" oder "Kunst". Daraus ließe sich bei Bedarf auch eine melancholische Kulturgeschichte herleiten: Von der Schönheit der griechischen Lyrik zur bewussten Hässlichkeit der amerikanischen Kulturindustrie.

Ihnen einen schönen (!) Sonntag.

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Zur Erläuterung

Frau Schweizer, verzeihen Sie meinen Gebrauch der Cineasten-Termini.
Die Begriffe stammen aus dem Bereich der Porno- bzw. Gewaltfilme. Sie bezeichnen dort die Darstellung von Sex oder Gewalt, bei denen auf Mittel künstlerischer Darstellung und vor allem auf einen Sinnverweis verzichtet wird, bei denen der rohe Akt für sich selbst steht. Ziel ist dabei ein Unterlaufen kultureller Orientierungsmuster und die Verstörung des Betrachters. Solche unkünstlerische und amoralische Kunst steht in der Nachfolge des Marquis de Sade, der diese Form zur Verdeutlichung einer materialistischen Weltinterpretation verwendete.

Gut oder schlecht, das kommt wie immer auf die Umsetzung an. In der industriellen Filmherstellung ist es häufig nur verbrämter Dilettantismus, weniger Resultat eines künstlerischen Prozesses.

Benutzt habe ich die Worte, um die m. E. bewusst abschreckende Ästhetik des genannten Films zu verdeutlichen, welche die Erwartungshaltung des durchschnittlichen Filmbesuchers attackiert.

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Anton Kettenruettler

Sehe ich auch so

die sollten mal nen Film auszeichnen, der die Deutschen fasziniert. zB wie fette deutsche Rentner und Witwen und Geschiedene das sexual Potential der ärmsten Regionen ausnutzen

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David Mechelhoff

Nicht gesehen, aber urteilen

Der Film ist nicht einfach von Laiendarstellern, sondern mit den Betroffenen einer unglaublichen Geschichte nachinszeniert worden. Das kann man vielen zumuten, weil es ein überaus interessanter, aber auch künstlerisch gelungener Einblick in das Leben von Menschen ist, die gerade mal ein paar hundert Kilometer von uns entfernt leben und von denen wir sonst nur sehr wenig mitbekommen. Sozusagen wirklich hardcore.

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16.02.2013, 19:55 Uhr

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