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Interview mit Wim Wenders : Viele Filme werden heute brutal gemacht

Hinter sich das klassische Kino, vor sich die Zukunft neuen Erzählens: Wim Wenders in Berlin Bild: Stefan Nimmesgern/laif

Restaurierungsprojekte, ein Ehren-Bär und ein Film für die Zukunft, Oscar-Nominierung und Retrospektive in New York: Wim Wenders ist der Mann der Stunde. Im Sommer wird er siebzig. Ein Gespräch.

          Wim Wenders ist der Mann der Stunde – auf der Berlinale bekommt er einen Ehren-Bären, verbunden mit der Wiederaufführung von sieben restaurierten Filmen, sein neuer Film läuft im Wettbewerb, sein jüngster Dokumentarfilm ist für den Oscar nominiert, im März folgt eine Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art. Seine Stiftung läuft auf Hochtouren. Und im Sommer wird er siebzig.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Sie sind mit den unterschiedlichen Ehrungen und Projekten auf gegenläufigen Zeitschienen unterwegs. Der neue Film, eine intime Geschichte in 3D, ist ganz in die Zukunft gerichtet, Werkschau und Stiftungsarbeit zielen auf die Vergangenheit. Wie bringen Sie das in einem Tag, in einer Person unter?

          Die Oscar-Nominierung war eine Wild Card, die kam obendrauf. Damit konnte niemand rechnen, als die Hommage geplant wurde. Und als wir uns an die Restaurierung einer bestimmten Anzahl von Filmen gemacht haben, wusste ich auch noch nicht, dass „Every Thing Will Be Fine“ zum Festival überhaupt fertig sein würde. Jetzt wird der Film fertig, und Dieter Kosslick hat uns die Möglichkeit gegeben, ihn im Wettbewerb außer Konkurrenz zu zeigen. (Im Wettbewerb kann er schließlich nicht laufen, wenn ich einen Ehren-Bären bekomme. Was soll denn da die Jury sagen?) Aber jetzt können wir dieses große Fest mit allem Drum und Dran feiern, mit Altem und mit Neuem. Und das alles ginge nicht, wenn ich nicht ein tolles Team um mich herum hätte.

          Und wie ist das mit dem Leben in zwei Zeitzonen, gestern und morgen?

          Bei der Berlinale Aufführung von „Pina“ 2011: Christian Wulff (links) und Angela Merkel (rechts) neben Wim Wenders und seiner Frau Donata
          Bei der Berlinale Aufführung von „Pina“ 2011: Christian Wulff (links) und Angela Merkel (rechts) neben Wim Wenders und seiner Frau Donata : Bild: Reuters

          Naja, die Restaurierung der alten Filme ist eigentlich ins Morgen gerichtet, denen wird ein Dasein in der Zukunft ermöglicht, und die Technik, die wir dazu benutzen, ist auch nicht von gestern. Nur die Filme sind teilweise mehr als vierzig Jahre alt. Und deren Leben ist nicht unbedingt deckungsgleich mit meinem. Da sind schon ein paar ganz eigene Gestalten dabei. „Alice in den Städten“ zum Beispiel, oder „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, auch „Der amerikanische Freund“ – ganz zu schweigen von „Paris, Texas“ oder dem „Himmel“ –, die haben alle inzwischen ein Eigenleben, und das zukunftsfähig zu machen, das ist keine ganz museale Aufgabe. Ich sehe die als Geschöpfe, die in ihrer neuen digitalen Form für die Zukunft gewappnet sind. Die kommen jetzt auch ohne mich klar. Der Ehren-Bär fürs Lebenswerk, das ist etwas Zurückgewandtes, die Restaurierung ist es für mich nicht. Ich bin froh, dass die Berlinale uns ermöglicht hat, beides zu zeigen, diesen Schritt in die Zukunft verbunden mit dem Blick zurück.

          Die Wim-Wenders-Stiftung hat vor einigen Jahren die Rechte an all Ihren Filmen erworben, und für die Werkschau in Berlin sind sieben Filme restauriert worden. Damit zum Beispiel „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ aber wieder im Kino gezeigt werden kann, musste nicht nur der Film restauriert, sondern mussten auch die Musikrechte erworben werden. Können Sie erklären, worum es dabei geht, und wie es funktioniert?

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