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Interview mit Wim Wenders : Viele Filme werden heute brutal gemacht

Es gab für diesen Film keine Einzelbänder mehr, nur noch das fertige Mischband, auf dem Dialog, Musik und Geräusche untrennbar zusammengeführt waren. Wir konnten das nicht mehr auseinanderklamüsern. Als ich den Film damals gemacht habe, ich war 26 oder so, hab ich gedacht: Wahnsinn! Ich kann einen Film machen, der läuft im Kino! (Ich habe damals auch nur ans Kino in Deutschland gedacht.) Und danach läuft er im Deutschen Fernsehen! Über die Gema konnte man alle Musikrechte fürs Fernsehen kriegen, und fürs Kino haben wir dann die Rechte nur für Deutschland gekauft, für ein paar Jahre. Wer hätte denn je gedacht, das danach noch was kommen würde! Oder dass der Film im Ausland laufen könnte! Also habe ich alles an Musik in den Film reingepackt, was ich mochte, von Van Morrison und Roy Orbison bis zu den Creedence Clearwater oder Elvis. Ein paar Jahre später gab es eine neue Auswertungsform, die hieß VHS. Dafür hatten wir die Rechte nicht. Home Video war eine völlig neue Sache! Die Rechte fürs Kino liefen dann auch aus, damit war der Film tot. Nur im deutschen Fernsehen durfte er theoretisch noch laufen. Aber das ist ja auch kein Leben für einen Kinofilm.

Sind Sie inzwischen an die Musikrechte gekommen?

Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve erhält von Wenders am 07.12.2013 in Berlin bei der Verleihung des 26. Europäischen Filmpreises die Auszeichnung in der Kategorie „Lebenswerk“.
Die französische Schauspielerin Catherine Deneuve erhält von Wenders am 07.12.2013 in Berlin bei der Verleihung des 26. Europäischen Filmpreises die Auszeichnung in der Kategorie „Lebenswerk“. : Bild: dpa

Wir haben jetzt, nicht zuletzt, weil es eine gemeinnützige Stiftung ist und niemand damit Geld verdienen wird, den einen oder anderen Song erwerben können. Und einige Leute haben uns sehr geholfen. Van Morrison zum Beispiel! Sein Song „Gloria“ war aus dem Film nicht herauszumischen, da lag zu viel Dialog drauf. Wenn Van Morrison nicht gesagt hätte, ich verstehe euer Problem, und ein paar Anrufe gemacht hätte, damit wir das Lied haben können, hätten wir diesen Film nicht wieder aufführen können. Mit Elvis hat das nicht geklappt, Elvis konnte man nicht mehr anrufen. „He has left the building.“

Was kostet denn ein Elvis-Song?

Astronomisch. Wir haben für den „Tormann“ dann ein Elvis-Sound-Alike aufgenommen, millisekundengenau nachkomponiert und draufgelegt auf den Elvis-Song, so dass man nichts merkt. Insgesamt 6 Songs haben wir so ersetzt. Vor ein paar Jahren noch wäre so was ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, unter einem Dialog die Musik einfach wegzulöschen und mit einer anderen zu ersetzen, auf ein und demselben Band. Das war große digitale Handwerkskunst! Und damit diese neuen Songs richtig klingen, haben wir sie alle mit analoger Röhrentechnik aus den Sechzigern in Mono aufgenommen. Da haben sich gestern und morgen echt die Hand gegeben, um in ihrem Bild zu bleiben.

Sie haben kürzlich gesagt, kaum jemand beherrsche heute noch die Filmsprache des klassischen Kinos, an dem auch Sie geschult sind. Und an der Ihre alten Filme geschult sind. Gleichzeitig arbeiten Sie in 3D, auf der Berlinale wird Ihr erster Spielfilm in dieser Technik gezeigt werden. Entsteht da eine neue Filmsprache? Gibt es Verbindungen zur alten?

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