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Berlinale-„Shooting Star“ Saskia Rosendahl Du darfst nicht weinen

 ·  In den Sommerferien 2011 spielte sie die Hauptrolle in ihrem ersten Film, vergangenes Jahr machte sie Abitur, jetzt ist sie der deutsche „Shooting Star“ der Berlinale: Eine Begegnung mit der Schauspielerin Saskia Rosendahl.

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Kein Zweifel, das ist sie. Obwohl sie viel zarter und zerbrechlicher wirkt, wie sie da am Tisch des Cafés „Einstein“ Unter den Linden sitzt, als in dem Film, mit dem sie bekannt wurde. Was sicher auch daran liegt, dass sie, anders als die Titelfigur in Cate Shortlands „Lore“, nicht mehr unterwegs ist von hier nach dort, auf keiner Odyssee durch die unbekannte deutsche Heimat, sondern angekommen im Ruhm, in der Aufmerksamkeit, die ihr durch ihre Rolle zuteil wurde. Lore, mit kerzengeradem Rücken und blonden Zöpfen, hat immer etwas Gehetztes, Übernächtigtes. Saskia Rosendahl dagegen wirkt entspannt, ausgeruht, und sie hat Zeit.

Saskia Rosendahl ist der deutsche „Shooting Star“ der diesjährigen Berlinale, eine von zehn Nachwuchsschauspielerinnen und -schauspielern, die eine Fachjury aus allen europäischen Ländern ausgewählt hat. Und sie ist neunzehn: eine junge Frau, die im vergangenen Sommer ihr Abitur gemacht hat, die in den Sommerferien des Jahres 2011 die Hauptrolle in einem australischen Film über Nazideutschland (und seither zwei weitere, kleinere Rollen) gespielt hat, eine Entscheidung, die das Drehbuch ihres Lebens von Grund auf umschrieb.

Denn jetzt ist Saskia Rosendahl ein öffentliches Gesicht, ein Gesicht, auf das Geschichten, Gesten, Gefühle projiziert werden, ein Neuzugang in einer Branche, die junge Talente vergöttert und die gealterten fallen lässt, wenn sie sich nicht gänzlich neu erfinden, eine Schauspielerin mit Zukunft.

Die Vergangenheit, das war eine bürgerliche Kindheit mit Ballettunterricht in Halle, dann Auftritte im Kinderballett der städtischen Bühnen und bei freien Theatern, schließlich die Aufnahme in eine Schauspieleragentur, die ersten Castings, die erste Nebenrolle. Schon als Kind, sagt Saskia Rosendahl, habe sie auf der Bühne das Gefühl gehabt, „dass ich da irgendwie hingehörte“. Dann kam „Lore“.

Diese seltsam brüchige Härte

In diesem Film, der die deutsche Geschichte des Frühjahrs 1945 aus unerwarteter Perspektive erzählt, aus dem Blickwinkel von drei Kindern, die sich von Süden nach Norden, von den Alpen bis an die Nordsee durch das zerbrochene Nazireich durchschlagen müssen - in diesem Film gelingt Saskia Rosendahl mit ihrer Figur etwas, das im Kino eigentlich eine Art Standard ist, aber dennoch selten wirklich glückt: Sie lässt sie reifen. Sie zeigt, wie aus Lore, dieser blonden, verwöhnten, im eisernen Glauben an die braune Ideologie erzogenen Göre ein leidgeprüfter Teenager wird, der keinem Erwachsenen mehr traut, dessen rassistischen Vorurteile sich in der Erfahrung des Begehrens auflösen und dessen Ich die zwölf Jahre des „Dritten Reiches“ hinter sich gelassen hat.

Und dabei strahlt Lores Gesicht immer diese seltsam brüchige Härte aus, in der die Erinnerung an ihre Zeit als BDM-Mädel aufbewahrt ist, ein trotziges Staunen, das sich erst angesichts des toten Bruders in Tränen auflöst. Am Ende zerstört Lore in einer Aufwallung die Porzellanfiguren, die das Inbild ihrer Kindheit sind. Es gibt Scherben, aber ihr Inneres bleibt heil.

Die Dialektik der Schauspielerei

Sie sei froh, sagt Saskia Rosendahl, dass diese Szene tatsächlich erst zum Schluss gedreht worden sei, denn sie habe einen gewissen Anlauf gebraucht, um in ihre Rolle hineinzukommen. Die zwei Wochen Probenzeit, die ihr die Australierin Cate Shortland gönnte, waren für deutsche Verhältnisse ein Luxus, aber irgendwann war es dann nicht mehr die Nachwuchsschauspielerin Rosendahl, die sich an die Regisseurin wandte, wenn sie Fragen zu ihrer Figur hatte, sondern umgekehrt Cate Shortland, die von ihr wissen wollte, wie sich Lore in einer bestimmten Situation verhalten würde. Am Anfang habe sie sich bei der Vorstellung gefürchtet, den Film „tragen“ zu müssen, sagt Saskia Rosendahl, aber dann seien die Dreharbeiten zu „einer Art Dauerlauf“ geworden, den sie mit dem Team zusammen absolvierte. Es ging, wie in der Geschichte, kreuz und quer durchs Land, „es waren die ersten Sommerferien, in denen ich durch Deutschland gereist bin. Bis dahin habe ich mit meinen Eltern immer Urlaub in Dänemark gemacht.“

Schon mit ihrer ersten großen Filmrolle hat Saskia Rosendahl das kennengelernt, was man die Dialektik der Schauspielerei nennen könnte. Einerseits habe sie sich beim Drehen immer gesagt, „das bin ja nicht ich. Wenn man das weiß, kommt man auch wieder raus aus der Rolle.“ Andererseits berichtet sie, wie sehr sie mit ihrer Rolle verschmolzen sei, wie sie eigene Erfahrungen und Emotionen darin zum Klingen gebracht habe. Deshalb sieht sie jetzt auch bei anderen Filmen im Kino viel genauer, was die Kollegen können und was nicht. Dieser professionelle Blick hat nicht nur Vorteile: „Manchmal wäre ich schon gern wieder ein bisschen naiv.“ Aber das ist jetzt vorbei.

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