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Eröffnungsfilm der Berlinale : Kinder und Hunde an die Macht!

Es ist Liebe: Szene aus „Isle of Dogs“ Bild: EPA

Wes Andersons Animationsfilm „Isle of Dogs“ ist eine Parabel auf eine Welt faschistischer Reinheits- und Exklusionsideen: wieder mal ein prima Auftaktfilm für die Berlinale.

          Niemand hat den Dreh raus, auch nach jahrelanger Erfahrung nicht. Der Eröffnungsfilm eines großen Festivals ist eine heikle Sache, Glückssache oft auch. Er darf auf keinen Fall zu lang oder zu langweilig sein, weil anschließend Party ist, er muss auch Leuten gefallen, die normalerweise nicht ins Kino gehen oder solche Filme gucken, wie sie ein Festival zeigt, er sollte anspruchsvoll, aber nicht zu schwierig sein, nicht zu sexy, nicht zu blutig, und noch viele andere Dinge, die gleichzeitig in nicht vielen Filmen zu haben sind. Deshalb laufen Eröffnungsfilme gern außer Konkurrenz, was in vielen Fällen bedeutet: Bitte schnell vergessen.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Nicht so in Berlin, wenn Wes Anderson einen neuen Film fertig hat. „Grand Budapest Hotel“ war 2014 ein fulminanter Auftakt des Festivals wie seines Wettbewerbs, weil er über die oben aufgezählten Merkmale hinaus auch noch ein wirklich origineller Film war, der den großen Preis der Jury, vier Oscars und einen Golden Globe gewann. Jetzt eröffnete Andersons „Isle of Dogs“ die Berlinale, und das gab dem Anfang vielerlei: zum ersten Mal einen Animationsfilm als Programm- und Wettbewerbsbeginn, Tradition und Treue gegenüber einem exzentrischen Filmemacher, einen Haufen herrlicher Schauspieler auf dem roten Teppich, die den Figuren ihre Stimmen liehen, und gute Laune im Publikum. Die Welt als Terrarium, vor bösen breitschultrigen Männern gerettet von einem kleinen Jungen und seinem Hund – wer wollte so hartherzig sein, sich davon weder rühren noch belustigen noch auch ein wenig belehren zu lassen, noch dazu, wenn der Filmemacher behauptet, der große Akira Kurosawa habe ihn beeinflusst?

          Ja, es war rührend und lustig auch. Aber mit Kindern und Hunden ist es wie mit wenig anderem im Kino: Es gibt Leute, die sie dort prinzipiell nicht mögen. Nicht als Filmfiguren, in echt nicht und nicht animiert. Natürlich können sämtliche Probleme der Welt auch unter Hunden und Kindern spielen, die Welt (wenn auch nicht die Probleme) wird dadurch konkreter und also übersichtlicher, weil sichtbarer. Hier ist die Welt Japan in naher Zukunft inmitten einer Hundekrise und erfasst von einer Anti-Hunde-Massenhysterie.

          Die Welt im Kleinen ist sowieso die Lieblingswelt von Anderson, der sie mit verblüffenden Details ausstattet wie den Zentrifugen und den vielen bunten Flaschen im Labor, die nicht zerschmettert, sondern inklusive Serum und Lochkarte wieder ausgespuckt werden: dem Serum nämlich, das die räudige Hundegrippe heilen könnte, die den mächtigen Kabayashis als Vorwand dient, ihren jahrtausendealten Krieg gegen die Spezies Hund in ihrem Sinn zu entscheiden. Und auch die Müllinsel, auf der die Hunde sämtlich landen und dort von sauberen Schoß- und Hütehunden zu verzeckten, abgemagerten Kreaturen werden, die sich nach ihren Herrchen sehnen (alle bis auf einen) – da sehen wir noch die Sakeflaschen im gepressten Abfallpaket, und wenn die hungrigen Hunde aufeinander oder auf die zu ihrer Terminierung angelandeten Hunderoboter losgehen, verspinnen sie sich in kürzester Zeit zu einem Knäuel aus in der Luft scharrenden Füßen und Dreckstaub und fliegenden Haaren, dass es eine Freude ist. Am schönsten ist natürlich die Prinzessin unter den Hunden, die sich aus dem Kampf raushält und deshalb am Ende immer noch in so leuchtendem Fell ihre Kunststücke vollführt wie am Anfang. Ist es da ein Wunder, dass Scarlett Johanson ihr ihre Stimme leiht? Eine selbstbewusste Stimme, die ihre Verehrer auf Abstand hält oder verführt, je nachdem.

          „Isle of Dogs“ ist also wieder mal ein prima Auftaktfilm für die Berlinale. Als Parabel auf eine Welt faschistischer Reinheits- und Exklusionsideen ist er nicht schwer zu verstehen und als handwerklich liebevoll gemachter Stop-Motion-Film, in dem die Hunde Rex, Chief oder Nutmeg heißen, ein Film für die ganze Familie. Falls die Familie Kinder und Hunde mag.

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