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Berlinale Aufbrüche mit reichlich Leben im Gepäck

Starke Frauen in Berlin: „Gold“ mit einer statuarischen Nina Hoss reiht sich noch ins Mittelmaß des Wettbewerbs ein, „Vic + Flo ont vu un ours“ und „Gloria“ geben aber Hoffnung.

Bevor das Filmfestival losging, hieß es, wir würden vielen Frauen begegnen in Berlin, Frauen, deren Rollen die Filme tragen, Regisseurinnen, die sie drehen. Als Regisseurin hatte im Wettbewerb die Polin Malgoska Szumowska mit ihrem Film über den Kampf eines schwulen Priesters mit sich selbst den Anfang gemacht („W Imie“), am Wochenende war es im Wettbewerb dann auch für die Frauenrollen so weit. In „Gold“ von Thomas Arslan, dem ersten der beiden deutschen Konkurrenten um einen Bären, hielt Nina Hoss mit ihrer statuarischen Erscheinung unser Interesse fast für die gesamte Filmlänge, in „Gloria“ von Sebastián Lelio gehört der Frau schon der Titel - wie auch den beiden ehemaligen Strafgefangenen in „Vic + Flo ont vu un ours“ (Vic und Flo haben einen Bären gesehen) von Denis Côté, in dem die zwei Außenseiterinnen unter Beobachtung eines Bewährungshelfers in den Wäldern Kanadas ihrem blutigen Schicksal entgegengehen. Wobei das Schicksal eine dritte Frau ist, deren Grausamkeit eine der Überraschungen des Films ist.

Verena Lueken Folgen:    

Fangen wir mit „Gold“ an, einem Western. Der Film spielt in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts im Nordwesten Kanadas. Dort trifft sich eine Gruppe deutscher Auswanderer aus anderen Teilen Nordamerikas; Nina Hoss etwa, die hier Emily heißt, ist aus Chicago gekommen. Mit einem Planwagen, Packpferden und, wie es zunächst scheint, gut ausgerüstet bricht die Gruppe nach Dawson auf, wo riesige Goldfelder auf sie und andere Glückssucher warten sollen. Im Folgenden geschieht, was auf solchen Trecks im Kino immer geschieht, ein Rad bricht, der Anführer verliert die Orientierung und will sich mit dem Geld aus dem Staub machen, ein Pferd rutscht aus und mit seinem Reiter eine Böschung hinab, es gibt Verletzte, Tote, böse Verfolger.

Es bleibt nur Nina Hoss

Das alles ist aber so gefilmt, dass wir vor allem die Anstrengungen sehen, die es für diese Stadtmenschen bedeutet, in ihren Jacketts oder einer mit kleinen Knöpfen bis unters Kinn eng zusammengehaltenen Jacke im Fall von Nina Hoss tagelang, wochenlang auf dem Pferd zu sitzen und durch die Wildnis zu reiten. Die Dinge, die wir erwarten, lässt Arslan geschehen, ohne Spannung aufzubauen, und dann gehen die Reise, die Strapazen weiter, mit dezimierter Teilnehmerzahl.

Wenn man aufgehört hat, sich zu wundern, dass sich ein deutscher Regisseur, noch dazu einer, der aus Berlin kommt, so weit weg bewegt von zu Hause, beginnt man nachzudenken, aus welcher Perspektive er diese Geschichte erzählt. Es ist nicht die Perspektive der Indianer (von denen ab und zu mal einer auftaucht, die Hand aufhält und den Weg weist), die vermutlich aus den Weiten des wegelosen Landes beobachten, wie dieser seltsame Trupp sich durchschlägt. Es ist vielmehr der interesselose Blick der Landschaft selbst, den Arslan einnimmt. Und das ist schon ein Problem.

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Von Tobias Kreutzer

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