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Berlinale 2013 Erfolg oder Desaster?

 ·  Ein großer Erfolg beim Publikum, aber nur ein bestenfalls drittklassiger Wettbewerb: Die Bilanz der 63. Berlinale muss zwiespältig ausfallen. Es wird Zeit, einmal ganz neu nachzudenken.

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© dpa Vergrößern

Wenn die Berlinale heute Abend zu Ende geht und das abschließende Urteil über das diesjährige Filmfestival gefällt wird, werden sich wieder zwei Lager gegenüberstehen. Die einen werden sagen: Das Festival war ein riesiger Erfolg. Etwa dreihunderttausend Eintrittskarten wurden verkauft, ganz Berlin war zehn Tage lang im Kinorausch, 3700 Medienvertreter aus mehr als achtzig Ländern berichteten über die Berlinale und Berlin und die Stars, die nicht aufhören, ihre Liebe zu dieser Stadt und diesem Festival zu besingen. Eine tolle Bilanz! Die anderen werden sagen: Die Berlinale war ein Desaster. Das gute letzte Jahr war die Ausnahme. Das Festival muss sich neu orientieren.

Die Wahrheit liegt nicht in der Mitte. Als Publikumsfestival sind die Berliner Filmfestspiele ein enormer Hit. Dieter Kosslick, der Festivaldirektor, verbreitet auch in seinem zwölften Jahr in dieser Rolle unverdrossen gute Laune, und wenn der Wettbewerb wieder einmal hinter allen Erwartungen und Hoffnungen zurückblieb, gab es für den interessierten Zuschauer immer noch zweihundert andere, teilweise bessere Filme im Programm, die er sich anschauen konnte - wenn er eine Karte bekam. Zweihundert weitere liefen im Markt für das Fachpublikum.

Auf dem 3. Platz bequem gemacht

Der Wettbewerb aber ist nun einmal das Schaufenster eines Filmfestivals, und dass dort unter neunzehn Filmen kein einziger war, der bei seinem Kinostart auch nur in Deutschland Aufsehen erregen wird, von internationaler Ausstrahlung zu schweigen, das ist schon ein schwaches Bild. Im Wettrennen um die eigene Bedeutung mit den anderen großen europäischen Festivals, mit Cannes und Venedig, hat es sich die Berlinale auf dem dritten Platz bequem gemacht.

Zum Erfolg eines Festivals gehört nämlich auch, dass dort Filme zum ersten Mal auf die Leinwand kommen, die anschließend bei Kritik, Publikum und möglicherweise auch bei der American Academy of Motion Picture Arts and Sciences, welche die Oscars verleiht, ein Nachleben haben. Der Gewinner von Cannes im Jahr 2011, „The Artist“, war der große Sieger bei der Oscarverleihung im letzten Jahr, der Cannes-Sieger 2012, Michael Hanekes „Liebe“, hat in diesem Jahr gute Chancen auf mindestens einen Oscargewinn. Dorthin wird es keiner der Berlinale-Filme schaffen.

Im Wettbewerb um die Bären stand kein einziger amerikanischer Film, der in Berlin seine Weltpremiere erlebt hätte, aber vier schwache bis katastrophal schlechte Filme aus den Vereinigten Staaten, die entweder bereits in den amerikanischen Kinos zu sehen sind oder beim Filmfestival in Sundance vor einigen Wochen Premiere hatten. Kurz vor der Oscar-Verleihung, so heißt es dann immer, kommen die amerikanischen Stars ungern nach Berlin, weil in Hollywood so viel los ist, und die Stars braucht das Festival eben auch, um nicht in den Ruf einer Provinzveranstaltung zu kommen.

Geht es nicht auch anders?

Also lieber nicht ganz frische Ware mit fotogenen Akteuren, die sich kurz von ihren Verpflichtungen zu Hause für den roten Teppich in Berlin frei machen, als gar keine Galas. Oder es heißt, wichtige Filme seien nicht rechtzeitig fertig geworden, man müsse nehmen, was eben da sei - das sind seit Jahren die Erklärungen, warum der Berliner Wettbewerb so ist, wie er ist.

Wahrscheinlich stimmt das alles. Aber dann ist es an der Zeit, zu fragen, ob es nicht auch anders geht. Wäre ein anderes Datum denkbar? Können Filme, in denen viel deutsches Geld steckt, auf eine Premiere bei der Berlinale verpflichtet werden? Ist das Festival überhaupt in der Position, einen gewissen Druck auszuüben, ohne sich selbst zu schaden? Oder sollte sich der Wettbewerb ganz auf den unabhängigen Film etwa aus Osteuropa und Asien konzentrieren, wo Entdeckungen möglich sind, und die pompösen Galaveranstaltungen als Special Events aus dem Programm herauslösen?

Denn ärgerlich sind ja nicht die kleinen Filme, die nicht ganz gelungen sind, sondern die teuren mit den großen Namen in der Stabliste, die sich auf der Skala zwischen belanglos und grässlich bewegen.

Es gibt seit langem das Gerücht, das Filmfestival in Cannes habe ein „First Look“-Recht auf Filme, in denen viel französisches Geld stecke. Daran schließt sich die Frage an, ob eine solche Regelung nicht auch für die Berlinale möglich wäre - dass mit vorwiegend deutschem Geld finanzierte Filme, wenn die Berlinale das will, auch dort ihre Weltpremiere erleben müssen.

Doch an diesem Gedankenspiel stimmt gar nichts. Bei der französischen Filmförderung gibt es keine solche Richtlinie, und sie wäre auch überflüssig, weil jeder sowieso nach Cannes will. Das viele deutsche Geld, das in internationalen Produktionen steckt, reicht meistens nicht für eine Mehrheitsbeteiligung, die wohl die Voraussetzung wäre, damit eine solche Regelung, wäre sie politisch überhaupt durchsetzbar, greifen könnte.

Und Produzenten nehmen zwar gern das Geld, lassen sich aber weniger gern reinreden, was sie mit ihrem Film machen, wo und wann er Premiere hat. Für die Berlinale heißt das entweder: Weiter so! Oder: Endlich einmal ganz neu nachdenken.

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