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Berlinale : Viel passiert: Wim Wenders' BAP-Film

  • -Aktualisiert am

"Kein Film für Fans" - Wim Wenders spricht in einem Beitrag des F.A.Z. Business-Radio Bild: dpa

Wim Wenders präsentiert auf der Berlinale seine Dokumentation über einen Brocken deutsches Rock-Urgestein.

          Niemand hätte erwartet, dass Wim Wenders' Musikdokumentation „Buena Vista Social Club“ ein derart durchschlagender Erfolg würde. Am wenigsten der Regisseur selbst. Seit seinem Porträt alter kubanischer Musiker, mit dem Wenders deren Karrieren ganz spät noch einmal gewaltig ankurbelte, ist der deutsche Regisseur auf Musikfilme abonniert.

          Die Toten Hosen haben ihn für ein Video verpflichtet, für Afri-Cola drehte er einen Werbespot, der auch der Ausschnitt eines Videos auf Viva oder MTV sein könnte. BAP nun ist nach den Toten Hosen ein weiteres Stück deutsches Rock-Urgestein, dem Wenders sein Auge, seine Kamera und seinen guten Namen leiht. „Viel passiert - Der BAP Film“, der in den letzten zwei Jahren entstand, blickt auf die Combo um Wolfgang Niedecken, die seit über 20 Jahren mit Kontinuität deutsche Konzertsäle füllt und Alben veröffentlicht.

          Erste Fremdsprache: Hochdeutsch

          Erdacht wird die Musik immer noch zu 95 Prozent von Niedecken, und so beginnt „Der BAP Film“ auch mit dem Meister selbst. Im dunklen Mantel schlurft Niedecken mit hängenden Schultern und eigentlich grundlos betrübter Miene durch nächtliche, winterliche Straßen in ein altes Kino. Dort nimmt er auf dem Rang Platz und lauscht Wolf Biermann. Der alte Liedermacher spielt auf der Bühne - das tat er schon 1976, als er für Niedecken die Initialzündung für BAP lieferte.

          Joachim Krol und Marie Bäumer in Wim Wenders' BAP-Film
          Joachim Krol und Marie Bäumer in Wim Wenders' BAP-Film : Bild: Internationale Filmfestspiele Berlin

          „Biermann sprach Klartext“, resümiert Niedecken aus dem Off, „und das in Verbindung mit Rockmusik, das wär's doch“. Und das war es dann auch, was BAP an Originalität brauchten, um aus dem Dunst deutscher Bands klar hervorzustechen. Wenders überliefert das konsequenter und obligatorischer Weise mit unterschiedlichen BAP-Songs. Die spielt die Band auf der Bühne des Lichtspielhauses mal mit, mal ohne Publikum. Zum besseren Verständnis der Kölschen Mundart hat Wenders die Musik hochdeutsch untertiteln lassen. Hochdeutsch, so Niedecken, wird für den BAP-Frontmann wohl immer seine erste Fremdsprache bleiben.

          Fremdkörper: Böll

          Fast als Rechtfertigung erscheint ein Gespräch von Niedecken mit Heinrich Böll, der BAP dann eine lange Köln eigene Widerstandstradition beweisen will. Böll bleibt außerdem der einzige im Film, der sich zu der Band neben Niedecken äußern darf - eine Szene, deren Bedeutung für „Viel passiert“ nicht direkt erkennbar ist, die vielmehr wie das Bemühen um die Konturierung einer intellektuellen Ebene im Leben des Rockstars anmutet. Viel interessanter und glaubwürdiger sind die Off-Kommentare Wolfgang Niedeckens selbst. Er erzählt von seinen Einflüssen durch die Rolling Stones, wie Songs entstanden, was es bedeutete, eines der größten Konzerte gegen Rechtsextremismus auf die Beine zu stellen.

          Erzählte und gesungene Geschichte

          Wenders belegt jede Einstellung mit einem Schleier, taucht jedes Bilder bedeutungsschwer in verklärende, Nostalgie beschwörende Farben. Die Rahmenhandlung, getragen von Joachim Krol und Marie Bäumer, ist nett, aber völlig überflüssig. Wichtiger ist, dass Wenders erfolgreich die Vielseitigkeit der Musik der Kölner erfahrbar macht, womit auch Nichtkenner der Band etwas Neues erleben werden.

          Etwas merkwürdig dagegen, dass nur ein einziger ostdeutscher BAP-Fan im Film zu Wort kommt. Das übliche Klischee eines Konzertfilms wird vermieden, vielmehr erzählt Wenders ein Stück Geschichte, wie auch Niedecken mit jedem Song ein Stück Geschichte erzählt. Und das ist im Vergleich zu anderen Musikdokumentationen erfrischend, auf seine ganz eigene Art hintergründig und vor allem visuell und akustisch aufregend.

          Quelle: @kue

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