16.02.2008 · Der brasilianische Film „Tropa de Elite“ von José Padilha hat bei der Preisverleihung der 58. Internationalen Filmfestspiele von Berlin die höchste Auszeichnung erhalten. Silberne Bären für die besten Schauspieler gingen an Sally Hawkins für „Happy-Go-Lucky“ und Reza Najie für „The Song of Sparrows“.
Bei der Preisverleihung der 58. Internationalen Filmfestspiele von Berlin hat ein Film aus Brasilien am Samstagabend die höchste Auszeichnung erhalten. „Tropa de Elite“ von José Padilha gewann den Goldenen Bären für den besten Film. In seinem kontrovers diskutierten Spielfilmdebüt erzählt der Regisseur vom brutalen Kampf einer Spezial-Einheit der Militärpolizei gegen die Drogenmafia in den Elendsvierteln von Rio de Janeiro.
Der Silberne Berlinale-Bär für die beste Darstellerin geht an die britische Schauspielerin Sally Hawkins. Sie wurde für die Rolle in Mike Leighs Komödie „Happy-Go-Lucky“ ausgezeichnet. In dem Film spielt die 31-Jährige die Londoner Lehrerin Poppy, die mit Leichtigkeit und scheinbarer Unbeschwertheit ihren Alltag meistert.
Beste Regie in „There will be blood“
Als bester Darsteller wurde auf der 58. Berlinale Reza Najie ausgezeichnet. Najie spielte die Hauptrolle in dem iranischen Film „Avaze Gonjeshk-Ha“ (The Song of Sparrows) von Regisseur Majid Majidi. Das Werk dreht sich um das Leben einer iranischen Familie auf dem Lande.
Der Silberne Bär für das beste Drehbuch ging an den chinesischen Autor und Regisseur Wang Xiaoshuai für das Drama „Zou You“ (In Love We Trust). Das Kind eines geschiedenen und mit anderen Partnern wiederverheirateten Ehepaares erkrankt an Leukämie und könnte nur durch ein weiteres neues Kind der beiden gerettet werden.
Der Silberne Bär für die beste Regie ging an den Amerikaner Paul Thomas Anderson („Magnolia“). Er wurde für sein für acht Oscars nominiertes und auch als Bären-Favorit gehandeltes Ölsucher-Drama „There Will Be Blood“ ausgezeichnet.
Der Große Preis der Jury wurde an den amerikanischen Oscar-Preisträger Errol Morris („The Fog Of War“) verliehen. Er wurde für seinen Dokumentarfilm „Standard Operating Procedure“ über die Menschenrechtsverletzungen in dem früheren amerikanischen Gefängnis Abu Ghoreib bei Bagdad geehrt. Es war der erste Dokumentarfilm, der je im Berlinale-Wettbewerb gezeigt wurde.
Rund 430.000 Kinobesuche wurden gezählt
Die Berlinale geht an diesem Sonntag mit dem „Kinotag“ zu Ende. Gezeigt werden ausgewählte Filme aus allen Festivalsektionen. Der einheitliche Preis für alle Vorstellungen beträgt sechs Euro pro Ticket. Zudem wird am Nachmittag der Friedensfilmpreis an die iranisch-französische Produktion „Buda Az Sharm Foru Rikht“ („Buddha zerfiel vor Scham“) und der Panorama-Publikumspreis an den israelischen Film „Lemon Tree“ von Eran Riklis verliehen.
Insgesamt liefen bei der diesjährigen Berlinale in den verschiedenen Sektionen 384 Filme aus 59 Produktionsländern. Neben den Rolling Stones und Popstar Madonna hatten Schauspieler wie Daniel Day-Lewis, Natalie Portman, Scarlett Johansson, Penelope Cruz und Ben Kingsley für Glamour gesorgt. Das Interesse an der diesjährigen Berlinale war nach Angaben der Veranstalter größer denn je: Mehr als 20.000 Akkreditierte aus 125 Ländern, darunter 4200 Journalisten, kamen zum Festival. Rund 430.000 Kinobesuche wurden gezählt, davon gingen rund 230.000 Tickets ans Publikum.
Die Preisträger der 58. Berlinale:
Goldener Bär für den besten Film: „Tropa De Elite“ (Brasilien) von José Padilha
Silberner Bär/Großer Preis der Jury: „Standard Operating Procedure“ (Vereinigte Staaten) von Errol Morris
Silberner Bär für die beste Regie: Paul Thomas Anderson für „There Will Be Blood“ (Vereinigte Staaten)
Silberner Bär für die beste Schauspielerin: Sally Hawkins in „Happy-Go-Lucky“ (Großbritannien) von Mike Leigh
Silberner Bär für den besten Schauspieler: Reza Najie in „The Song Of Sparrows“ (Iran) von Majid Majidi
Silberner Bär für das beste Drehbuch: Wang Xiaoshuai für „In Love We Trust“ (China)
Silberner Bär für die beste künstlerische Leistung: Jonny Greenwood, Filmmusik für „There Will Be Blood“
Alfred-Bauer-Preis für innovativen Film: „Lake Tahoe“ (Mexiko) von Fernando Eimbcke
Bester Erstlingsfilm (mit 50.000 Euro dotiert): Kumasaka Izuru für „Asyl - Park and Love Hotel Asyl“ (Japan)