15.02.2012 · Es gibt einen neuen Bernd Eichinger in der Kinobranche? Nicht ganz, aber hier schlägt jemand seine Richtung ein. Man darf servieren: ein mundgerechter Happen über die Produktionsfirma teamWorx.
Von Andreas KilbVielleicht hat sich noch nicht genügend herumgesprochen, dass auch Dieter Kosslick schon Preise gewonnen hat. Das Deutsche Weininstitut beispielsweise zeichnete ihn 2011 als „Weingourmet des Jahres“ aus. Auf einem Foto auf der Website des Instituts sieht man den Direktor der Berlinale mit der Weinkönigin Mandy Großgarten anstoßen. Ob in den Gläsern eine Oberbergener Bassgeige, ein Mauchener Sonnenstück oder ein Cuvée Mönch Berthold glänzt, wird zwar nicht mitgeteilt, aber man darf annehmen, dass der Mann, der gutes Essen und Trinken für ein Menschenrecht hält, seinen Gourmetwein sorgfältig ausgesucht hat.
Anspruchsvoll war auch die Weinauswahl bei dem Abendessen, das die Produktionsfirma teamWorx im Edelrestaurant „Grill Royal“ für die „Young Talents“ auf der Berlinale veranstaltete. Über den CO2-Fußabdruck der argentinischen Steaks, die dazu gereicht wurden, möchte man mit dem Vegetarier und Umweltschützer Kosslick lieber nicht diskutieren, doch die Gästeliste konnte sich sehen lassen: Iris Berben, die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, war da, Bettina Reitz, die neue Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunks, die Schauspielerinnen Jessica Schwarz und Nora von Waldstetten, der Regisseur Philipp Stölzl und andere mehr.
Bevor aber gespeist wurde, gab es eine fünfzehnminütige Trailershow, in der aktuelle teamWorx-Produktionen vorgestellt wurden, und diese Viertelstunde war der eigentliche Clou des Abends. Nacheinander liefen Appetizer für die Verfilmung von Uwe Tellkamps „Turm“, eine gerade in Saarbrücken prämierte Transgender-Story, eine Dokufiktion über Murat Kurnaz, eine Liebesgeschichte an der deutschen Ostfront im Jahr 1941 („Unsere Väter, unsere Mütter“), eine Generationenkomödie („Drei Zimmer, Küche, Bad“) und eine biblisch-bayerische Groteske („Jesus loves you“). Das volle Menü sozusagen: alles, was im Fernsehen geht. Und im Kino? Dort auch.
Seit Bernd Eichinger im letzten Jahr gestorben ist, fragt man sich, wer ihm in der deutschen Kinobranche nachfolgen soll. Dabei wird übersehen, dass sein Nachfolger seit Jahren aktiv ist: Nico Hofmann, der Kopf von teamWorx, setzt im Fernsehen fort, was Eichinger im Kino begonnen hat. Eichinger hat deutsche Filme auf internationalem Niveau produziert. Hofmann produziert international exportfähiges deutsches Fernsehen. Diese Formatverkleinerung kann man bedauern. Aber sie ist im Augenblick das einzige Geschäftsmodell, das reibungslos funktioniert. Aufgepasst, Berlinale-Gourmets: Hier kommen das Brot und die Butter des deutschen Films.