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Berlinale: Die Gewinner Honig zieht den Bären an

04.02.2011 ·  Die Bären sind vergeben. Der Goldene ging an den türkischen Wettbewerbsbeitrag „Bal“, zu Deutsch „Honig“. Roman Polanski wurde für die beste Regie ausgezeichnet, der große Preis der Jury ging an „If I Want to Whistle, I Whistle“ von Florin Serban.

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Der türkische Wettbewerbsbeitrag „Bal“ von Semih Kaplanoglu ist der Gewinner des Goldenen Bären. Über diesen Film schrieb Andreas Kilb im Rahmen unserer Berichterstattung von der Berlinale:

„„Bal“, zu Deutsch „Honig“, erzählt von einer Imkerfamilie, die in einem Bergdorf in Nordostanatolien lebt, Vater, Mutter, Kind. Zu Beginn sieht man, wie der Vater auf der Suche nach einem Bienenstock einen Baum erklimmt, dann knickt ein Ast, und der Imker schwebt zwischen Leben und Tod. Am Schluss erfährt man, dass er abgestürzt und gestorben ist. Die Zeit dazwischen aber gehört seinem kleinen Sohn, der mit seinen siebenjährigen Augen neugierig und verstört auf diese ländliche Welt blickt, auf den Mond, der sich im Wassereimer spiegelt, die Seile und Messer in der Werkstatt des Vaters, das Moos auf den Steinen im Wald.

Das Kino, es ist wahr, hat eine angeborene Neigung zu Kindergeschichten, wahrscheinlich, weil es selbst noch so jung ist unter den Künsten. Und vielleicht machen es sich manche Filme auch zu einfach, wenn sie die Probleme der Welt aus der Perspektive kleiner Jungen und Mädchen betrachten. Aber das gilt nicht für „Bal“. Dieser Film will in Wahrheit nichts weiter, als eine abgelegene und verwunschene Landschaft zu zeigen, ihre Häuser, ihre Dorfschule, ihre Wälder, ihre Bewohner. Und weil seine Grundstimmung das Staunen ist, kann sein Held kein Erwachsener sein. Denn zum Glück des Schauens, wie es „Bal“ seinen Zuschauern gewährt, gehört der Zauber des Anfangs, des ersten Mals. Auch der Jäger war einmal ein Kind.“

Fremde Höflichkeitsrituale

Als beste Darstellerin wurde Shinobu Terajima für ihre Rolle in „Caterpillar“ mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Die besten Hauptdarsteller Grigory Dobrygin und Sergei Puskepalis spielen beide in dem Film „How I Ended this Summer“, für den auch noch der Kameramann Pavel Kostomarov einen Silbernen Bären für herausragende künstlerische Leistungen erhielt.

Der chinesische Eröffnungsfilm „Tuan Yuan“ von Wang Quan'an wurde für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

„In diesem Film“, berichtete Michael Althen für uns, „geht es um einen alten Chinesen, der nach fünfzig Jahren zum ersten Mal wieder aus Taiwan in seine Heimat Schanghai reisen darf und dort seiner Jugendliebe begegnet, die mittlerweile Großmutter ist. Davon unbeirrt will der Mann sie mit zurück nach Taiwan nehmen. Ihr Ehemann nimmt das erstaunlich sportlich, und überhaupt besteht die Spannung vor allem darin, den fremden Ritualen von Höflichkeit und Etikette auf die Spur zu kommen, die immer wieder in gemeinsame Essen münden. Da ist der Film in seiner Ruhe am stärksten, während ganz beiläufig der Einbruch der Moderne in die familiären Strukturen verhandelt wird.

Man könnte nun sagen, dass es fast schon wieder etwas Sympathisches hat, sich dem üblichen Renommiergehabe der Eröffnungsfilme zu verweigern, der ja auch anderswo häufig zu hochgezüchteten Erwartungen und bösen Enttäuschungen führt. Und obwohl „Tuan Yuan“ ganz sicher einer der besseren Eröffnungsfilme der letzten Jahre war, zeugt er für ein Festival dieser Größe eben auch davon, dass sich die Berlinale von allen Ambitionen verabschiedet hat, dieses Spiel mitzuspielen. Kosslick setzt vollends auf sein kulinarisches Kino.“

Trotzdem Polanski

Über „The Ghostwriter“, für den Roman Polanski einen Silbernen Bären für die beste Regie bekam, urteilte Verena Lueken auf unserer Berlinale-Seite: „Das Beste sind die Schaupätze. Das Wetter ist immer schlecht, die Winde peitschen über die Dünen, und das Strandhaus, in dem die Handlung in weiten Teilen spielt, ist ein eckiges Ding, das zwar rundherum Aussicht aufs graue Meer und menschenleere riesige Strände bietet, aber den Charme eines Hochsicherheittrakts ausstrahlt. Darin lebt Adam mit seiner Frau Ruth (Olivia Williams), seiner Assistentin Amelia (Kim Cattrall), einem seltsamen asiatischen Paar, das für die Küche und einen etwas lahmen Running Gag zuständig ist, und einem Haufen Leibwächter. Offenbar hat Adam ein Verhältnis mit Amelia, was Ruth irgendwie wütend macht, aber ein wirklicher Konflikt wird daraus nicht. (. . .) Das Projekt, die Memoiren von einem langweiligen geschönten Karrierebericht in ein spannendes Buch zu verwandeln, verliert der Film schnell aus den Augen. Wie das gegangen wäre, hätte möglicherweise die bessere Geschichte ergeben. Einige Dialoge, britisch unterkühlt, scharf und witzig, deuten darauf hin. Spannung aber ist aus der Distanz, aus der Polanski hier erzählt, nicht zu haben.“

Erfolgreich war auch „If I Want to Whistle, I Whistle“ von Florin Serban. An ihn ging der der große Preis der Jury und auch der Alfred-Bauer-Preis. In ihm sieht man den jugendlichen Straftäter Silvi, der zwar kurz vor seiner Entlassung aus der Besserungsanstalt steht, aber trotzdem die Sozialarbeiterin kidnappt, in die er sich verliebt hat. Nach der Flucht muss er sich allerdings erst mal um seinen jüngeren Bruder kümmern.

Und als bester Erstlingsfilm ging schließlich „Sebbe“ von Babak Najafi aus dem Wettbewerb hervor.

Und die Gewinner sind

Goldener Bär: „Bal“ von Semih Kaplanoglu

Silberner Bär für die beste Darstellerin: Shinobu Terajimain in „Caterpillar“

Silberner Bär für den besten Darsteller: Grigory Dobrygin und Sergei Puskepalis in „How I Ended this Summer“

Silberner Bär für die beste Regie: Roman Polanski für „The Ghost Writer“

Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung: Pavel Kostomarovür die Kamera in „How I Ended this Summer“

Silberner Bär für das beste Drehbuch: Wang Quan'an und Na Jin für „Tuan Yuan“

Großer Preis der Jury: „If I Want to Whistle, I Whistle“ von Florin Serban

Alfred-Bauer-Preis: „If I Want to Whistle, I Whistle“

Bester Erstlingsfilm: „Sebbe“ von Babak Najafi (in der Sektion Generation)

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