Home
http://www.faz.net/-gqz-xvh1
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.01.2011, 15:25 Uhr

Reaktionen zum Tod Bernd Eichingers Ein leidenschaftlicher Antreiber und Träumer

Der plötzliche Tod von Bernd Eichinger hat nicht nur in der Filmwelt große Trauer ausgelöst. Auch viele Politiker zeigten sich bestürzt. Die Reaktionen sind einhellig: Deutschland hat seinen bedeutendsten Filmemacher mit internationalem Format verloren.

© dpa Bernd Eichinger, 1949-2011

Mit Bestürzung haben Filmwelt und Politik auf den überraschenden Tod Bernd Eichingers reagiert, der am Montag im Alter von 61 Jahren in Los Angeles an einem Herzinfarkt gestorben war. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Mittwoch in Berlin: „Unser Kino verliert mit ihm nicht nur den erfolgreichsten Produzenten der letzten Jahrzehnte, sondern auch seinen leidenschaftlichsten Antreiber und Träumer. Millionen verdanken ihm berührende Filmmomente“. In seinen Filmen, von „Christiane F.“ über „Der Untergang“ bis hin zum „Baader Meinhof Komplex“, werde Eichinger weiterleben.

Bundespräsident Christian Wulff würdigte Eichinger als „außergewöhnliche Persönlichkeit“. „Ihr Mann hat sich um das Filmschaffen in Deutschland und das Ansehen des deutschen Films in der Welt verdient gemacht“, erklärte Wulff in einem Kondolenzschreiben an Eichingers Witwe Katja Hofmann. „Seine Leidenschaft für den Film hat mich beeindruckt, ebenso wie seine Fähigkeit, die Kinoleinwand mit Stoffen zu bereichern, die großen Mut und Tatkraft erforderten“, schreibt Wulff.

Mehr zum Thema

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hatte zuvor erklärt: „Bernd Eichinger war ein ganz Großer des Films - national wie international erfolgreich als Autor, Regisseur und Produzent. Er hat den Film in den letzten Jahrzehnten so nachhaltig wie niemand sonst in Deutschland geprägt“.

Filmproduzent Bernd Eichinger ist tot © dpa Vergrößern Bernd Eichinger und Regisseur Wolfgang Petersen beim Deutschen Filmball 1985

Kreative Besessenheit

In München hatte die Nachricht vom plötzlichen Tod Bernd Eichingers am Dienstagabend die „Diva“-Verleihung überschattet. Viele der Filmleute, Musiker und Moderatoren erfuhren erst auf dem roten Teppich und vor laufenden Kameras vom Tod des 61-Jährigen, der so oft dabei gewesen war, wenn in München gefeiert wurde. Der als Bester Schauspieler ausgezeichnete Herbert Knaup sagte bei der Preisübergabe: Die „Diva“ werde er immer mit Eichinger in Verbindung bringen. Eichinger, „der auch irgendwie eine Diva war, mit seinen weißen Turnschuhen“, hinterlasse ein Riesen-Loch in der deutschen Filmlandschaft.

Der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen zeigte sich in seiner Wahlheimat Amerika „total schockierend“ von der Todesnachricht. „Er war wie ein Bruder, ein Freund und ein Partner für mich, der es mit seiner kreativen Besessenheit unglaublich ernst meinte“, sagte der 69-jährige Hollywood-Regisseur am Dienstagnachmittag (Ortszeit) der Deutschen Presseagentur. Eichinger hätte immer „sehr riskant“ gelebt, aber gerade in den letzten Jahren, dank seiner „tollen Ehe“ mit der Journalistin Katja Hoffmann, „war er endlich zur Ruhe gekommen“, meint Petersen. „Leider waren ihnen nur so schmerzlich wenige Jahre vergönnt.“

„Einer wie ihn haben wir nicht mehr“

Als „Giganten des europäischen Films“ hat der Oscar-Juror und Filmproduzent Mark Johnson den deutschen Filmproduzenten Bernd Eichinger bezeichnet. Eichinger sei ein Türöffner für deutsche Produktionen gewesen, sagte der Chef des Gremiums, das ausländische Filme für die Oscar-Nominierung auswählt, in New York. Johnson bezeichnete den Film „Der Untergang“ als Eichingers wichtigstes Werk.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) würdigte Eichinger als „einen großen deutschen Filmemacher und Produzenten, der die internationale Filmkunst wie wenige geprägt“ habe. Mit seinen Leinwanderfolgen bleibe er dem Publikum „unvergesslich“, erklärte Westerwelle in Berlin. Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte: „Seine Verdienste um das Filmland Deutschland können gar nicht überschätzt werden.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Berlinale Auf der Suche

Stars wie Julianne Moore und George Clooney sorgen für Glanz, und im Wettbewerb läuft der längste Film der Festivalgeschichte. Die 66. Berlinale startet aber erstmals auch einen Spendenaufruf. Mehr

03.02.2016, 17:37 Uhr | Feuilleton
Berlinale Roter Teppich für Midnight Special mit Kirsten Dunst

Die Schauspielerin Kirsten Dunst hat ihren neuen Film Midnight Special auf der Berlinale vorgestellt. Der Science-Fiction-Thriller von Regisseur Jeff Nichols ist einer der 18 Streifen, der in den Wettbewerb um den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele geht. Mehr

13.02.2016, 17:16 Uhr | Feuilleton
Was bringt die Berlinale? Das Meiste von allem, das Beste von Nichts

Dass nur ein einziger deutscher Film im Berlinale-Wettbewerb vertreten ist, hat seinen Grund. Auch das Star-Aufgebot ist übersichtlich. Die Filmfestspiele müssen sich in diesem Jahr mit kleinen Rekorden begnügen. Mehr Von Peter Körte

07.02.2016, 13:44 Uhr | Feuilleton
Promis am roten Teppich Ein Selfie mit George Clooney zur Berlinale-Eröffnung

Mit dem Film Hail, Ceasar! der Coen-Brüder ist die 66. Berlinale eröffnet worden. Auf dem roten Teppich am Potsdamer Platz in Berlin drängte sich die internationale Schauspiel-Prominenz – am begehrtesten war Hollywood-Star George Clooney. Mehr

12.02.2016, 15:24 Uhr | Feuilleton
Drehbuchautoren und Regisseure Eine Branche in Angststarre

Letztlich geht es nur darum, die schönsten Szene, die interessantesten Stoffe vor der Sense der Bighead-Meinungen zu retten: Warum Drehbuchautoren und Regisseure mehr denn je zusammenhalten müssen. Ein Gastbeitrag. Mehr Von Dominik Graf

09.02.2016, 20:27 Uhr | Feuilleton
Glosse

Die Jungs nebenan

Von Tilman Spreckelsen

Sie verkauft sich glänzend, heißt es aus dem Verlag. Dennoch hat Carlsen den Vertrag mit einer Autorin kündigen müssen – weil sie abgeschrieben hatte. Ausgerechnet aus einem Carlsen-Buch. Die Leser haben es gemerkt. Mehr 1 2

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“