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„Shahada“ im Berlinale-Wettbewerb : Kein Meister vom Himmel

Auch in der liberalen Koranstunde bleibt das Kopftuch Pflicht: Maryam Zaree als Imamstochter in Burhan Qurbanis Spielfilmdebüt Bild: dpa

„Shahada“ ist das Kinodebüt des in Afghanistan geborenen und in Deutschland aufgewachsenen Burhan Qurbani. Es spielt im Umkreis einer Berliner Moschee und packt jede Menge aktueller Probleme an. Aber ein Film, ein ganzer, wird nicht daraus.

          Man kann sich gut vorstellen, was den Redakteuren des ZDF, den Professoren der Filmakademie Baden-Württemberg und den Verwaltern des Förderfonds Hessen Invest an Burhan Qurbanis Regiedebüt „Shahada“ gefallen hat, wenn man hört, worum es in diesem Film geht. Eine junge Türkin wird nach einer illegalen Abtreibung zur religiösen Fanatikerin; ein türkischer Polizist verliebt sich in eine Frau, deren ungeborenes Kind er bei einem Schusswechsel getötet hat; ein Nigerianer nimmt seinen deutschen Liebhaber mit zur Koranstunde, leidet anschließend unter Gewissenszweifeln wegen seiner Homosexualität und lässt sich von einem liberalen Imam trösten.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Das sind die drei Erzählstränge, die in „Shahada“ rings um eine Berliner Moschee entfaltet und durch gefühlte fünfundzwanzig Zwischentitel miteinander verbunden werden, und tatsächlich rührt jede dieser Geschichten an ein gesellschaftlich hoch relevantes Thema: Integration, Identität, Islam und was der Reizworte mehr sind. Aber ein Film, ein ganzer, wird dennoch nicht daraus. Denn der in Afghanistan geborene und in Deutschland aufgewachsene Regisseur hat anscheinend seine ganze Kraft dafür gebraucht, in jeder Szene filmisch alles richtig zu machen, so dass für die Feinarbeit an den Charakteren keine Zeit mehr blieb. Die Figuren sind hölzern, ihre Dialoge von der Art, die man in Drehbuchseminaren oft zu hören bekommt, und nur die iranische Schauspielerin Maryam Zaree, die die fanatisierte Tochter des Imams verkörpert, ragt weit aus dem fernsehgerecht inszenierten Einerlei heraus.

          Für Qurbani mag der Film eine bestandene Prüfung sein, für die Berlinale, deren Wettbewerb ohnehin keine Meisterklasse ist, bezeichnet er ein Problem. Denn ebenso gut wie „Shahada“ hätte auch Feo Aladags im Panorama gezeigtes Familiendrama „Die Fremde“ (mit Sibel Kekilli als rebellierender türkischer Ehefrau) in der Hauptsektion laufen können, und genauso gern oder ungern hätte man beide Filme im Forum angeschaut. Ebendarin aber liegt eine entscheidende Schwäche dieses Festivals: dass für niemanden mehr klar erkennbar ist, warum ein Film gerade in dieser oder jener Reihe präsentiert wird, dass es viele Töpfe mit vielen Deckeln, aber keine Übersicht gibt. Man kann das für übertriebenes Ordnungsdenken halten. Aber andere Festivals haben diese Ordnung geschaffen, und sie fahren gut damit.

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